Märkte / Aktien

SMI geht geschwächt ins Wochenende

Die Schweizer Börse gibt erneut nach. Viele Werte zeigen sich schwach. Richemont und Roche stemmen sich gegen den Abwärtstrend.

(AWP/SPU) Anhaltende Inflationssorgen haben dem Schweizer Aktienmarkt einen schlechten Start ins Schlussquartal beschert. Die Kurse gaben am Freitag auf breiter Front nach. Der SMI (SMI 12'597.43 +0.67%) verbuchte dabei die fünfte Woche in Folge eine Negativperformance. Immerhin hatte der Leitindex bis Handelsende in Zürich einen grossen Teil seiner Verluste aus dem frühen Handel wieder wettgemacht.

Freundlich präsentierte sich der US-Markt. Der S&P 500 stieg bei Börsenschluss in Europa 0,5%. Der Dow Jones legte 0,7% zu. An der Technologiebörse drehten die Kurse mehrheitlich ins Plus. Der Nasdaq Composite notierte 0,2% im Plus. Zur positiven Stimmung trugen ermutigende Testergebnisse eines Coronavirus-Medikaments von Merck (MRK 73.21 +1.29%) (MRK 221.20 +0.09%) & Co bei. Den Angaben zufolge reduziert das Mittel das Risiko eines Spital-Aufenthaltes oder Todes bei einer Infektion um etwa die Hälfte. Aktien des Pharmakonzerns steigen daraufhin auf ein 13-Monatshoch.

Allerdings drückten die steigenden Inflationsraten, die angesichts einer an Dynamik verlierenden Konjunktur das Gespenst der «Stagflation» wieder aufleben lassen, nach wie vor nach unten. Manche Anleger nähmen da die Gewinne lieber mit, hiess es am Markt. «Denn die Berichtssaison zum dritten Quartal, die demnächst beginnt, könnte einige Überraschungen mit sich bringen», sagte ein Händler. Die Anleger seien verunsichert darüber, ob die Unternehmen die erwarteten Gewinne auch erreichen könnten, wenn die Zinsen früher und schneller als erwartet angehoben würden. Die Stimmung sei insgesamt nervös. «Panik ist aber nicht zu spüren», sagte ein Händler weiter.

Finanzwerte unter Druck

Zu den Verlierern zählten die Grossbanken, die laut Händlern zunehmend unter der höheren Verunsicherung an den Märkten und den Konjunktursorgen leiden. Sowohl UBS (UBSG 16.64 -0.12%) als auch Credit Suisse (CSGN 9.06 +0.31%) büssten ein. An einer ausserordentlichen Generalversammlung am Freitag wählten die Aktionäre zwei neue Mitglieder in den Verwaltungsrat. Damit soll das Risikomanagement nach den Debakeln um den Hedge Fund Archegos und die Greensill-Anlagefonds gestärkt werden. Zudem sprach Präsident António Horta-Osório dem CEO Thomas Gottstein erneut das Vertrauen aus.

Andere Werte aus der Finanzbranche wie Partners Group (PGHN 1'526.50 +1.67%) und die Versicherer erlitten Verluste.

Aber auch Zykliker wie ABB (ABBN 33.80 +0.72%) und die Aktien der Bauindustrieunternehmen Sika (SIKA 373.80 -0.05%), Holcim (LHN 45.91 -0.63%) und Geberit (GEBN 738.00 -0.03%) gaben nach.

Die Luxusgüteraktien von Richemont (CFR 144.20 -0.38%) standen an der SMI-Spitze. Auch die Aktien von Givaudan (GIVN 4'769.00 +0.59%) trotzten dem allgemein schwachen Marktumfeld und legten zu. Händler verwiesen auf die defensiven Qualitäten des Aromen- und Riechstoffherstellers sowie auf Käufe vor der am 12. Oktober erwarteten Veröffentlichung des Quartalsergebnisses.

Unterstützung kam vom Schwergewicht Roche (ROG 372.90 +1.26%). Derweil büssten die Pharmawerte Novartis (NOVN 74.82 -0.04%) und die Aktien des Lebensmittelmultis Nestlé (NESN 123.80 +1.58%) ein.

Auf der anderen Seite standen die Aktien der Softwareschmiede Temenos (TEMN 122.35 +0.29%) und des Chipherstellers AMS im Plus. Auch in den USA hatten sich die Technologiewerte besser als die Standardwerte geschlagen.

Swatch Group (UHR 281.90 -2.89%) stiegen leicht. Und das, obwohl Oddo das Rating «Underperform» bestätigt hatte. «Irgendwann ist der Boden erreicht», sagte ein Händler. Das Kursziel hatte Oddo auf 260 von 288 Fr. gesenkt.

Im September hat sich beim Flughafen Zürich (FHZN 158.10 +0.25%) gemessen an der Zahl der Flugbewegungen der Aufwärtstrend fortgesetzt. Mit nicht ganz 7700 Starts liegt das Verkehrsaufkommen aber weiterhin deutlich unter Vor-Corona-Niveau.

Am breiten Markt büssten ebenfalls Aktien an Wert ein, die stark gestiegen waren. Dazu zählen etwa Coltene (CLTN 104.60 -1.69%), Dottikon, PolyPeptide (PPGN 133.00 +2.31%) und V-Zug (VZUG 121.00 -0.33%).

Asiens Börsen tiefer

Im Freitagshandel waren die asiatischen Aktienmärkte unter Druck. Der japanische Nikkei 225 (Nikkei 225 28'860.62 +1.42%) stand 2,4% im Minus. In Australien gab der All Ordinaries (All Ordinaries 7'707.20 +1.34%) Index 2% nach. Der Kospi (Kospi 3'004.80 +0.56%) der Börse Südkoreas verzeichnete einen Rückgang um 1,5%. Die Aktienmärkte Chinas waren wegen eines Feiertags geschlossen. Gemäss Berichten aus Japan wurde die Anlegerstimmung belastet von Meldungen über Liefer- und Nachschubprobleme bei Komponenten für die Industrie. Manches davon geht zurück auf globale Engpässe in der Produktion und Auslieferung von Mikrochips. Befürchtet wird, dass deswegen manche Sektoren gebremst werden.

Euro weiterhin schwach

Der Euro hielt sich am Freitag trotz leichter Gewinne in der Nähe des tiefsten Stands seit gut vierzehn Monaten. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1.1594 $, nachdem sie in der Nacht auf 1.1563 $ und damit den tiefsten Stand seit Mitte Juli 2020 gefallen war. Gegenüber dem Franken notierte der Euro am Abend mit 1.0782 Fr. wie schon am frühen Morgen unter 1.08 Fr. Ein Dollar kostete weniger und notierte bei 0.9298 Fr.

Bitcoin (Bitcoin 50'839.00 +0.47%) legte zu

Der Ölpreis erholte sich am Freitag aufgrund erheblicher Angebotsengpässe von seinen Verlusten. Um 17.30 Uhr MESZ kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 78.50 $.

Gold drehte ins Plus. Das Edelmetall notierte bei Börsenschluss in Europa bei 1762 $ pro Feinunze.

Bitcoin zog kräftig an. Die Cyberdevise legte bis zum Abend auf mehr als 47’000 $ zu.