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Bitcoin stürzt nach Allzeithoch ab

Kurz nach dem Allzeithoch die Ernüchterung: Nachdem ein Bitcoin an einer chinesischen Börse für über 1250 $ die Hand gewechselt hatte, geht der Kurs nun steil nach unten.

Alexander Trentin

Es Achterbahn zu nennen, wäre wohl untertrieben. Die Digitalwährung Bitcoin hatte seit Anfang Dezember über 50% gewonnen. Nun ist sie am Donnerstag an einem Tag über 20% eingebrochen.

Zeitweise kostete ein Bitcoin unter 900 $ und damit so wenig wie zuletzt an Weihnachten. Nun hat sich der Preis auf 965 $ erholt.

An der Börse Bitstamp hatte der Preis von Bitcoin gestern ein Hoch von knapp 1140 $ markiert. Ein Allzeithoch war das nicht, denn am 30. November 2013 war er schon einmal kurzzeitig auf 1163 $ geklettert. Vergangenes Jahr erreichte der Gesamtwert aller Bitcoin mit 14 Mrd. $ zudem eine neue Bestmarke.

Für manche lag der Bitcoin-Boom der vergangenen Monate an der politischen Unsicherheit seit der Wahl von Donald Trump. Für andere an der Abneigung gegen Papiergeld und der neu aufkommenden Angst vor Inflation. Doch die Bitcoin-Währung ist wohl aus einem ganz anderen Grund heissgelaufen.

An einer chinesischen Bitcoin-Börse wurde tatsächlich auch beim Preis der Digitalwährung ein Allzeithoch erreicht. Am Marktplatz BTC China kostete ein Bitcoin heute zeitweise 8895 Yuan – umgerechnet 1291 $.

Noch Anfang 2016 kostete die Digitalwährung unter 3000 Yuan. In China hatte sich der Preis damit fast verdreifacht.

Damit wird in China eine deutliche Prämie für Bitcoin bezahlt. In den letzten Wochen gab es zwar immer wieder einen solchen Aufschlag. Doch nun hat er sich extrem ausgeweitet.

Der Grund dafür sind die Kapitalkontrollen in China. Es wird für Privatpersonen und Unternehmen schwieriger, ihr Geld ins Ausland zu transferieren. So müssen Privatpersonen nun deklarieren, dass sie Yuan nicht für Investitionszwecke ins Ausland bringen.

Wer sich gegen den Abwertungstrend der chinesischen Währung schützen will, hat deshalb nur wenige Möglichkeiten. Bitcoin bietet einen Weg, trotz Kapitalkontrollen aus dem Yuan zu fliehen.

Je mehr sich die chinesische Währung abwertete, desto stärker konnte die Digitalwährung Bitcoin gewinnen.

Das Handelsvolumen der grössten Bitcoin-Börsen hat sich seit 2015 vervielfacht. Und es ist sehr ungleich verteilt. Gemäss der Webseite Bitcoinity.org dominieren die drei chinesischen Handelsplätze OKCoin, BTC China und Huobi mit einem Marktanteil von über 98% die anderen Bitcoin-Börsen nun völlig.

Das gleiche Bild zeigt sich, wenn man das Transaktionsvolumen nach Währungen darstellt. Der Yuan dominiert als Transaktionswährung den Dollar schon seit 2014.

Der jüngste Bitcoin-Boom wurde also sehr wahrscheinlich durch die chinesische Kapitalflucht ausgelöst. Andersherum bedeutet das, dass der wachsende Preis von Bitcoin nicht auf eine breitere Verwendung als Zahlungsmittel zurückzuführen ist.

Noch ist der Marktwert von Bitcoin zu klein, als dass die Währung für die chinesische Regierung gefährlich werden könnte. Würde sie jedoch zu wichtig, könnten die Regulierungsbehörden in China eine Wiederholung des Bitcoin-Booms schnell abwürgen.