Märkte

Bitcoin: Künftige Regulierung in den USA gibt zu reden

Obwohl oder gerade weil in den USA an der künftigen Regulierung von Bitcoin gearbeitet wird, legt der Preis auf rund 45'000 $ zu.

ALAIN KUNZ, DIRECTOR BUSINESS DEVELOPMENT EUROPE, GSR

Selbstverständlich wird es Regulierungen geben, und im Schnitt wird es eine gute Sache sein. Regulierung und damit die Abwesenheit regulatorischer und rechtlicher Unsicherheit sind ein notwendiger Bestandteil, wenn nicht eine Voraussetzung für Innovation, Wachstum und schlussendlich Adaption.

Keine Neuigkeit, sondern Tatsache

DeFi, also ein dezentralisiertes Finanzökosystem – eines mit Regeln – ist kein Widerspruch, sondern ein Muss für den Erfolg. Waren es nicht die klaren und transparenten, durch Software erzwungenen Regeln, die Bitcoin (Bitcoin 64'065.00 -0.49%) von Anfang an so attraktiv machten?

Der SEC-Vorsitzende Gary Gensler sprach, und Marktteilnehmer waren schockiert. Was haben sie erwartet? Er bezeichnete Kryptos als «Wilden Westen» und sagte, dass jedes Initial Coin Offering ein Wertpapier sei. Das ist keine Neuigkeit, sondern eine Tatsache.

Faire Regeln sind eine Notwendigkeit

Vernünftige und faire Regeln sind notwendig, damit sich die Märkte wie auch die gesamte Industrie entwickeln können. Das Stoppen von betrügerischen Akteuren und die Sicherheit, dass diejenigen, welche die Regeln befolgen, nichts zu befürchten haben, sind essenziell für das Vertrauen in diese technologische Innovation und das Blühen der Industrie.

Und das möglicherweise Wichtigste ist, dass Kleinanleger von Betrügern nicht um den letzten Groschen gebracht werden. Hierfür wäre die Freigabe eines Bitcoin-ETF ein schneller Gewinn, und die Anleger wären von verschachtelten und strukturierten Produkten mit hohen Gebühren geschützt.

NFT-Mania

Mit der Offerte eines NFT-CryptoPunks über 90,5 Mio. $ erreicht die NFT-Mania einen neuen Höhepunkt. Nicht-fungible Token stehen für nicht austauschbare oder fälschungssichere Token. Eine ideale Voraussetzung für Kunst und geistiges Eigentum, wo technologischer Fortschritt immer auch mehr Piraterie und bessere Raubkopien bedeutet. Der NFT-Boom kam unerwartet und entstand aus dem Nichts. Genauso wie die Mitteilung von MicroStrategy letzten Jahres, Reserven zukünftig in Bitcoin zu halten. So entsteht ein Trend.

Zurück zu den nicht-fungiblen Token, und zwar den ursprünglichen NFT – CryptoPunks: eine Sammlung von 24×24-Pixelbildern im 8-Bit-Stil mit Aussenseitern und Exzentrikern als Motiv. Genau 10’000 Exemplare existieren, und jeder mit seiner eigenen vermeintlichen Persönlichkeit und einer einzigartigen Kombination aus unverwechselbaren, zufällig generierten Merkmalen. Der Marktwert der CryptoPunks beläuft sich auf über 2 Mrd. $, oder 733’729.75 ETH (Quelle: https://nftvaluations.com/cryptopunks).

Crypto-Twitter (TWTR 66.11 +1.96%) ist voller Avatare, welche sich mit einem dieser CryptoPunks schmücken. Viele Millionen für das Posieren auf sozialen Medien? Die CryptoPunk-NFT auf der Ethereum-Blockchain wechseln für irrsinnige Summen die Eigentümer. Hunderttausende sind gang und gäbe, mehrere Millionen kommen vor, und einer dieser Aussenseiter CryptoPunk #3100 steht für 90,5 Mio. $ zum Verkauf. Was ist die Motivation, solche Preise für ein pixeliges Bild eines Punks zu zahlen?

Einzigartig, aber zwecklos – wie Tulpen

Bitcoins Vergangenheit ist gepeinigt von Vergleichen mit Tulpen, und der damit verbundenen Tulpenmanie im Goldenen Zeitalter der Niederlande, in der Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt wurden. Die Parallelen zu Bitcoin sind und waren immer schon fernab jeder Logik. Aber die Parallelen zu NFT sind eher gegeben. Jeder NFT ist per Definition einzigartig – wie auch Tulpen. Jeder NFT ist, abgesehen von der Ästhetik, zwecklos – genauso wie Tulpen.

Der NFT-Markt scheint der Theorie des grösseren Trottels zu folgen: Es herrscht die Überzeugung oder vielleicht besser Hoffnung vor, man finde noch jemanden, der trotteliger und reicher ist. Die Logik diktiert, dass die Menge an grösseren Narren endlich ist, und auch dieser Trend nicht endlos weitergeht. Caveat Emptor.

Spekulationen rund um Tether

Die Spekulationen und Gerüchte rund um den grössten Dollar-Stablecoin sind seit Jahren ein Dauerbrenner, und wohl die am längsten laufende FUD-Story. Der gemeinsame Nenner aller dieser Storys rund um Tether sind die Reserven. Existieren diese überhaupt? Wie setzen sich diese zusammen? Und wo werden diese gehalten? Alles Fragen, worüber man stundenlang philosophieren kann. Der Markt spricht, und der Preis von einem Tether entspricht einem Dollar. Parität zwischen Tether und dem Dollar.

Doch was wäre, wenn: Nehmen wir an, es ist wahr, dass Tether nicht mit Dollar-Reserven gedeckt ist. Der Preis von Tether würde früher oder später implodieren und auf null gehen. Was passiert anschliessend mit Bitcoin und weiteren Kryptowerten, ist die kritische Frage. Ein Kurseinbruch von 20%? 40%? 60% oder sogar 80%?

Adaption schreitet trotz Kurssturz voran

Bitcoins Preisspanne über die letzten 52 Wochen bewegte sich zwischen 9916.49 und 64’863.10 $. Bitcoin korrigierte zwischenzeitlich von 64’863.10 auf unter 30’000 $ – 55%. Und was ist mit Bitcoin passiert? Nichts. Der Markt handelte weiter, das Leben geht weiter. In der Realität korrigiert der Kryptomarkt öfters 50% oder mehr, aber nichts passiert ausser einem tieferen Preis. Die Adaption schreitet voran.

Marktteilnehmern ist diese Risikoquelle bewusst, und sie ist im Preis enthalten. Die repetitiven Schlagzeilen um Tether sind keine Risikoquelle, sondern nur alter Wein in neuen Schläuchen. Seit Jahren brodeln die Gerüchte um die involvierten Personen, um fehlende oder um ausreichende Reserven, um Regulierungsbehörden, … aber der Preis ist bei Par mit dem Dollar.

Eines Tages werden auch die Tether-Gerüchte vergehen und sich als reiner Schlag ins Wasser für die Adaption von Bitcoin herausstellen. In Realität ist die Tether-FUD lediglich eine Offenbarung der eigenen Risikoaversion gegen Bitcoin, nicht ein Risiko spezifisch von Bitcoin.