Märkte / Aktien

SMI schliesst leichter, kommt aber vom Tief zurück

Die Schweizer Börse pendelt um die Marke von 9100. Verluste an der Wallstreet. Der Euro rutscht unter 1.06 Fr. Die Coronakrise in den USA weitet sich aus.

(AWP/Reuters/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat zur Wochenmitte nachgegeben, sich aber von zwischenzeitlich klar tieferen Kursen erholt. Der Swiss Market Index SMI (SMI 10183.77 2.33%) büsste kurz nach Eröffnung 2,5% ein. Früh im Handel rutschte er unter die Marke von 9100. Bis zur Mittagszeit eroberte er diese Grenze jedoch zurück. Am Nachmittag waren die Verluste wieder etwas deutlicher, aber nur bis Eröffnung der US-Börsen. Der erste, noch unvollständige, März-Bericht vom US-Arbeitsmarkt war weniger schwach ausgefallen als befürchtet, ebenso die Einkaufsmanagerstimmung. Bei Handelsende zeigte der SMI in Richtung 9200. Erneut waren die Schwankungen überdurchschnittlich. Der Schweizer Leitindex hatte binnen weniger Tage um insgesamt fast 15% zugelegt.

Anleger in New York trennten sich von Aktien. Denn die drei Hauptindizes an der Wallstreet notierten bei Handelsende in Zürich allesamt mit klaren Verlusten. Der Dow Jones (Dow Jones 26269.89 2.05%) büsste 3% ein. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 3122.87 1.36%) gab 3,4% nach. Einbussen von 2,8% verzeichnete die Technologiebörse Nasdaq Composite.

Die USA sind das neue Epizentrum der Coronaviruspandemie. In den USA ist die Zahl der Toten nach Zählung der Nachrichtenagentur Reuters an nur einem Tag um 800 gestiegen. Fast die Hälfte der Todesopfer gab es im Bundesstaat New York. «Es ist absolut entscheidend für das amerikanische Volk, die Richtlinien für die nächsten dreissig Tage zu befolgen. Es ist eine Frage von Leben und Tod», betonte US-Präsident Trump während einer Pressekonferenz in der Regierungszentrale in Washington. Die Coronaviruskoordinatorin des Weissen Hauses, Deborah Birx, sagte einen Höhepunkt der Todesfälle in den kommenden zwei Wochen voraus. Entsprechend werden auch die Prognosen für die Weltwirtschaft immer negativer – mit Auswirkungen auf die Börsen.

SMI: Defensive hielten sich besser

Viele Schweizer Blue Chips schlossen tiefer. Grosse Abgaben verzeichneten in dieser Gemengelage konjunktursensitive Aktien und Finanzwerte. ABB (ABBN 20.6 5.1%), Adecco (ADEN 49.38 5.18%), LafargeHolcim (LHN 42.9 4.99%) und Sika (SIKA 174.25 1.31%) gaben deutlich nach. Versicherertitel, die gestern noch gefragt gewesen waren, büssten stark ein. Dazu zählen vor allem Swiss Re (SREN 75.62 8.21%), aber auch Zurich Insurance (ZURN 344.3 6.1%) und Swiss Life (SLHN 370.5 5.08%). Mit Richemont (CFR 61.32 4.78%) und Swatch Group (UHR 204.5 5.06%) verloren auch die Aktien der Luxusgüterhersteller überdurchschnittlich.

Die Grossbankaktien Credit Suisse (CSGN 9.812 6.37%) und UBS (UBSG 11.17 4.69%) reihten sich ebenfalls weit hinten ein. Die Finma hatte am Vortag kurz vor Handelsende betont, Banken, die eine Dividende ausschütten, sollten weniger stark von Erleichterungen bei den Kapitalvorschriften wegen der Coronakrise profitieren.

Defensive Werte hielten sich besser und sorgten dafür, dass der SMI sich erholte: Roche (ROG 339.1 1.27%) legten am deutlichsten zu. Novartis (NOVN 82.48 -0.13%) und Nestlé (NESN 103.86 0.91%) bauten ihr Minus ab respektive drehten sogar ins Plus. Der Nahrungsmittelkonzern meldete eine Transaktion: Nestlé Purina PetCare kauft Lily’s Kitchen, einen britischen Hersteller von Tierfutter. Zum Kaufpreis wurden in der Mitteilung vom Mittwoch keine Angaben gemacht.

Swisscom (SCMN 504 1.35%) gehörten ebenfalls zu den wenigen Gewinnern.

Dufry und AMS litten

Im SMIM (SMIM 2542.917 1.92%) büssten AMS (AMS 16.4 7.86%) stark ein. Die Österreicher hatten bei einer Kapitalerhöhung 70% der neuen Anteile im Rahmen der Bezugsrechtsemission untergebracht. Das Geld braucht AMS für die milliardenschwere Akquisition von Osram (OSR 41.1 -0.39%). Mit Temenos (TEMN 146.05 0.38%) und Logitech (LOGN 55.62 0.14%) gab es weitere Verlierer unter den Tech-Aktien.

Erneut standen Dufry (DUFN 35.22 10.3%) stark unter Druck. Dieses Mal sorgte eine Studie der UBS für die deutlichen Abgaben. So hatte die Grossbank ihr Kursziel für die Aktien des Reisedetailhändlers um nahezu zwei Drittel zusammengestrichen, von 90 auf 33 Fr.

Wie auch die grossen Bankwerte wiesen Julius Bär (BAER 44.23 3.66%) im SMIM grosse Verluste aus.

Gesundheitswerte wie Sonova (SOON 211.1 1.69%), Straumann (STMN 806.6 0.2%) oder Vifor Pharma (VIFN 147 0.62%) standen ebenfalls auf der Verliererliste.

Kühne+Nagel waren die grössten Gewinner unter den mittelgrossen Werten. In Händlerkreisen machten Übernahmegerüchte die Runde. Einerseits hatte der Konzern bereits an der Bilanzmedienkonferenz einen grossen Zukauf in Asien angekündigt. Andererseits hatte die Kühne Holding diese Woche ihren Anteil an der Hamburger Linienreederei Hapag-Lloyd (HLAG 76.4 -2.92%) deutlich aufgestockt.

Im breiten Markt büssten Vontobel (VONN 62.15 2.56%) deutlich ein. Die Papiere des Vermögensverwalters wurden aber am Berichtstag ex Dividende gehandelt. U-Blox (UBXN 67.9 1.95%) hatte am Morgen eine kleinere Akquisition vermeldet.

Pierer Mobility (KTMI 44.5 4.95%) gaben nach. Die Spitze der Fahrzeuggruppe hatte beim Thema Dividende eine Kehrtwende vollzogen. Vor kurzem wurde Aktionären noch eine Ausschüttung in Aussicht gestellt, nun wird es keine geben.

Schmolz + Bickenbach (STLN 0.188 3.41%) hatte den erfolgreichen Abschluss einer Refinanzierung mitgeteilt.

Asien im Minus

Nach der schwächeren Tendenz an der Wallstreet vom Dienstag zeigten sich die asiatischen Börsen im heutigen Handel ebenfalls mehrheitlich schwächer. Chinesische Börsen waren die Ausnahme. In Tokio notierten der Nikkei 225 und der breiter gefasste Topix 2 und 2,6% unter dem Schlussstand von gestern. In Hongkong verzeichnete der Hang Seng eine Abnahme von 1,1%. Der Shanghai Composite dagegen notierte 0,3% fester.

Euro schwach

Der Eurokurs gab am Mittwoch deutlich nach. Ihren Tiefstand erreichte die Gemeinschaftswährung bei 1.0918 $. Das war über ein Cent weniger als in der Nacht auf Mittwoch. Am Abend kostete ein Euro 1.0931 $. Zum Franken konnte die Einheitswährung vom Tagestiefpunkt etwas Boden gutmachen und notierte um 17.30 Uhr MESZ bei 1.0575 Fr. Der Dollar stieg zum Franken klar und arbeitete sich bei einem Stand von 0.9683 Fr. an die Marke von 97 Rappen heran.

Gold etwas fester, Ölpreis tiefer

Der Goldpreis notierte etwas höher und damit leicht über der Marke von 1600 $ pro Feinunze. Der Ölpreis gab klar nach. Der Nachfrageausfall im Zuge der Coronakrise hielt den Preis in der Nähe von langjährigen Tiefständen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 39.16 -1.31%) kostete bei Börsenschluss in Europa rund 25 $.

Der Bitcoin (Bitcoin 9632.7 -0.26%) konnte sich angesichts der Berg-und-Tal-Fahrt an den Aktienmärkten über der Marke von 6000 $ behaupten und stabilisierte sich nach den vor zwei Wochen eingefahrenen Verlusten.