Meinungen

Bloss kein Neid

Man sollte den ökonomischen Pragmatismus der SNB nie unterschätzen. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«Die Last des sicheren Hafens wiegt schwer, und doch weiss sich die hiesige Wirtschaft immer wieder zu behaupten. »

Keiner sieht seinen Namen gerne auf einer schwarzen Liste. Auch die Schweiz möchte dies natürlich tunlichst vermeiden, und die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 5370 -1.29%)) möchte nicht dafür verantwortlich sein. Nun haben es sich die Amerikaner zur Angewohnheit gemacht, den wirtschaftlichen Erfolg anderer Staaten zu diffamieren.

Man wittert Angst und Missgunst. Denn wer gewisse Schmerzgrenzen überschreitet, was die Aussenhandelsbilanz und den Leistungsbilanzsaldo mit den USA betrifft, steht fortan unter genauer Beobachtung des US-Finanzministeriums. Kommt noch ein gewisses Mass an Deviseninterventionen dazu, wie im Falle der SNB, dann ist der Währungsmanipulator perfekt.

Spekulanten haben sich dies zunutze gemacht. In der Annahme, dass der SNB die Hände gebunden sind, um via Interventionen gegen die weitere Aufwertung des Frankens vorzugehen, stehen die Wetten auf Frankenstärke. Die Rechnung geht bislang auf. Der Franken-Euro-Kurs ist beinahe auf Dreijahreshöchst.


Die Last des sicheren Hafens

Der Franken gilt in der Finanzwelt als Safe Haven. Hinzu kommt, dass sich die SNB für Deviseninterventionen derzeit Zurückhaltung auferlegt.


Die Last des sicheren Hafens wiegt schwer, und doch weiss sich die hiesige Wirtschaft immer wieder zu behaupten. Sollte sich der Konjunkturausblick allerdings verdüstern und das Ziel der Preisstabilität in Gefahr geraten, ist man gut beraten, den ökonomischen Pragmatismus der SNB nicht zu unterschätzen. Potenziell wären dann die Drohgebärden des US-Treasury schnell in den Wind geschlagen und die SNB würde weniger zaghaft intervenieren.

Ein kleines Trostpflaster für alle Missgünstigen: Die strukturelle Frankenstärke verschärft die Abhängigkeit des Schweizer Aussenhandels von den Pharma- und Luxusgüterexporten zunehmend.