Meinungen

Bitcoin 100’000?

Der Preis für Bitcoin steigt und steigt. Weitere Avancen würden nicht überraschen, sind aber kein Selbstläufer. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Das Fehlen von Bewertungsregeln für Bitcoin ist auch ein Vorteil»

Am Donnerstag notierte Bitcoin (Bitcoin 36'857.00 -5.4%) zum ersten Mal über 40’000 $. Seit März 2020 hat sich der Wert der Kryptowährung verachtfacht, seit Mitte Dezember verdoppelt. Eine starke Performance. Anfang Dezember hatte ich den­jenigen Anlegern, die ein bisschen «Spielgeld» haben und bereit sind, Kursschwankungen auszusitzen, grünes Licht für eine Wette auf die Cyberwährung gegeben. Die Rechnung ist aufgegangen. Doch wie geht es weiter?

Eine der grossen Schwächen von Bitcoin ist, dass es keine herkömmlichen Bewertungsmethoden gibt. Für Aktien bestehen klare Parameter, die zeigen, ob eine Investition günstig oder teuer, risikoreich oder defensiv ist. Das fehlt für Bitcoin. Ja, man hört immer wieder, dass die Anlage eine Absicherung gegen Inflation sei, eine Alternative gar zu Gold (Gold 1'828.34 -0.96%). Doch der richtige Preis dafür ist Glückssache.

Das Fehlen von Bewertungsregeln für Bitcoin ist aber auch ein Vorteil. Nach oben gibt es für den Kurs dadurch keine wirkliche Grenze. Wenn ich beispielsweise in Nestlé (NESN 100.88 +0.44%) investiere und pro Aktie rund 100 Fr. bezahle, dann weiss ich, dass das Unternehmen ­bereits Marktführer ist, äusserst solide aufgestellt und sich auch durch Akquisitionen und Innovationen nicht völlig neu erfinden kann. Die Kursgrenze nach oben für das ­laufende Jahr liegt wohl bei 120 Fr.  

Bitcoin hingegen kann schon Ende Jahr 100 000 $ wert sein. Das würde mich keinesfalls überraschen. Die Währung kann aber auch locker ­wieder unter 10’000 $ sacken. Deshalb gilt auch auf fast 40’000 $: Wer «Spielgeld» hat, der kann sein Glück mit Bitcoin durchaus ver­suchen – zapfen Sie dafür aber bitte nicht Ihre Altersvorsorge an.