Märkte / Aktien

SMI startet mit leichten Gewinnen ins zweite Halbjahr

Der Schweizer Aktienmarkt kann die nach wie vor schlechte Stimmung am Freitag zwar nicht ganz abschütteln.

(AWP/Reuters) Dennoch startet der Leitindex SMI (SMI 11'199.53 +0.69%) mit leichten Gewinnen ins zweite Halbjahr. Dabei ist es dem SMI gelungen, anfängliche Verluste mehr als wettzumachen. Auf Wochensicht bleibt damit dennoch ein Minus von rund 0,5%. Über die weitere Entwicklung äusserten sich die Marktteilnehmer zurückhaltend. Die Probleme, die den Märkten bisher zusetzten, seien ja nicht ausgeräumt. Sie wirkten vielmehr negativ nach.

Nach dem schwachen 1. Halbjahr, bei dem der SMI gut 16% verloren und ein rekordverdächtig schlechtes Semester verbucht hat, seien viele Anleger vorsichtig geworden. Auch wenn die Bewertungen nach der Korrektur nun wieder attraktiver erschienen, würden die Anleger daher nicht zugreifen, heisst es am Markt. Zu viele Erholungstage hätten sich als Bärenfallen entpuppt. Ob es zu einem Richtungswechsel komme, hänge von der Entwicklung der Inflation und dem Verlauf der bevorstehenden Bilanzsaison ab. Diese gebe Aufschluss darüber, wie sich die Unternehmen in dem anspruchsvollen Umfeld geschlagen hätten. Allerdings dauert es bis zum Start der Berichtssaison noch etwas. Daher dürften bis dahin Konjunkturdaten den Ton angeben.

Der SMI hat sich einmal mehr in einer relativ breiten Spanne zwischen 10’632 und 10’815 Punkten bewegt und mit 10’770,40 Punkten um 0,27% höher geschlossen. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg um 0,23% auf 1649,13 und der breite SPI (SXGE 14'523.95 +0.75%) um 0,32% auf 13’879,13 Zähler. Im SLI standen sich 16 Verlierer und 14 Gewinner gegenüber.

Einmal mehr büssten die technologienahen Titel VAT und AMS Osram (AMS 8.20 -0.27%) stark an Wert ein. Beide Titel haben sich seit Jahresbeginn halbiert und sind die grössten Verlierer im SLI. Auslöser für den aktuellen Kursrückgang dürfte der negative Quartalsausblick des US-Branchennachbarn Micron (MU 62.58 +0.19%) gewesen sein.

Dahinter folgte mit Richemont (CFR 114.95 +1.95%), Julius Bär (BAER 50.36 +0.24%), ABB (ABBN 28.60 +0.67%) und UBS (UBSG 15.86 +1.96%) eine Mischung aus verschiedenen Sektoren. Julius Bär hat einen über zehn Jahre alten Rechtsstreit mit dem Liquidator einer litauischen Gesellschaft beendet und bezahlt 105 Mio. €.

Belastet wurde der Gesamtmarkt von den Abgaben beim Marktschwergewichts Novartis (NOVN 82.21 +0.20%). Dazu hiess es seitens der UBS, in den kommenden Wochen und Monaten sei mit spannenden strategischen Neuigkeiten zu rechnen. Bloomberg hatte berichtet, Novartis scheine für die Generikasparte Sandoz aktuell einen Börsengang zu bevorzugen.

Kühne + Nagel (KNIN 242.80 -0.86%) gaben ebenfalls nach. Am Markt hiess es, eine Abstufung mit kritischem Kommentar von der Bank of America (BAC 33.77 -0.56%) habe letztlich mehr Gewicht gehabt als eine Kurszielerhöhung mit verteidigendem Kommentar von JPMorgan.

Auf der anderen Seite schlossen mit Lonza (LONN 565.80 +1.00%) und Sonova (SOON 345.70 +0.55%) zwei zuletzt gebeutelte Wachstumswerte, höher. Bei Lonza könnten die steigenden Coronainfektionszahlen die Nachfrage gestützt haben, hiess es. Zu den Gewinnern zählte mit Zurich der beste SLI-Wert im ersten Halbjahr.

Ebenfalls höher schlossen Nestlé (NESN 116.48 +0.85%) und Roche, die von ihrem Ruf als sicherer Hafen profitiert hätten. Mit Alcon (ALC 73.56 -0.70%), Givaudan (GIVN 3'339.00 +1.43%) und Adecco (ADEN 32.38 +0.40%) waren weitere gebeutelte Aktien gefragt, wie Gewinne von rund 1% zeigen.

In den hinteren Reihen sackten Youngtimers um 46% ab. Die Gesellschaft verschiebt die Vorlage der Jahreszahlen nochmals. Relief fielen um 8,5%. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat eine Notfallzulassung für den Corona-Kandidaten Zyesami (Aviptadil) von Partner NRx erneut abgelehnt.

Sulzer (SUN 63.40 +0.56%) büssten 0,6% ein, nachdem das Unternehmen am Morgen mitteilte, dass es Vermögenswerte in Russland und Polen in Höhe von rund 125 bis 135 Mio. Fr. abschreiben müsse.

Fester waren Zur Rose (ROSE 68.55 +1.26%), die von Deckungskäufen profitierten. Aryzta legten 0,7% zu. Der Chef des Backwarenkonzerns, Urs Jordi, sieht das Unternehmen gut auf Kurs. Eine Dividende könnte es 2025 wieder geben, wenn die Bilanz saniert sei, sagte er der «Finanz und Wirtschaft».

USA: Wochenbilanz klar negativ

Die US-Börsen haben zum Ende einer sehr schwachen Woche am Freitag erst einmal weiter nachgegeben. Fast eine Stunde nach Handelsbeginn sank der Leitindex Dow Jones Industrial um 0,50% auf 30 623,09 Punkte, womit er auf ein Wochenminus von 2,8% zusteuert. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,35% auf 3771,96 Zähler nach unten. Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 13'207.69 -0.78%) verlor 0,36% auf 11 462,73 Punkte – auf Wochensicht zeichnet sich ein Verlust von 5,3% ab.

Am Vortag hatten sich die drei Börsenbarometer mit historisch hohen Kursabschlägen für das erste Halbjahr aus dem Handel verabschiedet. Die Lust auf Aktien ist vielen Investoren weltweit angesichts steigender Zinsen und den Sorgen um eine womöglich drohende Rezession vergangen.

Angesichts der zunehmenden Rezessionsängste habe der Markt inzwischen auch begonnen, die Auswirkungen auf die Gewinnaussichten der Unternehmen zu bewerten, schrieb Experte Stephen Innes von Spi Asset Management. Aktuelle Daten aus der weltgrössten Volkswirtschaft fielen mässig aus.

So sank die Stimmung in der Industrie im Juni deutlicher als erwartet auf ein Zweijahrestief, wie der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) belegt. Der Stimmungsindikator, der als Gradmesser für das gesamtwirtschaftliche Wachstum gilt, liegt aber immerhin weiter deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Derweil halten die Schwächesignale vom US-Häusermarkt an: Die Bauausgaben im Mai gingen gegenüber dem Vormonat leicht zurück, während Analysten mit einem Anstieg gerechnet hatten.

Eine schwächere Nachfrage bekommt inzwischen der Halbleiterhersteller Micron zu spüren. Der am Donnerstag nachbörslich veröffentlichte Umsatzausblick für das letzte Geschäftsquartal habe enttäuscht, hiess es von Börsianern. Die Aktie rutschte um 5,7% ab.

Für einen Paukenschlag sorgte derweil die Kaufhauskette Kohl’s – sie gab das Ende der Gespräche über eine Übernahme durch die Franchise Group bekannt. Das Management verwies nach dreiwöchigen exklusiven Verhandlungen auf das schwierige Finanzierungs- und Einzelhandelsumfeld und erklärte, dies seien Hindernisse für eine akzeptable Vereinbarung mit dem potenziellen Käufer. Viele enttäuschte Anleger flohen aus dem Titel, der ohnehin bereits seit Wochen massiv unter Druck steht – zuletzt stand ein Minus von knapp 22% zu Buche. Die Papiere des Kaufinteressenten verbilligten sich um fast achteinhalb Prozent.

Derweil verzeichneten die Anteilsscheine von General Motors (GM 37.24 +3.27%) (GM) ein leichtes Plus, obwohl der Autobauer für das zweite Quartal einen deutlichen Absatzrückgang berichtet hatte. Der Konzern kämpft weiter mit Lieferkettenproblemen und einem hartnäckigen Mangel an Computerchips. Zudem blieb der in Aussicht gestellte Quartalsgewinn deutlich hinter der Konsensschätzung zurück.

EUR/CHF (EUR/CHF 0.9723 -0.68%) wieder unter Parität

Der Eurokurs hat am Freitag deutlich nachgegeben. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0389 $. Am Morgen hatte sie noch rund einen Cent höher notiert.

Das EUR/CHF-Paar hat sich über weite Strecken leicht über der Parität gehalten, Erst am späteren Nachmittag ist es wieder darunter gefallen und notiert derzeit wieder knapp darunter bei 0,9993 nach 1,0004 noch am Morgen. Am Vortag hatte das Paar bei 0,9943 ein neues Jahrestief markiert. Der US-Dollar ist derweil wieder über die Marke von 0,96 auf zuletzt 0,9623 Fr. gestiegen.

Die trübe Stimmung an den Finanzmärkten belastet den Euro. Die seit einigen Tagen vorherrschenden Sorgen vor einer Rezession verstärkten sich. Der als sicher geltende Dollar legte zu allen Währung zu. Befürchtet wird, dass die Notenbanken mit ihrem Kampf gegen die hohe Inflation die Konjunktur zu stark belasten und eine wirtschaftliche Talfahrt auslösen. So fiel in den USA der viel beachtete Einkaufsmanagerindex ISM im Juni auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren.

Inflationsdaten aus dem Euroraum belegten den anhaltenden Inflationsdruck. Im Juni stieg die Teuerungsrate mit 8,6% abermals auf ein Rekordhoch. Allerdings ging zugleich die weniger schwankende Kerninflation zurück. An den Plänen der EZB, die Leitzinsen im Juli und September erstmals seit elf Jahren anzuheben, dürften die Daten nichts ändern. Verglichen mit anderen Notenbanken hinkt die EZB im Inflationskampf aber klar hinterher.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86648 (0,85820) britische Pfund und 141,05 (141,54) japanische Yen fest.

Ölpreise legen merklich zu

Die Ölpreise haben am Freitag merklich zugelegt. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 110,98 $. Das waren 2,00 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 88.64 +0.62%)) stieg um 2,14 $ auf 107,90 $.

Unterstützung erhielten die Ölpreise auch durch Nachrichten aus Libyen und Indien. In Libyen ruhen derzeit in zwei wichtigen Häfen des Landes die Öl-Verschiffungen. Grund sind neuerliche politische Unruhen. Unterdessen hat die Regierung Indiens die Exportabgaben auf Benzin und Diesel erhöht. An den vergangenen Tagen waren die Ölpreise noch wegen gestiegener Rezessionssorgen gestiegen.

Die Erdölpreise sind in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von etwa 40% zu Buche. Hauptgründe sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine, zahlreiche Angebotsengpässe und eine deutliche Erholung der Nachfrage im Zuge einer entspannteren Corona-Lage.

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