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Bitcoin kauft keinen Kaffee

Die Transaktionsgebühren für die Kryptowährung sind explodiert. Das macht kleine Guthaben wertlos.

Valentin Ade

Ist Bitcoin Geld? Wie sich der Autor an das erste Semester seines Wirtschaftsstudiums erinnert, muss Geld drei Kriterien erfüllen: Geld ist eine Recheneinheit, ein Wertaufbewahrungsmittel und erfüllt eine Zahlungsfunktion.

Zumindest für Letztere taugt Bitcoin momentan wenig. Der Grund: Die durchschnittliche Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion beträgt zurzeit rund 30 $ (vgl. hier). Nachdem die Gebühr jahrelang weit unter 10 Cent lag, ist sie zusammen mit dem Bitcoin-Kurs 2017 explodiert.

Wie kam es dazu? Bitcoin-Transaktionen werden in Datenpaketen (sog. Blocks) gespeichert, die an die Kette (engl.: Chain) bestehender Pakete angereiht werden – daher der Name Blockchain. Die Blockchain ist ein digitales Register, das ohne zentrale Instanz und für alle einsehbar funktioniert.

Zur Berechnung der einzelnen Blocks stellen Personen oder Organisationen (sog. Miner) Rechenkapazität zur Verfügung, dafür erhalten sie eine Gebühr (daneben werden sie mit der Schürfung von neuen Bitcoin belohnt). Diese bewegte sich jahrelang im Bereich unter 10 Cent.

Obergrenze wird ausgereizt

2017 schossen die Bitcoin-Transaktionen allerdings in die Höhe. Damit explodierten der Kurs und die Gebühr für die einzelnen Transaktionen.

Denn die Anzahl Transaktionen pro Zeiteinheit ist beschränkt. Ein Block hat eine fixe Obergrenze von einem Megabyte. Früher war das bei einer relativ kleinen Anzahl Transaktionen kein Problem. Heute wird diese Obergrenze ausgereizt.

Aktuell sind ständig rund 180’000 Transaktionen ausstehend (vgl. hier). Diese Überweisungen warten darauf, durch die Miner in die Blockchain eingetragen zu werden. Prioritär behandeln die Miner in dieser Warteschlange diejenige Transaktion, die am meisten Gebühr verspricht. Zeitweise lag der Durchschnittspreis so bei fast 55 $.

Abspaltung mit grösseren Blocks

Kleinere Bitcoin-Guthaben sind damit quasi wertlos. Darum kann man zum Beispiel auch keinen Kaffee (Kaffee 131.705 0.04%) mit Bitcoin kaufen, es sei denn, man ist gewillt, dafür rund 60 $ zu bezahlen. Selbst in der Stadt mit dem teuersten Kaffee der Welt (Zürich) ist dazu wohl kaum jemand bereit.

«Das Problem war absehbar», sagt Luzius Meisser, Gründer und Vorstandsmitglied der Bitcoin Association Switzerland und Gastautor dieses Blogs.

Die Gemeinde der Bitcoin-Blockchain-Entwickler ist sehenden Auges in dieses Problem gelaufen. Sie konnte sich in der Vergangenheit nicht auf grössere Blöcke einigen.

So kam es im vergangenen Jahr zur Spaltung (sog. Hard Fork). Ein Teil der Community hat Bitcoin Cash entwickelt, die erste erfolgreiche Abspaltung von der Bitcoin-Blockchain, die eine grössere Block-Limite hat. Bitcoin XT, Bitcoin Unlimited und Bitcoin Classic hatten es in der Vergangenheit versucht, erreichten aber nie die kritische Grösse.

Solange sich die Bitcoin-Entwickler nicht auf grössere Blöcke einigen können, wird Bitcoin als Transaktionsmittel in Konkurrenz zu traditionellem Geld das Nachsehen haben.

Wenn sich die Bitcoin-Abwicklung selbst nicht verändert, könnte sich auch ein Parallelsystem für die Transaktionen mit der Kryptowährung etablieren. Das Lightning Network erlaubt Bitcoin-Überweisungen zwischen zwei Parteien, die ausserhalb der Blockchain ohne Verzögerung abgewickelt werden. Das Netzwerk will so «Milliarden an Transaktionen in einer Sekunde» ermöglichen.

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