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Eine Blase – na und?

Die Immobilienmärkte laufen heiss. Das kann aber noch einige Zeit so weitergehen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Für die steigenden Immobilienpreise gibt es einen guten Grund.»

Die Blasengefahr ist für Zürcher Wohneigentum gestiegen – das zeigt der Immobilienblasenindex der UBS. Noch gravierender ist die Überhitzung demnach in Frankfurt, Toronto und Hongkong. Heisst das, man sollte von Immobilien die Finger lassen? Nein. Als Timing-Indikator darf der Blasenindex nicht herhalten.

Zwar steigen die Immobilienpreise immer weiter, in Zürich im Jahresvergleich 6,5%, doch dafür gibt es einen guten Grund. Das Zinsniveau bleibt niedrig, und eine grosse Zinswende ist auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. In der Limmatstadt sind die Kaufpreise für Wohneigentum nun vierzigmal so hoch wie die jährlichen Mieteinnahmen – ein Weltrekord. Das entspricht einer Bruttomietrendite von 2,5%. Das ist nicht viel, aber immer noch deutlich höher als die langfristigen Hypothekenzinsen um 1%. Dazu kommt die Erwartung, dass die Preise weiter steigen.

Diese Rechnung lässt Wohneigentum zur Eigennutzung oder zum Vermieten attraktiv erscheinen. So attraktiv, dass der Zürcher Markt leergekauft ist wie noch nie. Aktuell fehlt aber die blinde Euphorie, die eine echte Blase signalisiert. Richtig gefährlich wird es erst, wenn Immobilienkäufer anfangen zu spekulieren: wenn Käufer auf hohe Wertgewinne der Wohnungen und der Häuser setzen, wie es in den USA vor der globalen Finanzkrise der Fall war. Dann kommt die Preisspirale erst richtig in Fahrt.

Langsam steigende Zinsen sind wahrscheinlicher als ein Crash. Dann würde sich für Immobilienkäufer das grosse Zinsrisiko am Markt rächen. Nicht nur bezüglich der künftigen Refinanzierung, sondern auch wegen des Druck auf die Wiederverkaufspreise.

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