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Bitcoin Suisse vermarktet Millionen-Token

Das Konglomerat Emaar aus Dubai verwendet Blockchain-Technologie für ein Loyalitätsprogramm.

Alexander Trentin

Das grösste Einkaufszentrum der Welt – die Mall of Dubai – und das Hotel im Wolkenkratzer Burj Khalifa gehören zum grossen Portfolio des in Dubai ansässigen Konglomerats Emaar. Nun vermarktet Bitcoin Suisse, ein auf Blockchain-Anwendungen spezialisiertes Zuger Unternehmen, für Emaar die Bezugsrechte für einen neuen Community Token. In der Kryptowelt werden unter Tokens übertragbare Recheneinheiten verstanden, mit denen man etwa Vermögenswerte leicht übertragbar und handelbar gestalten kann.

Mit den Tokens wird ein neues Programm zur Kundenbindung von Emaar abgebildet – ähnlich den Meilenprogrammen von Fluggesellschaften. In einer Mitteilung erklärt Bitcoin Suisse zu den EMR getauften Tokens: «Über eine App belohnt die EMR-Plattform Nutzer für ihre Treue.» Die Nutzer könnten für Weiterempfehlungen verschiedene Prämien bei Immobilien, Hotels, Onlineshops und Einkaufsläden von Emaar einlösen.

Lothar Cerjak, Leiter Institutional Services and Products bei Bitcoin Suisse, erklärt gegenüber FuW: «Die auch in der Schweiz ansässige Lykke Business hat die technische Entwicklung geleistet, während wir mithilfe unseres Kundennetzes Investoren für den Token gefunden haben.» Tamedia, zu der auch «Finanz und Wirtschaft» gehört, ist an Lykke beteiligt.

Die Mindestinvestitionssumme ist 50’000 $ – insgesamt ist schon ein Betrag von mehreren Millionen Dollar zusammengekommen. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Erfolg, den wir mit kaum Werbung erreicht haben», sagt Cerjak.

Abgrenzung von ICO

Im Gegensatz zu den teils berüchtigten ICO (Initial Coin Offerings) zur Kapitalaufnahme handelt es sich bei den auf einer Blockchain abgebildeten Emaar-Tokens um Corporate Utility Tokens – rechtlich sind sie kein Wertpapier, sondern eine Art Gutschein, den man gegen Güter und Dienstleistungen bei Emaar einlösen kann.

«Das ist die nächste Version von Award-Programmen. Ich gehe davon aus, dass andere Unternehmen auf den Zug aufspringen werden», erklärt Cerjak.

Die Tokens werden dezentral auf der Blockchain abgebildet. Bisher können Investoren Anrechte auf die Tokens kaufen, im vierten Quartal sollen sie dann geschürft werden. Tokens bieten verschiedene Vorteile bei der Umsetzung von Loyalitätsprogrammen. So könnten die Vorteilspunkte Peer to Peer, also zwischen Investoren bzw. Kunden, transferiert werden. Ausserdem ist die Einbindung von Smart Contracts möglich.

Abbildung von Smart Contracts

Unter diesen «smarten Verträgen» versteht man auf der Blockchain einprogrammierte, automatisch ausgelöste Abläufe. «So könnte man automatisch Tokens erhalten, wenn man früher aus einem Hotel auscheckt oder weniger Handtücher verbraucht, was das Verhalten der Nutzer positiv beeinflusst», erläutert Blockchain-Spezialist Cerjak mögliche Anwendungsgebiete der Smart Contracts.

Der Kontakt zwischen Emaar und Bitcoin Suisse kam vergangenes Jahr zustande. Emaar suchte einen Geschäftspartner, um den Immobilienkauf auch per Bitcoin zu ermöglichen. Bitcoin Suisse bietet dafür das Interface an, um die Zahlung von Bitcoin in eine traditionelle Währung umzutauschen und damit den Kauf zu ermöglichen.

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