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Bitcoin-Hack: 70 Mio. $ einfach weg

Nach dem neuerlichen Raub von einer Bitcoin-Börse büsst die digitale Währung massiv an Wert ein. Es wird gerätselt, wie der Hack zustande kam.

Alexander Trentin

Die digitale Währung Bitcoin sorgt wieder einmal für negative Schlagzeilen. Die in Hongkong ansässige Bitcoin-Börse Bitfinex wurde um 119 756 Bitcoins beraubt. Das entspricht nach dem aktuellen Kurs einem Wert von über 68 Mio. $.

Der Bitcoin-Preis büsste am Dienstag, dem Zeitpunkt der Ankündigung des Diebstahls, zeitweise über 20% ein. Die Aufwärtsbewegung seit Mitte vergangenen Jahres scheint damit unterbrochen. Ein Bitcoin kostet am Donnerstag 570 $. Noch Mitte Juni lag der Wert bei über 760 $.

Die Bitcoin-Handelsplattform Bitfinex ist nun geschlossen. Kunden können nicht mehr auf ihre dort gelagerten Einlagen zugreifen.

Der Kurs von Bitcoin bröckelte schon am Wochenende. Das regt zu Spekulationen an, ob einige Markteilnehmer schon vorzeitig vom Diebstahl wussten.

Börsen bieten einfacheren Zugang

Bitfinex ist eine von mehreren Bitcoin-Börsen. Die Anleger können dort ihr Vermögen einfach verwalten oder in andere Währungen tauschen.

Bitcoin-Vermögen werden durch ein Kennwort (privater Schlüssel) geschützt. Ist dieses Kennwort geheim gehalten, können die Bitcoins wegen des hohen Verschlüsselungsstandards der Währung nicht gestohlen werden. Die Sicherheit der Währung an sich scheint weiterhin gewährleistet zu sein.

Unkomplizierte, aber unsichere Börsen

Um Bitcoins unkompliziert per Mausklick zu versenden oder in andere Währungen zu tauschen, sind die Bitcoin-Börsen sehr beliebt. Diese sind aber anfällig für Hacking-Angriffe, da das Vermögen der Kunden durch eine weniger sichere Technologie geschützt ist.

Bitfinex-Konten gehören zu den Bitcoin-Vermögen, die durch mehrere digitale Unterschriften gesichert sind. Das dort gelagerte Vermögen hat nach dem Hack abrupt abgenommen.

Verschlüsselung wurde umgangen

Die Verschlüsselungstechnik von Bitfinex sollte einen Hack eigentlich verhindern, in dem nur der private Schlüssel des Kunden tatsächlich das Bitcoin-Vermögen freischalten lassen kann. Es ist noch nicht bekannt, wie es dennoch zum Hack kommen konnte.

Schon im Juni kritisierte die US-Aufsichtsbehörde für den Derivatehandel (CFTC) die Art, wie die Bitcoin-Transaktionen von Bitfinex abgewickelt werden. Die Bitcoin-Börse musste 75’000 $ Strafe bezahlen, da die Bitcoin-Vermögen teilweise nicht unter der ausschliesslichen Kontrolle der Kunden standen.

Machte der Regulierer das System unsicherer?

Laut dem Bitcoin-Experten Leo Weese könnte die CTFC aber den Hack vereinfacht haben. Um sicherzustellen, dass Kunden täglich über ihr Vermögen verfügen können, hätte Bitfinex nun mehr Transaktionen online abwickeln müssen.

Das ist gemäss Weese unsicherer, da zuvor die Bitcoin-Vermögen nicht über das Internet aufrufbar waren – und dadurch auch sicher vor Hackern waren. Doch Bitfinex widerspricht dieser Darstellung. Die CFTC-Regulierung sei nicht Grund für den Hack gewesen.

Grösster Bitcoin-Raub war bisher 500 Mio. $

Der grösste Hacker-Diebstahl fand 2011 bis 2013 gegen die in Tokio ansässige Börse Mt. Gox statt. Damals wurden mehr als 800’000 Bitcoins gestohlen im Wert von mehr als einer halben Milliarde Dollar.

Die digitale Währung Ethereum, die auf Basis der Bitcoin-Technologie entwickelt wurde, hatte im Juni einen weiteren Hack zu vermelden. Die Organisation DAO wurde um 50 Mio. $ bestohlen.

Der Kryptowährung Bitcoin droht nun mehr Regulierung. Einem Medienbericht zufolge denkt die US-Verbraucherschutzbehörde Consumer Financial Protection Bureau darüber nach, die Bitcoin-Börsen stärker im Auge zu behalten.

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