Meinungen

Binäre Risiken

Die Finanzmärkte zeigen eine gefährliche Selbstgefälligkeit im Hinblick auf politische Risiken im November und Dezember. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Ein Sieg des Horrorclowns Donald Trump wäre ein Schock für die Märkte.»

Erinnern Sie sich an die Tage vor dem 23. Juni 2016? An den Finanzmärkten war die Meinung vor der Brexit-Abstimmung überwiegend klar: Die Bürger des Vereinigten Königreichs werden den Austritt aus der Europäischen Union ablehnen.

Das Resultat in der Nacht auf den 24. Juni war ein – im Rückblick zwar kurzer, aber vorerst doch heftiger – Schock an den Börsen. Die Marktteilnehmer waren zu selbstgefällig mit einem binären Politrisiko umgegangen.

Am 8. November steht mit der US-Präsidentenwahl ein weiteres binäres Politrisiko auf der Agenda. Die aktuelle Stimmung an den Märkten zeigt Ähnlichkeiten mit der Zeit vor dem Brexit-Referendum: Es wird schon nichts Schlimmes passieren, lautet die allgemein akzeptierte Meinung. Der US-Aktienmarkt notiert aktuell nur 3% unter dem Allzeithoch.

Doch was, wenn die Umfragen – einmal mehr – falsch lagen und Donald Trump die Wahl gewinnt? Ein Sieg des Horrorclowns aus New York wäre ein Schock für die Märkte.

Ein weiteres wichtiges Datum mit einem beträchtlichen politischen Risiko ist der 4. Dezember: An diesem Sonntag stimmt die Bevölkerung Italiens über die von Ministerpräsident Matteo Renzi lancierte Verfassungsreform ab. Renzi – dessen bisherige Erfolge sich angesichts der politischen Realitäten in Rom durchaus sehen lassen – hat alles auf dieses Referendum gesetzt.

Sollte er verlieren und abtreten, erscheint schon bald die europäische Version des Horrorclowns wieder auf der Bühne: Beppe Grillo und seine Fünfsternebewegung mit ihrer dezidierten Anti-Euro-Politik.

Gut möglich, dass der 8. November und der 4. Dezember glimpflich verlaufen werden. Doch allzu selbstgefällige Marktteilnehmer sind immer gefährlich. Es braucht wenig, um an den tendenziell hoch bewerteten Börsen einen Ausverkauf zu provozieren.