Zum Thema: Warten auf die Aufholjagd im Stromsektor

BKW hängt Alpiq ab, doch das muss nicht so bleiben

Die beiden Energiekonzerne haben vieles gemeinsam, sind jedoch unterschiedlich stark auf das In- und Ausland sowie den Stromhandel fokussiert.

Gleich und doch anders – die Schweizer Stromkonzerne Alpiq (ALPH 70 0%) und BKW (BKW 85.8 0.23%) kämpfen beide mit dem Marktumfeld und weisen weitere Parallelen auf. Anleger sollten aber einige wichtige Unterschiede beachten, die je nach Ausgangslage für oder gegen die Unternehmen spielen können.

Zunächst die Gemeinsamkeiten: Beide haben wegen des Preiszerfalls im Handel Kostensenkungsprogramme eingeleitet, sie verändern den Produktionspark, haben Grossprojekte sistiert oder das Risiko durch den Einbezug von Partnern minimiert.

Die Konzerne sind dabei, ihr Geschäft neu auszurichten, und wollen mehr Geld mit Energiedienstleistungen verdienen. Dafür spielen Kooperationen und kleinere Übernahmen eine Rolle.

Devestitionen im Fokus

Beide trennen sich von Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Aktuell suchen Alpiq und BKW einen Käufer für ihren Anteil an der Netzgesellschaft Swissgrid, der rund 35 bzw. 12% ausmacht. Bei beiden Konzernen sind zudem weitere Wertberichtigungen im Kraftwerkgeschäft die grosse Unbekannte.

Mit Jasmin Staiblin und Suzanne Thoma sitzen zwei Frauen mit Industrie-Know-how in den Chefsesseln. Beide sind 2013 zum Unternehmen gestossen. In beiden Gesellschaften wechselt der Finanzchef. Nachfolger von BKW-CFO Beat Grossenbacher ist Ronald Trächsel, zuvor Finanzchef der in der Spezialitätenchemie tätigen Sika (SIKA 183.65 -1.02%). Ein Nachfolger für Alpiq-CFO Patrick Mariller, der aus persönlichen Gründen geht, ist noch nicht bestimmt.

In den Verwaltungsräten nehmen mit Alpiq-Präsident Hans Schweickardt und BKW-Vizepräsident Kurt Rohrbach, zugleich Präsident des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE), zwei namhafte Vertreter der Branche Einsitz. Beide Gesellschaften haben einen geringen Streubesitz, der im Fall von Alpiq 12% und im Fall von BKW 21% ausmacht. Beide Aktien haben in den vergangenen Jahren stark verloren.

Doch nun die Unterschiede: BKW erwirtschaftet weniger Umsatz als Alpiq, ist aber operativ profitabler und dürfte für zwei bis drei Jahre den regelmässigeren Cashflow erzielen. Der Versorger ist weniger auf das niedrigmargige Handelsgeschäft und die internationalen Stromflüsse ausgerichtet als Alpiq. Dies ist derzeit ein Vorteil, kann aber auch zum Nachteil werden, wenn die Preise im Handel eines Tages wieder anziehen.

Aus Sicht von Sven Bucher (BUCN 277 0.29%), Leiter Resarch der Zürcher Kantonalbank, steht der Berner Konzern im Direktvergleich besser da. «Die letzten Abschlüsse haben eine stabilere Entwicklung bei BKW gezeigt, wegen des Versorgungsgeschäfts mit Schweizer Kunden und weil das Unternehmen die Stromproduktion weiter in die Zukunft und zu höheren Preisen abgesichert hat.» Während Alpiq aufgrund der tieferen Grosshandelspreise 2014 im Jahresvergleich mit einem 30 bis 40% tieferen Ebitda rechnet, stellt BKW eine stabile Entwicklung für Betriebsergebnis und Gewinn in Aussicht – bereinigt und vorbehaltlich von Wertberichtigungen.

Das Atomkraftwerk Mühleberg will BKW 2019 vom Netz nehmen. Andere Anlagen, an denen Alpiq beteiligt ist, kommen wohl später an die Reihe. ZKB-Analyst Sven Bucher sieht im Zusammenhang mit Mühleberg ausser in der ausstehenden Genehmigung für das Nachrüstkonzept keine besonderen unternehmensspezifischen Risiken auf dem Kurs lasten, wie er erklärt. BKW muss das Konzept bis Montag einreichen, die Aufsichtsbehörde entscheidet bis Ende des Jahres.

Abstand in puncto Rendite

Alpiq ist gemessen am Unternehmenswert zum Ebitda mit einem Wert von 8,1 teuer als BKW 5,5 (Schätzung 2014). Investoren können für 2014 mit BKW eine Dividendenrendite von 3,7% erwarten, mit Alpiq 2%. Das macht BKW als Dividendentitel interessanter. Steigende Ausschüttungen sind derzeit von dem Versorger nicht zu erwarten, aber auch keine Kürzungen.

Jenseits der Strombranche gibt es im Gassektor oder in der Übertragung Alternativen für Anleger.