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Bei BLKB ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste

Analyse | Die Kantonalbank agiert in der Krise vorsichtig, hält aber am Ausblick für 2020 fest.

Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB 916.00 +0.88%) (BLKB) lässt in der Krise Vorsicht walten. Die Staatsbank hat im ersten Halbjahr aufgrund der Coronapandemie Wertberichtigungen in der Höhe von 8,7 Mio. Fr. gebildet. Damit will sie sich gegen inhärente Risiken absichern. «Die Visibilität ist momentan sehr gering», sagt CFO Herbert Kumbartzki. Immer wieder werden die Zukunftsaussichten der Unternehmen in Kundengesprächen thematisiert. Vor allem die Branchen Hotellerie, Transport, Gewerbeimmobilien und Autozulieferer mit internationalen Wertschöpfungsketten wurden bei der Bildung der Wertberichtigungen berücksichtigt.

Der Anstieg in diesem Bereich wirkt sich allerdings negativ auf das  durch die Negativzinsen bereits unter Druck stehende Kerngeschäft der Bank aus.  Der Nettoerfolg im Zinsgeschäft sank im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr um 3,9% auf 126,7 Mio. Fr. Unter dem Strich resultierte damit ein leicht tieferer Halbjahresgewinn von knapp 53 Mio. Fr., ein Minus von 0,2%. Der Geschäftserfolg stieg dagegen um 3,3% auf 80,4 Mio. Fr. Den Geschäftsertrag steigerte die Kantonalbank auf 177,2 Mio. Fr., ein Zuwachs von 0,9%. Stark zugelegt hat sie im zinsindifferenten Geschäft: Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft stieg um 7,1% auf 36,5 Mio. Fr. Im Handelsgeschäft erwirtschaftete BLKB im ersten Semester 8,9 Mio. Fr., ein Plus von 1,7%.

Neugeldzufluss hat sich mehr als verdoppelt 

Verantwortlich für den Anstieg ist vor allem die Vermögensverwaltung. Mit 847 Mio. Fr. hat sich der Nettoneugeldzufluss im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Ein Teil davon stamme von Neukunden (Kumbartzki: «Zu 100% von Kunden mit Schweizer Domizil.»). BLKB ist es aber auch gelungen, mehr Gelder von bestehenden Kunden zu akquirieren. Wie bei anderen Banken auch hat deren Aktivität aufgrund der hohen Volatilität an den Finanzmärkten im Frühling zugenommen. «Courtagen haben rund 15% zum Kommissionsertrag aus dem Anlagegeschäft beigetragen», sagt der Finanzvorstand.

Bis diese Bereiche substanziell zur Diversifizierung der Kantonalbank beitragen, ist es jedoch noch ein weiter Weg. Mit 75% steuert das Zinsgeschäft immer noch den Löwenanteil zum Ertrag bei. 20% entfallen auf das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, der Handel liegt bei 5%. Daher baut BLKB ihr Geschäft mit Versicherungen stärker aus. Neben einer Gebäudeversicherung hat sie nun auch eine Erwerbsausfallversicherung im Angebot. Rund 4000 Kontrakte wurden mittlerweile abgeschlossen, weitere Angebote sollen laut Kumbartzki folgen.

Ihre Kosten hat die Bank trotz eines leichten Anstiegs um 1,8% auf 90,3 Mio. Fr. im Griff. Zurückzuführen ist die Zunahme auf die Personalkosten, da im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Vollzeitstellen gestiegen ist. Die höheren Wertberichtigungen aufgrund der Covid-19-Pandemie haben jedoch auch zu einem etwas höheren Kosten-Ertrags-Verhältnis von 51% geführt. Ende 2019 lag der Wert bei 47,4%.

Kreditbedarf bei Unternehmen gestiegen

Die Bilanzsumme betrug Ende Juni etwas mehr als 29 Mrd. Fr., ein Zuwachs von 6,5% gegenüber dem Jahresanfang. Trotz Lockdown hat BLKB keinen nennenswerten Einbruch bei der Nachfrage nach Hypotheken verzeichnet. Die Ausleihungen stiegen um 2,2% auf 20 Mrd. Fr. Noch stärker gewachsen ist dagegen die Nachfrage nach Firmenkrediten. De Kreditlimiten für Unternehmen wuchsen um 10,9% auf 6,5 Mrd. Fr. Dazu kommen noch die Covid-19-Überbrückungskredite des Bundes. Bis Ende Juni hat BLKB Kredite in der Höhe von 147 Mio. Fr. zugesagt, die meisten betreffen Kredite bis zu einem Betrag von 0,5 Mio. Fr., die vollständig durch den Bund garantiert sind.

An ihrem Ausblick für das laufende Geschäftsjahr hält die Kantonalbank trotz den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie vorläufig fest. Prognostiziert wird demnach ein leicht höheres Ergebnis als im Vorjahr. Weitere Wertberichtigungen in den kommenden Monaten schliesst Kumbartzki aber nicht aus, auch wenn jetzt noch keine konkreten Auswirkungen im Portfolio von BLKB sichtbar waren. Die Erholung der Wirtschaft werde länger dauern: «Das Thema ist noch nicht abgeschlossen.»

Die Zertifikate der Kantonalbank haben nur leicht auf den Zahlenkranz reagiert. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (2020) von 14 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,8 sind sie zwar günstig bewertet, ihre Handelsliquidität ist jedoch gering. Im vergangenen Jahr bewegte sich ihr Kurs zwischen 948 und 846 Fr. Wer Stabilität im Portfolio schätzt, kann sich eine Investition überlegen. Ein Kauf drängt sich jedoch nicht auf.

Die komplette Historie zur BLKB finden Sie hier.»