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Bitcoin: Amazon-Gerüchte sorgen für Kurssprung

Der Bitcoin erholt sich zum Schluss des Berichtszeitraums und nähert sich einem Preis von 40'000 $.

ALAIN KUNZ, DIRECTOR BUSINESS DEVELOPMENT EUROPE, GSR

Gerüchte, wonach Amazon (AMZN 2'799.72 -3.15%) schon bald Zahlungen in Bitcoin akzeptieren könnte, haben jüngst den Kurs beflügelt. Aussagen von Twitter-CEO Jack Dorsey, der Bitcoin sei der Schlüssel für die Zukunft des Unternehmens und der Fokus liege auf der Verbesserung der Dienste für und rund um Bitcoin, trugen ebenfalls zu den Kurssteigerungen bei. Oder führten Elon Musks positive Äusserungen zu Kryptos an der Plan-B-Konferenz zum verspäteten Kaufrausch unter seinen Jüngern?

Sicher ist, dass Elon Musk, seine Tesla (TSLA 918.40 -1.25%) und auch SpaceX Eigentümer von Bitcoin sind. Privat enthält das Portfolio noch Ethereum und Dogecoin, aber die signifikante Mehrheit ist in Bitcoin. Die Beträge, die investiert wurden, bleiben unbekannt. Musk outete sich an der oben erwähnten B-Word-Konferenz als Fan von DeFi – dezentralen Finanzen. Womit sich einmal mehr zeigt: Beachte, was Menschen tun, nicht was sie sagen.

Vom Aktienmarkt abgekoppelt

Die vergangene Woche hat gezeigt, dass sich der Bitcoin-Preis vom Aktienmarkt abkoppelt, obwohl die Inflation gemessen am US-Verbraucherpreisindex im letzten Monat am schnellsten stieg seit 2008. Ein kurzer Blick auf das makroökonomische Bild relativiert die Bitcoin-Preisentwicklung rasch: Bitcoin hat sich im letzten Jahr vervierfacht, als der USD-Notendrucker die Finanzmärkte aufpumpte und damit die Geldmenge in einem Jahr fast verdoppelte.

Ein positives Zeichen ist, dass Bitcoin Ende letzter Woche dem Internet-Ausfall trotzte. Playstation, Steam, BBVA, Delta Airlines, British Airways und insgesamt mehr als 30’000 Websites sind ausgefallen, und Bitcoin läuft weiter. Das Problem scheint bei Akamai zu liegen, einem der weltweit grössten Hosting-Anbietern. Das ist auch eine Demonstration der Fragilität zentraler Systeme.

Stresstest bestanden

Bitcoins Hashrate beginnt sich zu erholen. Mit über 40% der Mining-Machine des Netzwerkes offline aufgrund des Crackdowns in China, ist dies wohl die grösste Infrastruktur-Migration der modernen Geschichte. Bitcoin besteht einen weiteren Stresstest.

Ganz offensichtlich ist, dass Bitcoin Mainstream gegangen ist. Goldman-Kunden wollen ihn, JPMorgan-Kunden wollen ihn, Morgan-Stanley-Kunden wollen ihn – alle wollen Bitcoin. Die Ironie: Was einst als abtrünnige Idee für Randfiguren startete, ist nun so gross geworden, dass genau das, was in erster Linie ersetzt werden sollte – die Intermediäre des Finanzsystems – es nun alle für sich selbst haben wollen.

Kein Verbot, hohe Bewertungen

In diesem Kontext sind auch Meldungen zu sehen, die EU verbietet die Selbstverwahrung von Bitcoin und weiteren Kryptos. Dem ist nicht so. Die EU-Vorschriften sehen kein Verbot von Krypto-Wallets vor, sondern vertretbare Regeln für Krypto-Finanzdienstleister wie Börsen und Verwahrungsdienste. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um die Anwendung der «travel rule» der FATF auf Kryptos, was zu erwarten war.

Gemäss Glassnode werden jeden Monat Bitcoins im Umfang von knapp 1 Mrd. $ von Krypto-Börsen abgezogen und in die Selbstverwahrung transferiert. Andere Nachrichten deuten auf einen Mangel an institutionellem Appetit für Bitcoin hin. Der anhaltende Abschlag im Grayscale Bitcoin Trust und die jüngsten Abzüge auf Krypto-ETP scheinen dies zu unterstützen.

Aber die Aktivität von traditionellen Finanzdienstleistern im Krypto-Sektor ist zunehmend. Derzeit fliesst viel Geld zu sportlichen Bewertungen in Aktien von Krypto-Unternehmen – aber gut, die Fantasie kennt keine Grenzen. Der Anleger gehört zur Kategorie der Herdentiere. Aktien-Investments sind für institutionelle Anleger aus operativer und regulatorischer Perspektive viel einfacher und angeblich sicherer.

Die Investoren sind in diesem Fall keine Goldgräber, sondern Verkäufer der Schaufeln. In diesem Kontext sind auch Überlegungen zur Krypto-Infrastruktur zu sehen. Der Investmentansatz «Blockchain statt Bitcoin» könnte in einem bösen Erwachen enden. Was, wenn Krypto-Infrastruktur letztlich nichts anderes ist als ein Derivat des Preises selbst?

Informationen zu Reserven

Circle, ein Stablecoin-Wettbewerber zu Tether, veröffentlicht die Zusammenstellung der Reserven hinter USDC. Er hält über 60% in Barmittel und Äquivalent im Vergleich zu Tether.

Ein transparenter Dollar-Stablecoin wird immer wichtiger mit dem zunehmenden Augenmerk der Regulatoren auf Stablecoins und deren Einfluss auf das Finanzsystem.

Mastercard (MA 258.69 +0.90%), der Zahlungs-Gigant, wird USDC von Circle als Zahlungssystem integrieren und als Brücke zwischen Kryptos und Fiat-Währungen nutzen. Mastercard und auch Visa (V 202.00 +0.07%) nutzen die alte Bankeninfrastruktur nicht aus Überzeugung, sondern mangels Alternativen. Was, wenn diese Zahlungsanbieter die Effizienz und Überlegenheit von Stablecoins erkennen und begrüssen? Papiergeld und traditionelles Banking werden so schneller archaisch wie Pferd und Wagen oder so unnötig wie VHS, als DVD aufkam.

Grayscale lanciert einen auf DeFi fokussierten Fonds aufgrund des hohen Interesses von Anlegern an dieser aufkommenden Industrie. Mit knapp 50% ist Uniswap die grösste Position im neuen Vehikel gefolgt von Aave & Compound. Gemäss Robinhood ist Bitcoin das meistgehandelte Krypto auf der Trading-Plattform. Originalität bewährt sich.

Der Ethereum Name Service (ENS) hat im letzten Monat weiter an Momentum gewonnen mit über 10’700 neuen Adressen. ENS ist ein dezentralisiertes System, das es Nutzern ermöglicht, ihre Ethereum-Adressen mit von Menschen lesbaren Namen zu verknüpfen.