Märkte / Aktien

SMI schliesst leicht im Minus

Die Schweizer Börse konsolidiert weiterhin. Credit Suisse und Adecco stehen im Fokus. Novartis und Nestlé belasten. Wallstreet zieht an. Der Euro erreicht 1.20 $.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag leichter geschlossen. Bei Eröffnung lag der Leitindex SMI (SMI 10'961.55 +0.15%) bereits 0,1% im Minus. Im frühen Handel drehte er zwar in die Gewinnzone. Doch am Nachmittag rutschte er wieder ab und weitete in der Folge seine Abgaben etwas aus. Doch dank einer starken Eröffnung an Wallstreet dämmte der hiesige Markt seine Verluste wieder ein. Mit einem Plus von mehr als 9% hatte er eine deutliche Erholung im November gesehen.

Aus New York kamen derweil positive Signale. Die wichtigen Wallstreet-Indizes gewannen bei Handelsende in Zürich allesamt klar. Der S&P 500 (S&P 500 3'845.00 +1.44%) avancierte 1,3%. Der Dow Jones (Dow Jones 31'188.38 +0.83%) legte 1,1% zu. Und die Technologiebörse Nasdaq Composite lag 1,2% im Plus. Manch ein Börsianer spricht gar vom Auftakt zur Jahresendrally – und das, nachdem bereits der November vielerorts einer der stärksten Monate war.

Neben den Impfstoffhoffnungen wurden aber auch speziell die aktuellen Konjunkturdaten aus China als Stütze gewertet. Dort war der Caixin-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im November auf den höchsten Stand seit 2010 gestiegen. In Europa wiederum hat sich die Industriestimmung weniger stark als erwartet eingetrübt. «Die Daten aus China zeigen auf, dass das kommende Börsenjahr 2021 im Zeichen einer potenziellen Konjunkturerholung auch in Europa stehen könnte», kommentiert ein Händler. Das Schweizer BIP im dritten Quartal zeigte auf jeden Fall in diese Richtung. Gleichzeitig bleibe aber die Covid-19-Pandemie immer noch ein Kaufhemmnis.

Versicherer gesucht – Lonza gemieden

Im SMI waren Versichereraktien am besten aufgelegt, was Kursgewinne bei Swiss Life (SLHN 428.70 +0.52%), Zurich Insurance (ZURN 376.90 +0.24%) und Swiss Re (SREN 83.44 +0.31%) zeigten.

Credit Suisse (CSGN 12.30 +0.33%) legten zu. Bei der Grossbank steht nun fest, wer in die Fussstapfen von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner treten soll. Den Aktionären wird Lloyds-Chef António Horta-Osório für das Amt vorgeschlagen. Gleichzeitig droht der Bank weiteres Ungemach in Sachen Rechtsfälle. Ein noch offener Hypothekenstreit in den USA könnte ihr eine Busse von bis zu 680 Mio. $ bescheren.

Auch UBS (UBSG 13.28 -0.15%) gewannen.

Roche (ROG 319.95 -0.02%) konnten von guten Nachrichten profitieren. Der Konzern hatte in den USA die Notfallzulassung für einen Corona-Antikörper-Test erhalten.

Novartis (NOVN 86.07 +0.07%) belasteten den SMI. Die Pharmawerte hatten im späten Montagshandel deutliche Aufschläge verzeichnet. Auch Nestlé (NESN 100.50 -0.32%) blieben zwar zurück.

Bei LafargeHolcim (LHN 51.06 +0.39%) verhalf ein Analystenkommentar den Titeln zu einem Kursplus. Die Experten von Vontobel (VONN 73.75 +0.14%) hatten das Kursziel auf 55 Fr. erhöht.

In Lonza (LONN 593.60 +0.03%) und Givaudan (GIVN 3'594.00 +1.35%) nahmen Investoren nach einer bisher starken Entwicklung im laufenden Jahr Gewinne mit.

Temenos zogen an

Wenig verändert präsentierten sich die Aktien des Personaldienstleisters Adecco (ADEN 59.18 +0.48%). Das Unternehmen war in den Monaten Oktober und November auf Erholungskurs geblieben. Es verpasste sich neue Mittelfristziele.

Reisenahe Werte wie Dufry (DUFN 54.08 +0.93%) und Flughafen Zürich (FHZN 154.10 +0.46%) legten zu. Dufry ist bei der geplanten Integration der US-Tochtergesellschaft Hudson einen Schritt weiter. Die Aktionäre hätten an einer ausserordentlichen Generalversammlung vom 30. November dem Vorhaben mit 98,6% der Stimmen zugestimmt, teilte Hudson am Dienstag mit. Die Aktien sollen innerhalb der nächsten zehn Tage von der New Yorker Börse dekotiert werden.

Sonova (SOON 228.80 -0.09%) waren nach einer neuen Kaufempfehlung von Jefferies gesucht.

Temenos (TEMN 116.75 -0.77%) stiegen klar. Der Bankensoftwareanbieter lanciert mit dem indischen Spezialisten für Digitallösungen Larsen & Toubro Infotech (LTI) eine digitale Plattform für die nordischen Länder. Dabei würden bestehende Kernbankensysteme von Temenos in Zusammenarbeit mit LTI modernisiert, teilte Temenos am Dienstag mit.

In den hinteren Reihen legten Galenica (GALE 60.70 +0.66%) nach einem angekündigten Umbau der Organisations- und der Führungsstruktur leicht zu.

SIG Combibloc (SIGN 21.36 +1.23%) sackten ab, nachdem Grossaktionär Onex sich nun ganz zurückgezogen hatte.

Erneute Pläne für eine Kapitalerhöhung belasteten die Aktien des Spezialstahlherstellers Swiss Steel (STLN 0.25 +2.48%).

Aufschläge verzeichneten Aryzta (ARYN 0.80 +0.19%) nach soliden Zahlen des Backwarenherstellers zum ersten Quartal.

SHL Telemedicine (SHLTN 11.20 -1.75%) kamen mit den neu angebotenen virtuellen Arztbesuchen in Deutschland gut an.

Asien im Plus – Nikkei auf Stand von 1991

Die positive Entwicklung bei den Impfstoffen trieb die Börsen in Asien an. In Japan legte der Nikkei 225 1,3% zu. Damit erreichte er den höchsten Stand seit April 1991. Der Topix avancierte 0,8%. In China steig der Shanghai Composite 1,8%. Der CSI 300 gewann sogar 2,2%. In Hongkong kletterte der Hang Seng 1%. Und in Südkorea gewann der Kospi 1,7%.

Euro über 1.20 $

Der Euro stieg am Dienstag gegenüber dem Dollar kräftig. Am Abend erreichte der Kurs bei 1.2048 $ den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2018. Marktbeobachter sprachen von einer Dollar-Schwäche, die dem Euro im Gegenzug Auftrieb verliehen habe. Gegenüber dem Schweizer Franken notierte der Euro nach zwischenzeitlichen Avancen etwas fester bei 1.0845 Fr. Entsprechend gab der Dollar zum Franken deutlich nach – bei Börsenschluss in Europa lag der Kurs bei 0.90 Fr.

Goldpreis fester

Der Ölpreis reagierte am Dienstag mit Verlusten auf die anhaltenden Unstimmigkeiten innerhalb des Ölverbunds Opec+. Bei Börsenschluss in Europa kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 55.62 -0.09%) knapp 47.50 $. Gold (Gold 1'870.95 -0.06%) lag klar höher bei 1810 $ pro Feinunze.

Bitcoin stark volatil

Nachdem der Bitcoin (Bitcoin 33'096.00 -7%), die dem Marktvolumen nach grösste Digitalwährung, am Dienstagvormittag erneut ein Rekordhoch markiert hatte, brach sie am Dienstagnachmittag ein. Dabei sah es am Morgen zunächst so aus, als könnte die Kryptowährung erstmals die Marke von 20’000 $ übersteigen. Mit 19’918 $ wurde auf der Handelsplattform Bitstamp ein Rekordhoch markiert. Dieses hielt jedoch nicht lange. Am frühen Nachmittag machte der Bitcoin seinem unsteten Ruf alle Ehre und stürzte um gut 1700 $ bis auf 18’100 $ ab. Am Abend lag der Kurs dann wieder knapp unter 19’000 $.

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