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Bobst erwartet Verlust im ersten Halbjahr

Die Coronakrise hinterlässt tiefe Spuren beim Verpackungsmaschinenhersteller Bobst. Die Aktien verlieren bis zum Mittag rund 4%.

Der Hersteller von Kartonverpackungsmaschinen Bobst (BOBNN 56 -0.53%) erwartet für das erste Halbjahr einen Verlust. Die Coronapandemie habe in den letzten Monaten zu beträchtlichen Störungen in den globalen Lieferketten geführt, teilte er am Mittwoch mit. Die meisten Maschineninstallationen und Serviceleistungen, die für das zweite Quartal vorgesehen gewesen seien, hätten aufgrund von Reisebeschränkungen nicht durchgeführt werden können.

Die erschwerten Umstände haben den Angaben zufolge einen «erheblichen Einfluss» auf die Verbuchung des Umsatzes. Das erste Halbjahr ist bei Bobst auch in normalen Zeiten saisonal bedingt klar schwächer. Dieses Jahr werde die Umsatzentwicklung aber noch unausgewogener ausfallen als in den Vorjahren, teilte Bobst mit.

Umsatzrückgang um mehr als 27%

Konkret erwartet Bobst, dass der Umsatz des ersten Semesters um mehr als 200 Mio. Fr. unter dem der Vorjahresperiode liegen wird. Damals erzielte sie im ersten Halbjahr einen Umsatz von 737 Mio. Fr. Sie prognostiziert somit einen Rückgang des Verkaufserlöses um mehr als 27%.

Dies wird sich naturgemäss auf die Profitabilität auswirken: Bobst prognostiziert ein um 50 bis 60 Mio. niedrigeres Betriebsergebnis (Ebit) als in der Vergleichsperiode. Damals betrug das Betriebsergebnis 15 Mio. Fr. Faktisch rechnet sie also mit einem Betriebsverlust von 35 bis 45 Mio. Fr. Die Aktien verloren am Donnerstagvormittag rund 4%.

Als Gewinnwarnung könne die Meldung von Bobst nicht bezeichnet werden, hält ein Analyst der Helvetischen Bank fest. Schliesslich habe das Unternehmen die frühere Guidance für das laufende Jahr bereits am 11. Mai zurückgezogen. Seither hat es keine neuen Prognosen mehr gemacht.

Keine Prognose für das Gesamtjahr

Für das Gesamtjahr verzichtet Bobst auch weiterhin auf die Formulierung von Zielen: Zwar würden die Grenzen zwischen den Ländern wieder geöffnet, heisst es in der Mitteilung. Es bestünden aber noch grosse Unsicherheiten, insbesondere was Flugreisen und die allgemeine Konjunktur- und Pandemiesituation betreffe. «Es ist deshalb zurzeit nicht möglich, eine verlässliche Aussage über Umsatz und Resultate für das Gesamtjahr zu machen.»

Weiter teilte Bobst mit, dass Philippe Milliet, Leiter der Geschäftseinheit Sheet-fed (Einzelverpackungen), nach neun Jahren als Mitglied der Konzernleitung die Bobst-Gruppe verlässt. Ab dem 1. Juli werde Jean-Pascal Bobst, CEO der Gruppe, den Geschäftsbereich interimistisch leiten.

Analysten sind sich uneins

Analysten zeigten sich ob der Guidance von Bobst zum Halbjahr nicht überrascht, sind sich allerdings uneins, was die Handlungsempfehlung betrifft. Analyst Mark Diethelm von der Bank Vontobel (VONN 68.05 0.37%) schreibt, die Zahlen entsprächen weitgehend seinen Erwartungen. Die ungewisse Lage im Reiseverkehr könne das Geschäft aber auch im zweiten Halbjahr noch behindern, da sich die Abnahme von Maschinen sowie Serviceleistungen weiter verzögern könnten. Er hat die Titel auf «Hold» eingestuft.

Auch Armin Rechberger von der Zürcher Kantonalbank hat einen Verlust in der angekündigten Grössenordnung erwartet. Gemäss seinem Modell sind die Aktien derzeit aber «deutlich überbewertet». Er rät daher zum Verkauf.

Optimistischer zeigt sich der Analyst der Helvetischen Bank: Zwar werde auch Bobst von der aktuellen Situation erheblich getroffen, schreibt er: «Wir vermuten aber, nicht so hart, wie es das optisch sehr negative Ergebnis des ersten Halbjahres 2020 gerade indiziert.» Für Bobst sprächen die offenbar gesicherte Finanzierung sowie die Tatsache, dass gewisse Endkundensegmente gemäss früheren Angaben auf Hochtouren liefen. Eine langfristige Position in den Aktien von Bobst habe in einem diversifizierten Portfolio ihren Platz, wenn man die nötige Geduld mitbringe. Zum «Traden» eigneten sich die recht illiquiden Titel hingegen nicht. Der Free Float beträgt rund 47%.

«Finanz und Wirtschaft» hatte die Valoren Anfang Mai zum Kauf empfohlen. Seither haben sie zwischenzeitlich bis zu 14% gewonnen, zuletzt aber wieder ziemlich eingebüsst. Grundsätzlich ist die Verpackungsindustrie eine Wachstumsbranche. Die Coronakrise hat den Trend zum Onlinehandel noch zusätzlich befeuert. Als Weltmarktführer ist Bobst gut positioniert, um davon zu profitieren.

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