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Märkte / Aktien

«Biotechnologie-Aktien sind wieder interessant»

Peter Bänziger, CIO und Partner des Vermögensverwalters Belvalor, traut den Aktienmärkten in den kommenden Jahren eine Kursavance von jährlich rund 5% zu.

Herr Bänziger, 2016 hatten wir Brexit, Trump, Italien – nichts konnte die Märkte nachhaltig erschüttern. Wird 2017 demnach ein grossartiges Börsenjahr?
Wir wissen, dass politische Ereignisse in der Regel nur kurzfristige Effekte haben. Zudem ist es sehr schwierig, solche Ereignisse vorherzusagen und abzuschätzen, wie die Märkte darauf reagieren werden. Aus diesen Gründen spekulieren wir nicht auf politische Geschehnisse.

Worauf achten Sie dann?
Bei unseren Investitionen kombinieren wir die Faktoren Qualität, Bewertung und Momentum. Die Bewertungen der Aktienmärkte liegen insgesamt in einem fairen Bereich, wobei die USA leicht teuer sind. Das Momentum hat sich mit der Wahl Donald Trumps markant verbessert. Der Grund dafür sind wohl die Erwartungen auf steigende Unternehmensgewinne.

Kann Trump diese erfüllen?
Ich glaube, bei den Investitionen in die marode Infrastruktur kann er schnell Resultate erzielen. Dort hat sich ein grosser Investitionsbedarf angestaut. Wird dieser angegangen, wird sich auch die Stimmung in der Wirtschaft nochmals verbessern. Allerdings war die Grundstimmung bereits vor der Trump-Wahl gut, die Arbeitslosenquote sehr tief, das Konsumentenvertrauen hoch. Selbst bei einem anderen Wahlausgang wäre die Stimmung positiv.

Reicht das für ein gutes Aktienjahr?
Tendenziell sind Nachwahljahre, also jeweils das erste Jahr nach der Präsidentschaftswahl, schwache Börsenjahre. Trotzdem bleiben Aktien für mich erste Wahl, wobei das Marktumfeld weiterhin volatil sein wird, vor allem wegen den politischen Ereignissen und der Diskussion um weitere Zinsschritte.

Was heisst das konkret?
Die Aktien werden weiterhin sehr sensitiv auf Nachrichten reagieren. Unternehmen, welche die Gewinnziele erreichen oder übertreffen, werden belohnt. Andererseits werden diejenigen bestraft, die die Erwartungen nicht erfüllen.

Auf welche Segmente trifft das zu?
Am stärksten auf Finanztitel, die zuvor massiv unter Druck geraten sind, und die in den Indizes ein grosses Gewicht haben. Sie profitieren von der Zinsnormalisierung. Dadurch sollten die Börsen ein positives Jahr vor sich haben. Allerdings rechne ich nicht mit einer euphorischen Entwicklung.

Was können Anleger erwarten?
Aufgrund der insgesamt fairen Bewertung rechne ich für die kommenden drei bis fünf Jahre mit einer mittleren jährlichen Rendite von ungefähr 5%. Dies entspricht in etwa der Risikoprämie für Aktien. Leider fallen diese Renditen nicht linear an, sondern müssen mit den gewohnten Schwankungen verdient werden.

Gilt das auch für die Schweizer Börse?
Der Swiss Market Index lag 2016 wegen seiner Zusammensetzung im Hintertreffen. Das schwache Abschneiden der Schwergewichte Nestlé (NESN 84.15 -0.18%), Novartis (NOVN 84.05 0.3%) und Roche (ROG 246.1 0.82%) lastete auf dem SMI (SMI 9446.4 0.55%). Dieser Abwärtstrend ist aber bereits weit fortgeschritten und die attraktiven Dividendenrenditen sollten bald Unterstützung bieten. Da wir davon ausgehen, dass die Normalisierung in der Bewertung der Banktitel – aber auch der Versicherungen – anhält, dürfte der SMI insgesamt profitieren. Allerdings erwarte ich keine ausgeprägte Rally.

Alles hängt also an den Finanzwerten?
Nein, primär an den erwähnten Schwergewichten, aber auch an den günstigen, dividendenstarken Versicherungswerten. In der Schweiz gibt es zudem eine ganze Reihe attraktiver, mittelgrosser Unternehmen, die den breiten Markt ebenfalls tragen können. Sie sind aber teilweise recht hoch bewertet.

Heisst das nun kaufen oder nicht kaufen?
Für mich heisst das im Prinzip, investiert bleiben. Als Strategie für den Anleger aus der Schweiz oder dem Euroraum bedeutet das nach wie vor, ein Kernportfolio aus günstig bewerteten, dividendenstarken Firmen zu halten. Sie sollten mit vernünftig bewerteten Titeln von Wachstumsunternehmen ergänzt werden, die konstant hohe Margen erwirtschaften.

Wer zählt zu diesen Wachstumsfirmen?
In der Schweiz gehören etwa der Aroma- und Riechstoffhersteller Givaudan (GIVN 2210 0.41%) oder der Warenprüfkonzern SGS (SGSN 2489 1.3%) dazu, in Deutschland der Medizintechniker Carl Zeiss Meditec, MTU Aero Engines (MTX 153.5 2.3%) und Fuchs Petrolub.

Wo sehen Sie sonst noch Chancen?
Biotechnologie ist ein Sektor, der stark gelitten hat, mittlerweile aber wieder interessant aussieht. Dort kommen wieder Übernahmefantasien auf – wie bei Actelion (Actelion 0 0%) –, was sich positiv auf das Segment auswirken dürfte. Investitionsmöglichkeiten bieten etwa Galenica (GALE 49.7 1.33%) oder der iShares Nasdaq Biotechnology (Nasdaq Biotechnology 3344.0577 -0.08%) ETF.

Die US-Börse hat sich jüngst zum Favoriten der Anleger entwickelt. Zu Recht?
Ich würde auch erwarten, dass US-Unternehmen am stärksten vom Trump-Effekt profitieren werden. Zudem erwirtschaften die dortigen Gesellschaften Rekordgewinne und werden diese sogar noch steigern können, während die Gewinne in Europa in gewissen Segmenten immer noch stagnieren oder schrumpfen. Deshalb ist Europa auch günstiger bewertet. Aber als Schweizer Anleger würde ich trotzdem schwergewichtig auf hiesige und europäische Valoren setzen.

Wo in Europa investieren Sie?
Unser bevorzugter Markt ist Deutschland, weil er attraktiv bewertet ist und den stärksten Trend aufweist. Obwohl die italienischen und spanischen Börsen günstig aussehen, würden wir sie untergewichten. Auch sehen wir Chancen in Skandinavien bei Atlas Copco (ATCO A 362.8 2.95%), Novo Nordisk, Marine Harvest und in Frankreich bei Total (TTA 47.22 1.53%), Axa (CS 25.68 1.6%), aber auch bei LVMH (MC 285 0%).

Warum meiden Sie Italien und Spanien? Diese Börsen verfügen über einen grossen Anteil an Finanz- und Versicherungswerten.
Das stimmt. Für mich sind die Risiken im italienischen Bankensystem einfach noch zu gross. Das ist eines der Hauptrisiken in Europa. Die EU ist zudem politisch geschwächt. Die Flüchtlingskrise könnte im nächsten Sommer wieder aufflammen. Man hat sich zwar mit der expansiven Politik der Europäischen Zentralbank Zeit gekauft, diese aber nicht genutzt, um die Probleme anzupacken. Steigen die Zinsen weiter, kommt das Schuldenproblem wieder an die Oberfläche. Deshalb halte ich mich an die europäischen Kernländer.

Ist das für Sie demnach die Zinswende?
Von einer Wende kann man noch nicht sprechen. Nach fünfunddreissig Jahren fallender Zinsen ist das aber das Trendende. Das Zinsniveau ist künstlich zu weit gefallen und jetzt folgt eine Normalisierung. Auch bei der Inflation haben wir uns von den Tiefst gelöst. Zwar sehen wir einen weiteren Anstieg bei den Zinsen, sie dürften aber auf tiefem Niveau verharren.

Von was für einer Spanne gehen Sie aus?
Ein zusätzlicher Anstieg von einem halben Prozent liegt sicher drin. Auch bei den Zinsen gilt, dass die Märkte in einer ersten Phase oft überschiessen. In der Tendenz erwarte ich zehnjährige US-Zinsen im Bereich von 3%, deutsche Zinsen bei rund 1%, während sich Eidgenossen bei null oder leicht darüber einpendeln dürften.

Die Zinsentwicklung stärkt den Dollar. Wann wird das zum Problem?
Aus Schweizer Sicht ist ein starker Dollar vor allem einmal positiv, einerseits für die Exporteure, anderseits entlastet er die Nationalbank. Aber der Dollar wird sich gegenüber dem Franken nicht mehr massiv aufwerten. Er dürfte sich in einem Bereich von 95 Rappen bis 1.05 Franken bewegen. Problematisch für die Schweiz ist vielmehr der permanente Aufwärtsdruck des Frankens gegenüber dem Euro. Die SNB (SNBN 3950 1.28%) steckt in der Zwickmühle: Der starke Dollar hilft, während der Euro wahrscheinlich weiter gestützt werden muss.

Dieser Druck dürfte anhalten.
Ja, er wird erst dann nachlassen, wenn die EZB ihre Geldpolitik anpasst und ihre Anleihenkäufe reduziert.

Im Hinblick auf die Wahlen in Deutschland und Frankreich ist das kaum zu erwarten.
Nein. Die einzige Chance sehe ich darin, dass der Markt es regelt. Der Zinsanstieg in den USA hat auch die europäischen Renditen nach oben gezogen. Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen erwarten wir einen weiteren Anstieg von bis zu 0,5%. Dadurch würden auch die europäischen Zinsen weiter steigen und die Schweizer Kurve sukzessive ins Positive gehievt. Das würde die Aufgabe der EZB und der SNB erleichtern. Sie könnten dann nachvollziehen, was der Markt vorgemacht hat.

Empfehlen Sie Gold zur Absicherung?
Wegen der ungelösten Schuldenproblematik in Europa halten wir an einem moderaten Goldanteil von 3 bis 5% fest. Zwar ist der Preistrend kurzfristig schwach, nach dem kräftigen Preisrückgang von über 1300 auf rund 1150 $ pro Unze ist eine Stabilisierung wahrscheinlich.