Märkte

ETF-Fantasie beflügelt Bitcoin

Bitcoin nähert sich seinem Allzeithoch aufgrund steigender Erwartungen, dass die US-Regulierungsbehörde einen der vielen ETF-Anträge genehmigen wird.

ALAIN KUNZ, DIRECTOR BUSINESS DEVELOPMENT EUROPE, GSR

Der Preis von Bitcoin (Bitcoin 54'585.00 +0.26%) notiert bei 62’415 $, Ethereum kostet 3871 $. Das entspricht in der zweiwöchigen Berichtsperiode einem Plus von über 30% beim ältesten Kryptowert respektive 15% im Fall von Ethereum.

Zu den grossen Gewinnern über die letzten 30 Tage gehören Shiba Inu (SHIB), Axie Infinity (AXS) und Stacks (STX). Die Marktkapitalisierung der Kryptos beläuft sich auf über 2,1 Bio. $, und der Gesamtwert der dezentralisierten Finanzen (DeFi) liegt bei etwas über 89,54 Mrd. $. Die Dominanz von Bitcoin ist steigend und liegt aktuell bei 46,3%. Ethereum erreicht 18,4%.

SEC gibt grünes Licht

Die US-Börsenaufsichtsbehörde prüft derzeit rund 40 Bitcoin-ETF-Anträge. In der kommenden Woche sind mehrere Fristen fällig, um eine Entscheidung über Futures-basierte ETF zu treffen.

Die erste Bitcoin-ETF-Applikation von Winklevoss Capital ist seit dem 1. Juli 2013 hängig beim Regulator – mit Hinweis auf den Anlegerschutz wurde der finale Entscheid laufend hinausgezögert. Als die Winklevoss-Zwillinge zum ersten Mal einen Bitcoin-ETF beantragten, lag der Preis von Bitcoin bei etwa 100 $. 

Nach jahrelangen Versuchen verschiedenster ETF-Sponsoren gab die SEC am letzten Freitag grünes Licht für einen Bitcoin-Futures-ETF – eine Premiere für die Branche. Das Unternehmen ProShares, das im vergangenen Sommer einen Antrag für seinen Bitcoin Strategy ETF gestellt hat, könnte als Erstes ein entsprechendes Produkt lancieren.

Vieles deutet darauf hin, dass lediglich ein Futures-basierter ETF und kein Spot-ETF genehmigt wird. Die Nachteile von Futures-ETF sollten allerdings nicht unterschätzt werden. Sucht ein Anleger Bitcoin-Exposure, kauft er idealerweise Spot-Bitcoin und verwahrt diese selbst in einer Hardware-Wallet. Die beste Alternative ist, Bitcoin bei einer kompetenten und vertrauenswürdigen Stelle aufzubewahren.

Das Problem der Futures-ETF

Futures sind Finanzprodukte mit einem Ablaufdatum und müssen deshalb laufend gerollt werden. Ein Problem, das Anlegern aus Rohstoff-ETF bekannt ist. Zeichnet man beim Bitcoin-Futures ETF eine Rollrendite von –1% auf, die der Futures-basierte ETF jeden Monat zahlen muss, um seine Position zu halten, ist dies, als würde man einen Autounfall in Zeitlupe beobachten. Wird heute mit einem Bitcoin gestartet, schrumpft dieser in 20 Monaten auf 0,8 Bitcoin, in 80 Monaten auf 0,5 Bitcoin und in 120 Monaten auf 0,3 Bitcoin. Der Bitcoin-Futures-ETF ist die Antithese zum HODL.

Diese Verwässerung ist für den durchschnittlichen Anleger möglicherweise nicht erkennbar. Sie wird aber nach einigen Jahren Buy & Hold zu einem bösen Erwachen führen. Es stellt sich die Frage, was solch ein Produkt mit Anlegerschutz zu tun hat.

Es kann argumentiert werden, dass es bei diesem ETF nicht um die Anleger geht, sondern dieser ETF ein Geschenk an Wallstreet und Banker ist. In dieser Logik wurde er ins Leben gerufen, damit sie weiterhin Gebühren abschöpfen und versuchen können, das ehrlichste, leicht überprüfbarste Geld in Bitcoin zu manipulieren, das je geschaffen wurde.

Boom beim Krypto-Fundraising

Die Risikokapitalbeschaffung von Krypto-Unternehmen nimmt weiter zu, angetrieben durch Investitionen in Finanzanwendungen, Infrastrukturanbieter und neuerdings auch NFT. Angesichts des enormen Wachstums ergibt es Sinn, einen Blick auf einige interessante Statistiken zu werfen: Die Gesamtzahl der Finanzierungsrunden lag 2020 bei 336, stieg aber im bisherigen Jahresverlauf per Ende September auf 914 an. Allein im dritten Quartal wurden 303 verzeichnet.

Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von über 300%. Mit Ausnahme des ersten Quartals sind sowohl die durchschnittliche als auch die mediane Grösse der Deals im 2021 tendenziell gestiegen, wobei Erstere von 9 auf 30 Mio. $ und Letztere von 3 auf 5 Mio. $ gestiegen sind.

NFT als Gewinner

Seit Anfang 2020 wurde fast die Hälfte des gesamten Fundraisings von zentralisierten Finanzanwendungen durchgeführt, gefolgt von 26% für Krypto-Infrastruktur und DeFi. NFT sammelten jeweils 10% des Risikokapitals.

Trotz des starken Wachstums in allen Kategorien haben zentralisierte Finanzunternehmen im Jahr 2021 gegenüber 2020 nicht weniger als 21 Prozentpunkte ihres Marktanteils bei der Mittelbeschaffung verloren. NFT und Infrastrukturprojekte waren die klaren Gewinner. Und die CeFi-Anteilsverluste verteilten sich gleichmässig auf die beiden Kategorien. Im dritten Quartal war die Zusammensetzung des Fundraisings wie folgt: CeFi 44%, Infrastruktur 27%, NFTs 17%, DeFi 8% und Web 3,4%.

Jack Dorsey treibt Bitcoin voran

Wie MicroStrategy-Gründer Michael Saylor fokussiert sich auch Jack Dorsey, Gründer von Twitter (TWTR 47.07 -0.95%) und Square, auf Bitcoin – und differenziert klar zwischen Bitcoin und Kryptos. Dorsey will ein System aufbauen, das die Zugänglichkeit zum Bitcoin-Mining verbessert und das Bitcoin-Netzwerk weiter dezentralisiert und somit stabiler macht.

Die fortlaufende Dezentralisierung des Netzwerks ist entscheidend für die sichere Abwicklung der Transaktionen, lange nachdem der letzte Bitcoin geschürft worden sein wird. Darüber hinaus zielt das System von Square darauf ab, durch Innovationen in den Bereichen Silikon, Software und Integration ein energieeffizientes Mining anzubieten.

Leser-Kommentare