Gewinne bereiten weniger Freude, als Verluste Verdruss verursachen. Das ist die Quintessenz der Prospect Theory von Daniel Kahneman und Amos Tversky. Die Bedeutung dieser Theorie wird oft verkannt. Das asymmetrische Verhältnis zu Gewinn und Verlust führt nämlich zu kognitiven Verzerrungen. Zum Beispiel schätzt man Aktien als risikoreicher ein als Obligationen, weil sie höhere Schwankungen aufweisen. Derweil wurden bis vor kurzem Staatsanleihen sogar als risikolos eingestuft. Mittlerweile hat man erfahren, dass Zahlungsausfälle auch Obligationen öffentlicher Schuldner ereilen können.

Doch immer noch wird das grösste Risiko ausgeblendet: Dass bei Rückzahlung die Kaufkraft geringer sein wird als bei der Zeichnung. Und dass man nicht wissen kann, um wie viel. Der Kaufkraftverlust wird aber nicht als erlittener Verlust ausgewiesen. Damit wird dieser Aspekt gleich behandelt wie die falsche Behauptung, nicht realisierte Kursverluste auf Aktien seien keine Verluste. Kognitiven Dissonanzen sei Dank wird beides weitgehend ausgeblendet. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?