Märkte / Anleihen

BoE wird senken – Covered-Bond-Markt verfehlt Rekord Emissionsvolumen nimmt ab

Die Bank of England (BoE) hat im vergangenen Jahr den Leitzins fünfmal auf 2% reduziert. Eine weitere Senkung von 50 bis 75 Basispunkten (Bp) wird am Donnerstag, dem ersten Treffen des Monetary Policy Committee im neuen Jahr, erwartet. Sollte die Notenbank den Referenzwert auf 1,25% anpassen, wäre dies das tiefste Niveau seit ihrer Gründung 1694.
Gerechtfertigt werden kann die britische Leitzinssenkung durch die anhaltend unvorteilhaften Konjunkturdaten: Im Dezember hat der Einkaufsmanagerindex von Dienstleistern 40,2 Punkte erreicht. Im Vormonat war mit 40,1 Punkten der tiefste Stand seit Beginn der Messung 1996 erreicht worden. Gefallen sind im Dezember auch die durchschnittlichen Häuserpreise, zum Vorjahresmonat 15,9%. Das schwächt die Heimvaluta – noch vor Jahresende war erstmals ein Pfund für einen Euro zu kaufen (vgl. Grafik).

Preisstabilität in der Eurozone

Auch die Dienstleister auf dem Festland verzeichnen rückläufige Geschäfte: Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone ist im Dezember auf 42,1 gefallen, zum Vormonat ein Rückgang von 0,4. Gute Nachrichten kommen jedoch von der Inflation: Im Dezember ist die Jahresrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex auf 1,6% gesunken. Die Teuerung erreicht damit das Preisstabilitätsziel der Europäischen Zentralbank von «nahe, aber unter 2%».
Weltweit wurden im vergangenen Jahr 8132 Anleihen mit einem Nominalvolumen von 2936364 Mio.$ emittiert, zum Vorjahr eine Reduktion von 6%. Als grösstes Emissionshaus fungierte neu Barclays Capital mit einem Marktanteil von 8,6%. Die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse rangieren auf Platz sieben bzw. zwölf (vgl. Tabelle). Gänzlich aus der Rangliste gefallen sind Commerzbank (vgl. auch Textbox), ABN Amro und Lehman Brothers. Das erste Institut erscheint neu erst auf Platz 32, ABN Amro ist von Royal Bank of Scotland übernommen worden, während Lehman Brothers gezwungen war, Konkurs anzumelden.
Um 24% ist das Volumen des Primärmarkts von US-Unternehmen eingebrochen, während die Anzahl Emissionen 37% gestiegen ist. Besonders in den letzten Monaten von 2008 war dieses Segment deutlich aktiver als das europäische Pendant. Dieser Trend setzt sich auch im Januar fort: Am Montag begab Pacificcorp eine zehn- und eine dreissigjährige Anleihe über 350 bzw. 650Mio.$. Der Ultralangläufer ist mit einem Coupon von 6%, der andere Bond mit 51/2% ausgestattet. Gegenüber vergleichbaren US-Staatsanleihen zahlte die Neuemission eine Risikoprämie von je 310Bp. Fitch und Standard & Poor’s (S&P) benoten die Anleihe mit A–, Konkurrentin Moody’s mit der äquivalenten Note A3.
1 Mrd.$ nahm Weatherford International mit einer zehnjährigen Anleihe auf. Die Papiere werden zu 95/8% verzinst. Die Prämie wurde auf 723Bp festgesetzt. Das im Ölförderungsgeschäft tätige Unternehmen wird von Moody’s mit Baa1, von S&P auf derselben Stufe mit BBB+ beurteilt.
Einem Trugschluss könnten die Marktteilnehmer in Bezug auf den internationalen Covered-Bond-Markt erliegen. Diese Papiere sind gedeckte Schuldverschreibungen, die in der Regel durch Hypotheken oder Darlehen an die öffentliche Hand besichert sind (auch Pfandbriefe). 2008 ist dieser Markt 200 Mrd. Euro gewachsen, gesamthaft sind rund 2300 Mrd. Euro gedeckte Anleihen ausstehend. Ein neuer Rekord ist lediglich durch den Wechselkurseffekt – die Abwertung der schwedischen Krone, des Dollars und des Pfunds – verhindert worden. Gemäss den Experten von HSBC Trinkaus ist dieses Wachstum jedoch nicht auf die Investorennachfrage zurückzuführen. Denn die Mehrheit der Neuemissionen sei direkt in Repooperationen gegangen oder von Regierungen aufgekauft worden. Diese Entwicklung werde sich auch 2009 fortsetzen, die Staatsnachfrage werde dominieren.

Bonität von GMAC sinkt weiter

Nicht geholfen hat GMAC der mögliche Zugang zum Troubled Asset Relief Program (Tarp). Das US-Treasury hatte den Kauf von GMAC-Vorzugsaktien im Wert von 5 Mrd.$ angekündigt, um dem Institut zum Bankenstatus zu verhelfen (vgl. letzte Ausgabe). Dennoch stuft S&P das Unternehmen von CC auf SD, Selective Default, herab. Zwar würden durch den Bankenstatus die Liquiditätssituation und die Kapitalstruktur verbessert. Die Bonitätsreduktion spiegle jedoch das jüngste Umtauschangebot unter Nominalwert, begründet die Ratingagentur.
Wird bald kein Rosenthal-Geschirr mehr erhältlich sein
Waterford Wedgwood, Eigentümerin des deutschen Porzellanherstellers, hat Konkurs angemeldet. Davon betroffen ist eine ausstehende Anleihe über 166 Mio. Euro mit Fälligkeit im Dezember 2010. Der letzte Coupon wurde nicht bezahlt. S&P rechnet mit einer Rückgewinnungsquote (Recovery Rate) von 0 bis 10%.
Erstmals ein Rating erhält Schneider Electric von Moody’s. Die Agentur verleiht die Note A3 stabil. S&P und Fitch beurteilen das Unternehmen mit einem äquivalenten A– stabil bzw. negativ. Schneider Electric hat derzeit neun Bonds über 3,5Mrd. Euro ausstehend.
Die Turbulenzen der Automobilbranche treffen auch japanische Hersteller: Fitch prüft die Note A+ von Honda auf eine Herabstufung. Neben nachlassender Nachfrage setzt die kräftige Aufwertung des Yens das Unternehmen mit Sitz in Tokio zusätzlich unter Druck.
Der Zusammenbruch von Lehman Brothers hatte in Ratings von Anleihen und strukturierten Produkten weite Kreise gezogen, nicht so aber der Fall Madoff: Der Kollaps von Bernard L.Madoff Investment Securities werde nur zu wenigen Ratinganpassungen führen, urteilt Moody’s in einem Spezialbericht. Durch die Agentur bereits reduziert wurde die Bonitätsnote der American Society for Technion, bald herabgestuft werden könnte Yeshiva University.

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