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Märkte / Devisen

Kommt das Bitcoin der Zentralbanken?

Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sehen ein akutes Thema für Zentralbanken: Sollen sie digitales Bargeld einführen?

Die Kryptowährung Bitcoin ist als Rebellion gegen das etablierte System entstanden. Ein Finanzsystem ohne Zentralbanken, ohne Geschäftsbanken und ohne Staat sollte möglich werden. Doch Ökonomen glauben nicht daran, dass Bitcoin sich als Alternative zu den bestehenden Währungen etablieren wird.

Paradoxerweise könnte sich die Technologie hinter Bitcoin aber als Standard für Währungen etablieren. Denn die Notenbanken registrieren, dass ihr originäres Produkt – das Bargeld – wohl bald durch digitale Lösungen verdrängt werden könnte.

Diese digitalen Angebote werden von privaten Unternehmen zur Verfügung gestellt, nicht von der Zentralbank. Auch Überweisungen per E-Banking sind nicht direkt von der Zentralbank ausgegeben – Salden auf Bankkonten sind Verbindlichkeiten gegenüber einer privaten Bank und sind nicht dem Bargeld gleichgesetzt.

Nur Bankreserven sind digitales Zentralbankgeld

Das einzige digitale Geld, das Zentralbanken routinemässig zur Verfügung stellen, sind Bankreserven. Das sind in der Schweiz etwa die Sichteinlagen, die die Geschäftsbanken bei der Schweizerischen Nationalbank halten. Diese Einlagen sind direkte Verbindlichkeiten der Zentralbank. Private Kunden können dort kein Konto eröffnen.

Ein Aufsatz im neuen BIZ-Quartalsbericht diagnostiziert dies als «akutes» Thema für Zentralbanken. Sie sollten sich mit der Frage beschäftigen, wie sinnvoll ein digitales, von der Zentralbank ausgegebenes Bargeld ist. Vorreiter ist die Riksbank von Schweden. Sie forscht in einem Projekt, wie sie eine eKrona etablieren könnte.

Statt Bargeld nutzen mehr und mehr Menschen in Schweden die Smartphone-App Swish der schwedischen Banken, um in Echtzeit Geld von einem Nutzer zum anderen zu schicken. Sie wurde schon 5 Mio. Mal heruntergeladen (vgl. Grafik rechts) – bei einer Bevölkerung von knapp 10 Mio. Menschen. Gleichzeitig ist Bargeld immer weniger gefragt. Im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt beträgt das Bargeld im Verkehr nur noch ein Drittel des Werts von 2013.

FedCoin statt Dollar?

In den USA ist die Idee einer FedCoin vorgestellt worden. Die US-Notenbank Fed könnte dabei eine Kryptowährung wie Bitcoin schaffen und sie bei Bedarf eins zu eins gegen Dollar umtauschen. Statt wie bei Bitcoin nur gemäss dem Mining-Prozess herausgegeben zu werden, würde die FedCoin je nach Umtauschwunsch der Kunden emittiert werden.

Doch wie hängt solch eine FedCoin mit Bitcoin zusammen? Dafür haben die BIZ-Ökonomen eine Übersicht erstellt, die verschiedene Zahlungsmittel nach vier Kriterien bewertet:
– Für alle zugänglich
– Elektronisch
– Von der Zentralbank herausgegeben
– Peer to Peer, kann also von einem Nutzer zu einem anderen direkt geschickt werden

Nur eine Kryptowährung, die durch die Zentralbank herausgegeben wird, erfüllt all diese Kriterien. Die existierenden Bankreserven etwa genügen den Anforderungen nicht, weil Nutzer sie nicht direkt überweisen können und sie nicht allgemein zugänglich sind.

Und wohl zum ersten Mal in einem BIZ-Bericht wurde die Welt der Pokémon erwähnt: Das virtuelle Geld im Nintendo-Spiel PokémonGo, PokéCoin, ist zwar elektronisch. Doch es ist weder für alle zugänglich, da es nur in diesem Spiel verwendet wird, noch wird es von einer Zentralbank herausgegeben.

Nahe an die Idee einer FedCoin kommt die CADCoin. Sie ist als elektronisches Zahlungsmittel für Finanzinstitute in Kanada angedacht, existiert aber bisher nur als Prototyp. CADCoin würde wie Bitcoin über eine Blockchain (Distributed Ledger, ein dezentral abgespeichertes Register) abgewickelt werden, wäre aber nicht für jeden Bürger zugänglich.

Ähnliches plant ein Konsortium von Banken, einschliesslich der UBS (UBSG 16.5 1.73%), auf privater Basis. Die Utility Settlement Coin ist vorgesehen, um schnell den Wertpapierhandel zwischen Finanzinstituten abzuwickeln. Die Coin würde aber privat herausgegeben, nicht von der Zentralbank. Auch in Deutschland läuft ein Pilotprojekt zu solch einer Settlement-Einheit. Dabei kooperieren die Bundesbank und die Deutsche Börse (DB1 94.01 -0.81%).

Ecuador: Einzige Zentralbank mit digitalem Bürgergeld

Digitales Geld für alle Bürger hat eine einzige Zentralbank schon eingeführt. Die ecuadorianische Zentralbank hat zwar keine eigene Währung mehr, da das Land seit einer Wirtschaftskrise im Jahr 2000 den US-Dollar verwendet. Aber die Währungshüterin ohne Währung bietet eine App an, mit der man auch als einfacher Bürger Geld – nämlich harte Dollar – bei der Zentralbank einzahlen kann. Dafür hält man dann den Dinero électronico auf einem Konto der Zentralbank.

Anders als beim Währungskonto könnten die Bürger sich bei einer Kryptowährung der Zentralbank ohne Konto, also anonym oder zumindest pseudonym, gegenseitig Geld zuschicken. Die Autoren der BIZ kommentieren: «Es mag seltsam erscheinen, dass eine Zentralbank eine Kryptowährung herausgibt, die Anonymität bereitstellt. Aber das ist genau das, was sie mit Bargeld schon tut.»

Wenn denn die Sicherheit der elektronischen Lösung kein Problem ist, könnte damit den Kritikern einer Abkehr vom Bargeld der Wind aus den Segeln genommen werden. Sie könnten auch elektronisch anonym bezahlen.

Geldpolitische Auswirkungen sind die grösste Crux

Was der BIZ-Artikel nicht diskutiert, sind die Auswirkungen des Zentralbankgelds auf die Geldpolitik. Denn für manche Ökonomen – etwa den US-Professor Miles Kimball – erscheint es als dringendes Problem, dass eine Zentralbank auch auf Bargeld einen negativen Zins erheben können sollte. Denn bisher können Negativzinsen auf einem Bankkonto umgangen werden, indem man das Geld abhebt. Bei einem Zins weit unter null wäre die Nullrendite von Bargeld eine attraktive Option.

Beim elektronischen Zentralbankgeld könnte eine Funktion eingeführt werden, bei der die Notenbank den Geldwert verändern kann. So könnte sich der Wert des elektronischen Bargelds je nach geldpolitisch gesetztem Zins verändern. Für Anhänger des Bargelds wäre das wohl ein Horror.