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Bitcoin kennt kein Halten mehr

Eine Einheit der Digitalwährung klettert am Montag auf 2100 $. Was wirklich hinter dem jüngsten Kurshype steckt.

Pascal Meisser

Es macht sich Goldgräberstimmung breit unter den Bitcoin-Anhängern. Der Preis für diese neuartige Währung steigt von Tag zu Tag höher. Am Wochenende kletterte eine Einheit des digitalen Zahlungsmittels auf mehreren Online-Handelsplattformen erstmals über 2000 $. Am Montagmorgen werden bereits Preise von über 2160 $ bezahlt – ein weiteres Plus von 8%.

Damit hat sich der Wert eines einzelnen Bitcoins seit März mehr als verdoppelt. Gegenüber Anfang Jahr hat sich Bitcoin gar 150% verteuert. Damals kostete die Währung rund 800 $.

Deutlich gestiegenes Interesse

Doch was steckt hinter dem jüngsten Boom? Für immer mehr Anleger wird Bitcoin zum neuen Gold – und damit zur neuen Krisenwährung. Allein in der vergangenen Woche kletterte Bitcoin 500 $ in die Höhe, als die USA mit dem potenziellen Politskandal sowie Brasilien die Finanzmärkte leicht schüttelten.

Vermehrt wurde Bitcoin als vermeintlich sichere und kaum zu herkömmlichen Assets korrelierte Anlage gesucht. Vor allem in Japan ist das Interesse an der digitalen Währung massiv gestiegen. Derzeit werden rund 55% des gehandelten Volumens aus Japan abgewickelt. Noch vergangene Woche lag der Anteil bei 40%. Anfang Jahr war der Bitcoin-Handel zu 98% in chinesischer Hand gewesen.

Zudem kamen aus den USA Zeichen, dass der zunächst nicht zugelassene Bitcoin-ETF der Winklevoss-Zwillinge von der amerikanischen Finanzmarktaufsicht SEC doch noch erlaubt werden könnte. Ausserdem hat Japan Anfang April Bitcoin als offizielles Zahlungsverfahren zugelassen. In Russland könnte ein solcher Schritt ebenfalls bevorstehen.

Nicht zuletzt ziehen auch die Meldungen über den rasanten Aufwärtstrend neue Investoren an, die ebenfalls an den sagenhaften Kursgewinnen partizipieren wollen. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass trotz der jüngsten Einbahnstrasse Bitcoin und Co. eine sehr volatile Anlage ist.

Zur Erinnerung: Bereits Ende 2013 erlebte Bitcoin eine Versechsfachung des Kurses, um die 1000-$-Marke zu knacken, bevor der Kurs um über die Hälfte einbrach. Deshalb hat am Sonntag auch die Deutsche Bundesbank in einem Zeitungsinterview Sparer davor gewarnt, in Bitcoin zu investieren. «Digitale Währungen sind ein Spekulationsobjekt, dessen Wert sich rapide verändert», sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der «Welt am Sonntag». «Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.»

Hunderte von Digitalwährungen weltweit

Doch nicht nur Bitcoin-Anhänger dürfen sich über hohe Kursgewinne freuen. Auch andere Kryptowährungen haben deutlich zugelegt. Weltweit sind derzeit 830 alternative Währungen registriert. Neben Bitcoin gehört Ether zu den meistgehandelten Digitalwährungen. Ether ist das Zahlmittel des in Zug beheimateten Start-up Ethereum.

Der Wert all dieser Währungen ist zuletzt auf über 60 Mrd. $ geklettert. Das Problem all dieser Digitalwährungen ist: Es gibt keinen inneren Wert. Einzig Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Das öffnet Spekulanten die Tür, um den Preis nach oben zu treiben.

Bitcoin existiert seit 2009 als virtuelle Währung, die an speziellen Börsen in reales Geld getauscht werden kann. Geschaffen wird es mithilfe von Computern, die aufwändige Rechenoperationen bewältigen müssen und dafür mit Einheiten der Währung belohnt werden. Für Bitcoin steht keine Regierung oder Zentralbank ein.

Leser-Kommentare

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Luzius Meisser 22.05.2017 - 09:34

Interessanterweise verliert Bitcoin relativ zu den anderen Kryptowährungen immer mehr an Gewicht. Vor ein zwei Jahren hatte Bitcoin noch 90% der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen. Heute sind es unter 50%. Ich vermute, das liegt am Schisma unter den Bitcoin-Entwicklern, die sich nicht darauf einigen können, wie die Kapazität vergrössert werden soll. Nun weichen die Anleger vermehrt auf andere Währungen aus.