Zum Feierabend trifft man sich in der Chill Skybar, süffelt einen Saigon Sling und geniesst den Blick über das zentrale  Geschäftsviertel von Ho-Chi-Minh-Stadt. In Spazierdistanz von diesem trendigen Terrasse-Tresen lag einst die amerikanische Botschaft, aus der im April 1975 das letzte Personal in aller Hast per Helikopter ausgeflogen wurde; Vietcong und Nordvietnamesen rückten an. Der südvietnamesische Staat und seine Armee waren zusammengekracht; ohne den Geleitschutz der USA hatte ihr letztes Stündchen ­geschlagen. Das zeigt sich dieser Tage fast noch drastischer in Afghanistan bzw. in seiner Hauptstadt Kabul: Die Supermacht wird von Sandalenkriegern abgelöst, die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Hingegen ist weit weniger darauf zu vertrauen, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung, den das (vereinfacht gesagt) politisch kommunistische und wirtschaftlich kapitalistische Vietnam zuwege gebracht hat, am Hindukusch wiederholen wird. Dass die Taliban unterdessen geläuterte, gemässigte Pragmatiker sein sollen – wer’s glaubt. Vietnam übrigens kooperiert heutzutage in Verteidigungsfragen mit den USA. Die ungemütliche Nachbarschaft zum Giganten China macht’s möglich.