Märkte

BIZ sorgt sich um globale Liquiditätslage

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzt die Folgen der aussergewöhnlichen internationalen Finanzierungsbedingungen ab.

Die Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) machen sich Sorgen über die Folgen der anhaltenden Minuszins- und Liquiditätspolitik führender Notenbanken. «Die Märkte sind nach wie vor abhängig von geldpolitischen Lockerungsmassnahmen», kommentiert Claudio Borio, Chefökonom der Basler Insitution. Das zeigten die jüngsten Marktturbulenzen nach der Publikation positiver Beschäftigungszahlen in den USA, die vermuten liessen, dass es eher früher als später zu einer Leitzinserhöhung kommen werde. «Die Märkte können nicht liquide bleiben, wenn der Weg für einen geldpolitischen Kurswechsel über derart lange Zeit schmaler geworden ist. Darüber soll man sich keine Illusionen machen.»

In ihrem am Mittwoch erschienenen Quartalsbericht schätzt die BIZ, dass Ende Februar langfristige Staatsschuldtitel im Wert von 2,4 Bio.$ weltweit negativ verzinst waren. 80% davon sind von Staaten der Eurozone aufgelegt worden. Staatliche Tresorerien hätten Tom Sawyers Taktik zu einer neuen Meisterschaft gebracht, schreibt Borio: Das Geheimnis bestehe darin, dass Toms Freunde den Zaun anstreichen und ihn für dieses Privileg noch bezahlen!

Den Kreditboom im Visier

Die Schwachstellen der aussergwöhnlichen internationalen Finanzierungsbedingungen – negative Leitzinsen und Anleihenrenditen, der Ölpreisrückgang und die Dollarstärke resp. Euroschwäche – werden langsam grösser, warnt Borio. Dies geschehe als Folge des kräftigen Kreditwachstums in Ländern, die von der Krise weniger betroffen waren. Um die Situation in Zukunft besser verfolgen zu können, führt der BIZ-Quartalsbericht verschiedene Indikatoren für die globale Liquidität ein und stellt sie den inländischen finanziellen Entwicklungen gegenüber.

Die ersten Ergebnisse: Unter dem Strich haben die globalen Liquiditätsbedingungen die entsprechenden inländischen Bedingungen verstärkt. Die jüngsten Zahlen deuten aber darauf hin, dass der Finanzboom in einigen Schwellenländern ins Stocken geraten ist. Das Wachstum der Bankforderungen gegenüber China hat sich deutlich verlangsamt. Es betrug im dritten Quartal 2014 nur noch 3%. Die Interbankforderungen gehen sogar zurück. Borio: «Die mögliche Wende inländischer Finanzzyklen angesichts der Tatsache, dass die US-Dollarfinanzierungen knapper werden, muss genau beobachtet werden.»

Deflation und Ölpreisrückgang

In weiteren Aufsätzen geht der BIZ-Quartalsbericht unter anderem den Kosten der Deflation nach. Die Autoren kommen nach Auswertung einer umfassenden Modellanalyse zum erstaunlichen Schluss, dass es irreführend sei, die potenziellen Kosten einer Deflation allein aus der Sicht der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre zu betrachten. Ihre Untersuchung historischer Daten ergibt wenig systematischen Zusammenhang zwischen einer Preisdeflation und dem Wirtschaftswachstum. Ausserdem gebe es kaum Hinweise darauf, dass Deflationen mit Schuldendeflationsspiralen verbunden gewesen wären, dass also sinkende Preise die reale Schuldenlast erhöhen, was wiederum die Wirtschaftstätigkeit bremst.

Überdies widmet sich der Ökonomenstab dem Ölpreiszerfall. Die hohe Verschuldung der Ölproduzenten habe möglicherweise den Einbruch der Ölpreise und der Investitionen in der Ölbranche verstärkt. Die Verschuldung des Ölsektors ist weltweit zweieinhalbmal so hoch wie 2008. Ende 2014 betrug sie 2,5 Bio. $, schätzt die BIZ.

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