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Bitcoin kommt nicht vom Fleck

Der Bitcoin hat sich in der Berichtsperiode seitwärts bewegt. Solange die Marke von 60'000 $ nicht durchbrochen wird, wird sich daran wohl nichts ändern.

ALAIN KUNZ, HEAD OF DIGITAL ASSETS, BANK CLER

Der Monat März ist historisch gesehen schlecht für die Bitcoinperformance – aber nicht in diesem Jahr. Bitcoin (Bitcoin 39'016.00 -0.52%) schloss das 1. Quartal 2021 als das beste seit acht Jahren ab. Seit Anfang Jahr wurde ein Kursgewinn von nahezu 100% verzeichnet.

Rekordquartal

Die Performance kommt nicht von ungefähr: Der Monat war geprägt von wichtigen Ankündigungen, die den Preis von Bitcoin stark in die Höhe trieben. Trotz der starken Preissteigerung seit Beginn des Jahres ist wohl die Mehrheit dieser News noch nicht eingepreist. Es handelt sich hierbei um bullische Signale und kein Rauschen. April wird ein spannender Monat – allen voran mit dem Börsengang von Coinbase.

Der Bitcoinpreis kämpft mit einem Widerstand bei 60’000 $. Trotz mehrerer Anläufe während der Berichtsperiode ist ein klarer Durchbruch noch nicht gelungen. Technisch gesehen, ist der Preis-Chart von Bitcoin bullisch. Dennoch müsste Bitcoin solide über die Marke von 60’000 $ marschieren, die anschliessend die neue Unterstützung wird. Ansonsten bleiben 54’000 bis 55’000 $ die Unterstützung für Bitcoin. Ein weiteres Testen dieser Marke vor der Weiterführung des bullischen Trends ist nicht unwahrscheinlich.

Die Futures-Prämien an Retailhandelsplätzen vs. institutionelle Börsen sind divergierend. Retail-Futures-Prämien wachsen weiter, während die Prämien an der CME flach bleiben. Ein Signal, dass institutionelle Investoren aktuell zurückhaltend sind? Auch die Finanzierungskosten für Swaps steigen nach Wochen neutraler Levels wieder. Steigende Finanzierungskosten fallen oft mit starkem Optimismus und hohem Leverage von kurzfristigen Anlegern zusammen. Sollte Bitcoin sein aktuelles Preislevel nicht halten können, ist wohl mit kurzfristig steigender Volatilität und einer weiteren Runde von Long-Liquidationen aufgrund zu hohem Leverage zu rechnen.

Verschiebung der Aktivität

Börsengehandelte Bitcoinprodukte haben aktuell gemäss NYDIG Data über 800’000 Bitcoin unter Verwaltung. Das heisst, dass fast 4,3% der sich in Zirkulation befindenden Bitcoin in solchen Anlagevehikeln gelagert sind. Die an Kryptobörsen gehaltenen Bitcoin befinden sich weiter im Rückzug – aktuell sind noch 2,4 Mio. Einheiten Bitcoin an Börsenplätzen, was über 600’000 Bitcoin weniger sind als vor noch einem Jahr.

Ist dieser starke Anstieg an Bitcoin unter Verwaltung von Anlagevehikeln eine mögliche Erklärung für den Rückgang der an Börsenplätzen gehaltenen Bitcoin? Seit Beginn des Jahres 2021 wurden 106’000 Bitcoin von solchen Vehikeln eingesammelt. Gemessen in Dollar sind die verwalteten Vermögen von 20 Mrd. $ auf 43 Mrd. $ gestiegen. Der Elefant im Raum ist Grayscale mit ihrem Bitcoin Investment Trust (GBTC), welcher knapp 35 Mrd. $ in Bitcoin hält, was über 80% der verwalteten Bitcoin in kotierten Produkten und Instrumenten entspricht.

Warten auf den ersten amerikanischen Bitcoin-ETF

Der Druck für die Zulassung eines Bitcoin-ETF in den USA steigt. Die Toronto Stock Exchange lancierte im ersten Quartal drei Bitcoin-ETF, und der Preis für den Grayscale-Bitcoin-Trust handelt mit einem Discount zum NAV. Das bedeutet, dass der Preis für den GBTC selbst unterhalb des Wertes der von ihm gehaltenen Bitcoin handelt.

Diese Arbitrage-Möglichkeit erklärt wohl auch die Ankündigung eines Rückkaufprogramms im Umfang von  250 Mio. $ durch Digital Currency Group, der Muttergesellschaft von Grayscale. Diese beiden Faktoren erhöhen den Druck auf die SEC, einen Bitcoin-ETF zu bewilligen – auch im Interesse des Anlegerschutzes. Die Antragssteller für solche ETF sind nicht mehr unbekannte Start-ups, sondern etablierte Finanzinstitute wie WisdomTree, VanEck, NYDIG, SkyBridge und zuletzt noch Fidelity Investments, welche seit Jahren die Kryptoinnovation verfolgen und begleiten.

Krypto-Start-ups sammeln Geld

NYDIG, das Unternehmen, das den 100-Mio.-$-Bitcoinkauf für MassMutual ausführte, hat über 200 Mio. $ von namhaften Investoren wie Morgan Stanley (MS 96.23 +0.26%), New York Life und Soros erhalten. Das Krypto-Infrastrukturunternehmen Fireblocks, das derzeit Kryptos im Wert von über 400 Mrd. verwahrt, hat eine Kapitalerhöhung über 133 Mio. $ mit Coatue, Ribbit und Stripes durchgeführt.

BlockFi offeriert Zinskonten in Kryptos, hat 350 Mio. $ zur Finanzierung des Wachstums aufgenommen und wurde dabei mit über 3 Mrd. $. bewertet. TaxBit, ein Unternehmen mit Fokus auf die steuerliche Handhabung von Kryptos, hat 100 Mio. $ von Paradigm und Tiger Global eingesammelt. Drapper Laps, das Unternehmen hinter NFT wie NBA Top Shots hat 305 Mio. $ von Coatue aufgenommen.

Das alles zeigt einen klaren Trend: Die Annäherung von etablierten Finanzinstituten und Krypto-Start-ups ist im vollen Gange, wobei Beteiligungen und Übernahmen sicherlich den Rückstand der Altinstitute verkleinern.

Mehr M&A-Aktivität

Gemäss neuen Zahlen der Beratungsgesellschaft PwC hat sich der Wert von Fusionen & Übernahmen (M&A) im Kryptosektor im vergangenen Jahr auf 1,1 Mrd. $ mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche Deal-Grösse stieg von 19,2 Mio. $ im 2019 auf 52,7 Mio. $ in 2020 – wobei ein grosser Teil der Aktivitäten in Europa und Asien verzeichnet wurde.

PayPal (PYPL 270.99 -1.65%) startet den «Checkout with Crypto»-Service in Kürze, ermöglicht durch die Übernahme der Kryptoverwahrstelle Curve. Konkurrent Visa (V 239.78 -2.68%) ist nicht weit entfernt: Visa lanciert in Zusammenarbeit mit crypto.com ein Pilotprojekt, das Settlement innerhalb des Visa-Netzwerks mit dem US-$-Stablecoin USDC ermöglichen soll.

Der Fear & Greed Index, der die Emotionen (Angst & Gier) am Kryptomarkt misst, kühlte in der ersten Woche nach dem letzten Bericht weiter ab, und fiel sogar in den neutralen Bereich. Am Wochenende drehte jedoch die Stimmung, und der Index steht aktuell fast wieder im Bereich «extremer Gier». Ob dies nur ein kurzfristiger Stimmungsumschwung wie Anfang Monat war, wird sich über die nächsten Wochen zeigen.