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Bitcoin-Börse Mt. Gox ist offline

Von der Handelsplattform Mt. Gox sollen 350 Mio. $ an Bitcoins gestohlen worden sein. Das Bestehen der virtuellen Währung könnte bedroht sein.

Die Anhänger der Digitalwährung Bitcoin müssen einen herben Schlag verkraften: Die Bitcoin-Börse Mt. Gox ist offline, Anleger kommen nicht mehr an ihre Einlagen. Nach einem bisher unbestätigten internen Dokument wurden 744’000 Bitcoins gestohlen. Der Marktwert dieser Bitcoins beträgt über 350 Mio. $. Die Börse ist laut dem Dokument damit so gut wie insolvent, könne die Einlagen also nicht sofort zurückzahlen.

Seit November 2013 mehrten sich die Meldungen, wonach Anleger bei der Börse Mt. Gox nur mit grosser Verspätung oder gar nicht an ihre Bitcoin-Einlagen herankamen. Die Börse schob die Schuld zuerst auf die Bank, bei der sie Konten unterhält. ­Anfang Februar wurden dann aber alle Transaktionen angehalten. Der Grund dafür ist laut Mt. Gox ein Konzeptionsfehler des Bitcoin-Systems, der auch alle anderen Börsen betreffe. Experten widersprechen: Die Manipulationsmöglichkeit, mit der eine korrekt ausgeführte Transaktion als nicht erfolgreich ausgewiesen werde, sei nur durch einen Fehler im System von Mt. Gox entstanden.

Nicht die erste Hiobsbotschaft

Das war nicht die erste Hiobsbotschaft: So wurde im März 2013 der Handel wegen eines technischen Problems vorübergehend gestoppt, was zu einem Bitcoin-Crash führte. Im Mai sperrten Behörden dann die US-Bankkonten von Mt. Gox, da die Börse sich nicht als Finanzdienstleister registriert hatte. Zahlungen an US-Konten waren danach nicht mehr möglich. Und schon Mitte 2011 musste die Börse einen gross angelegten Hacker-Angriff verkraften.

Eigentlich hätten die Auszahlungen aus der Börse vergangene Woche wieder ­begonnen werden sollen. Doch die Ankündigung wurde zurückgezogen. Viele Anleger hielten schon vergangene Woche die Einlagen bei Mt. Gox für so gut wie verloren und wollten zu fast jedem Preis aussteigen: Der Bitcoin kostete am Freitag nur noch 143 $ statt um die 580 $ wie an anderen Börsen.

Mt. Gox war ein dominanter Player auf dem Bitcoin-Markt: Im April 2013 wickelte der Handelsplatz etwa 70% aller Bitcoin-Transaktionen in andere Währungen ab. Zeitweise seien bis zu 20 Mio. $ täglich an die Börse geflossen.

Inkompetentes Management

Auch andere Bitcoin-Börsen hatten Probleme, wie das Konkurrenzunternehmen BTC China, das wegen Auflagen der chinesischen Behörden den Handel zeitweise aussetzen musste. Doch die Inkompetenz des Mt.-Gox-Managements unter dem 28-jährigen CEO Mark Karpelès sticht hervor. Karpelès ist das Gesicht der Bitcoin-Misere. Er ist wegen des öffentlichen Drucks am Wochenende aus dem Vorstand der Bitcoin Foundation – einer US-Stiftung, die die Interessen der Bitcoin-Industrie vertritt – zurückgetreten.

Gemäss dem nun veröffentlichten internen Dokument – das eine Strategie zur Krisenbewältigung bei Mt. Gox aufzeigt – sollte das Geschäft schrittweise heruntergefahren werden.

Mark Karpelès sollte als CEO zurücktreten, die fehlenden Bitcoins zurückgekauft werden. Mit der Publikation des Dokuments ist diese Strategie wohl hinfällig. Laut dem Dokument soll der Diebstahl mehrere Jahre nicht bemerkt worden sein.

Eine Vereinigung von anderen Bitcoin-Unternehmen distanziert sich vom Verhalten von Mt. Gox:

«Der tragische Vertrauensbruch von Mt. Gox an die Nutzer war das Ergebnis der abstossenden Handlungen eines Unternehmens. Es spiegelt nicht die Widerstandsfähigkeit oder den Wert von Bitcoin und die Digitalwährungsindustrie. Es gibt Hunderte vertrauenswürde und verantwortungsbewusste Unternehmen, die in Bitcoins involviert sind.»

Doch das Vertrauen in Bitcoins hat auf jeden Fall einen weiteren Schlag erhalten. Seit Sonntag ist der Preis der Bitcoins von über 600 auf 450 $ gesunken (vgl. Grafik oben).