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SMI: Chinesisches Säbelrasseln drückt auf Kurse

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag schwächer in die verkürzte Börsenwoche gestartet.

(AWP/Reuters) Am Tag nach der Nationalfeier belasteten geopolitische Themen das Börsengeschehen, allen voran die sich zwischen den Grossmächten USA und China zuspitzenden Spannungen. Die wachsende Verunsicherung drückte in erster Linie auf die Kurse von Finanzaktien und konjunktursensitiven Papieren. Demgegenüber gaben die Schwergewichte Nestlé (NESN 114.58 -0.52%), Roche und Novartis (NOVN 80.10 -1.16%) dem Schweizer Markt guten Halt.

Zu Reden gab am Markt der Besuch von Nancy Pelosi in Taiwan. Die Reise der US-Spitzenpolitikerin nach Taipeh kommt in Peking nicht gut an. Die Volksrepublik China erhebt auf Taiwan seit Jahren Besitzansprüche und hat als Reaktion mit militärischen Übungen eine Drohkulisse aufgebaut. Der Streit mache die Börsianer nervös, hiess es am Markt. Denn im Gegensatz zum Truppenaufmarsch Russlands an der ukrainischen Grenze, könne die Finanzgemeinde die Pläne Pekings kaum prognostizieren. Derweil hat sich in der Schweiz die Konsumentenstimmung zuletzt klar eingetrübt, während der Einkaufsmanagerindex (PMI) besser als erwartet ausfiel. Am Montag hatten PMI-Daten aus dem Ausland enttäuscht.

Der SMI (SMI 11'128.24 -0.24%) schloss den Handel am Dienstag 0,25% tiefer bei 11’118,10 Punkte. Damit grenzte der Leitindex die Verluste aus dem frühen Geschäft ein, als er bis auf ein Tagestief von 11’019 Stellen zurückgefallen war. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verlor 0,70% auf 1720,96 Punkte und der breite SPI (SXGE 14'441.67 -0.39%) 0,27% auf 14’406,91 Zähler. Im SLI standen sich zu Handelsschluss 21 Verlierer und 9 Gewinner gegenüber.

Einbussen verzeichneten am Dienstag vor allem Finanzwerte wie auch zyklische Papiere. Weit hinten in der Tabelle der Blue Chips standen am Ende die Aktien der Credit Suisse (CSGN 5.48 +1.78%). Grund dafür waren negative Kommentare der Ratingagenturen Moody’s und Standard&Poor’s (S&P). Moody’s hatte die vorrangigen unbesicherten Verbindlichkeiten und Einlagen der CS-Gruppe auf ‘Baa2’ von ‘Baa1’ herabgestuft und den Ausblick mit ‘negativ’ bestätigt. S&P senkte den Ausblick für das «BBB»-Rating auf «negativ».

Die Anteile der Rivalin UBS (UBSG 16.09 +1.20%) büssten im Gegensatz zur CS «nur» 1,1% ein und jene des Vermögensverwalters Julius Bär (BAER 51.64 +0.19%) rückten sogar leicht vor. Zu grösseren Gewinnmitnahmen ist es derweil bei Papieren wie Partners Group (PGHN 1'033.00 -0.29%), Kühne + Nagel (KNIN 241.60 -2.89%), Schindler (SCHP 180.00 -2.20%), VAT Group (VACN 265.80 -2.64%), Swatch Group (UHR 248.90 -1.97%) und Richemont (CFR 114.60 -0.87%) oder Adecco (ADEN 33.87 +0.86%) gekommen. Sie hatten in der vergangenen Woche kräftig zugelegt. Adecco und VAT werden derweil am Donnerstag ihre Zwischenberichte vorlegen.

Auch die Swisscom (SCMN 504.60 -1.10%) wartet am Donnerstag mit der Vorlage der Halbjahreszahlen auf, die Aktie zog am Dienstag im Vorfeld dazu um 0,7% an. Guten Halt gaben dem Gesamtmarkt darüber hinaus die ebenfalls defensiv ausgerichteten Schwergewichte Nestlé, Roche GS (ROG 315.00 +1.56%) und Novartis. Roche wartete dabei mit positiven News zum Immuntherapeutikum Tecentriq bei der Behandlung von Lungenkrebs-Patienten auf. Fester beendeten zudem Logitech (LOGN 55.28 -0.22%) und Givaudan (GIVN 3'368.00 +0.27%) den Handel.

Am breiten Markt büssten Meyer Burger (MBTN 0.5720 -1.80%) 7,8% ein. Das Solartechnikunternehmen muss wegen Engpässen in den Lieferketten die eigenen Pläne, wie viele Solarmodule in seinen im Aufbau befindlichen Anlagen hergestellt werden, zurechtstutzen. Auch den Lagerlogistik-Spezialist Interroll plagten im ersten Halbjahr die Engpässe am Halbleitermarkt, was sich in den Ergebnissen zeigte. Titel wie Obseva oder Lalique (LLQ 35.20 +2.27%) gaben ebenfalls stark nach.

Die Aktien der Versandapotheke Zur Rose (ROSE 60.85 -1.78%) kletterte dagegen vor allem ab der zweiten Handelshälfte in die Höhe und beendeten den Dienstag mit 8,5% im Plus. Wie die FuW berichtet, ist Zur Rose zu einem Übernahmekandidaten geworden.  Zu den grössten Gewinnern zählten auch Adval Tech (ADVN 156.00 +10.64%) oder Skan (SKAN 57.80 -0.52%).

US-Börsen schwach

Die US-Börsen haben am Dienstag ihre leichten Vortagesverluste ausgeweitet. Die Anleger weltweit sind nervös, denn aus China kamen Drohungen angesichts des an diesem Tag erwarteten Besuchs der US-Aussenministerin Nancy Pelosi in Taiwan. Es wäre der ranghöchste Besuch eines US-Politikers seit einem Vierteljahrhundert. Das schmeckt der kommunistischen chinesischen Regierung gar nicht, denn sie sieht das demokratische Taiwan als Teil der Volksrepublik China. Peking drohte daher auch mit möglichen militärischen Massnahmen.

Der Dow Jones Industrial gab im frühen Handel um 0,93% auf 32’492,23 Zähler nach. Im Juli, einem normalerweise eher schwachen Börsenmonat, hatte sich der bekannteste Wall-Street-Index dagegen um fast 7% erholt. Der marktbreite S&P 500 verlor am Dienstag 0,78% auf 4086,50 Zähler. Der Nasdaq 100 (NDX 13'291.99 -0.65%) sank um 0,97% auf 12’814,83 Zähler. Der überwiegend mit Technologieaktien bestückte Auswahlindex war im Juli sogar um fast 13% gestiegen, nachdem er allerdings Mitte Juni noch auf den tiefsten Stand seit Herbst 2020 gesackt war..

«Ein Cocktail der Unsicherheit überschattet die zuletzt gute Stimmung an den globalen Aktienmärkten», kommentierte Marktexperte Timo Emden und verwies neben den geopolitische Risiken auf die Konjunktur-, Inflations- und Rezessionsängste. Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets (T8Q 3.08 +2.67%) warnte zudem, den Konflikt nicht zu verharmlosen. «Ein Angriff Russlands auf die Ukraine wurde auch mehrheitlich als nicht wahrscheinlich angesehen.» Und dass Russland im Taiwan-Konflikt den Schulterschluss mit China sucht, dürfte die Lage noch verschärfen.

Euro gibt nach

Der Euro hat am Dienstag nachgegeben. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0200 $. Im frühen Handel hatte sie noch rund einen Cent mehr gekostet.

Auch zum Schweizer Franken geriet der Euro unter Druck und notiert derzeit noch mit 0,9731 Fr. nach Kursen von um die 0,9750 Fr. tags zuvor. Der Dollar hält sich derweil gut über der 0,95er-Marke und geht aktuell zu 0,9543 Fr. um.

Belastet wurde der Euro durch die trübere Stimmung an den Finanzmärkten. Auslöser waren zunehmende Spannungen zwischen den USA und China. Die Investoren blicken nach der demokratischen Inselrepublik Taiwan, wo die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, im Rahmen ihrer Asienreise Station machte. Angesichts der Drohungen aus China vor dem Besuch der Spitzenpolitikerin in Taipeh hat Taiwans Militär seine Kampfbereitschaft erhöht.

Der Euro dürfte sich nach Einschätzung von Commerzbank-Expertin Antje Praefcke zunächst in einer Spanne von 1,00 bis 1,04 $ bewegen. Angesichts der jüngsten wirtschaftlichen Abschwächung in den USA dürften die besten Zeiten für den Dollar zwar vorbei sein. Allerdings sehe es auf der Euro-Seite kaum erfreulicher aus. «Das Risiko einer Rezession infolge der Energieengpässe scheint täglich zu steigen», schreibt Praefcke. Die Entwicklung der Gasversorgung in Europa sei daher entscheidend für die weitere Kursentwicklung.

Unter besonderem Druck stand der australische Dollar, der zusätzlich durch die Geldpolitik der Notenbank des Landes belastet wurden. Zwar hatten die Währungshüter ihren Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr und zudem deutlich angehoben. Sie stellten aber auch klar, dass der weitere Kurs nicht vorgezeichnet sei. An den Märkten wurde das als leichte Abkehr von einem konsequenten Kampf gegen die hohe Inflation aufgefasst, wodurch die Landeswährung belastet wurde.

Ölpreise geben erneut nach

Die Ölpreise haben am Dienstag erneut nachgegeben. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 99,22 $. Das waren 81 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 94.04 +2.66%)) zur September-Lieferung fiel um 65 Cent auf 93,26 $. Bereits am Vortag waren die Ölpreise deutlich unter Druck geraten.

Die Stimmung an den Finanzmärkten bleibt angespannt. Die Investoren blicken nach Taiwan, wo die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, im Rahmen ihrer Asienreise Station machen könnte. Pelosi wurde nach Angaben aus dem Parlament in Taipeh am Abend (Ortszeit) in der demokratischen Inselrepublik erwartet. China hat den USA in diesem Fall mit Konsequenzen gedroht.

Riskantere Anlagen, zu denen Rohstoffe wie Erdöl zählen, reagierten überwiegend mit Verlusten. Zunehmend in den Blick rückt auch das Treffen des Rohölverbunds Opec+ am Mittwoch. Die Ölfördernationen, unter ihnen Saudi-Arabien und Russland, wollen über ihre Produktion ab September entscheiden. Mit Spannung wird erwartet, wie der Verbund auf Forderungen der USA reagieren wird, die Produktion angesichts hoher Preise auszuweiten. US-Präsident Joe Biden hatte das Anliegen während eines Besuchs in Saudi-Arabien vorgebracht.

«Die OPEC+ produzierte bis zuletzt deutlich weniger als vorgesehen, sodass eine weitere graduelle Anhebung der Produktionsziele sinnvoll erscheint, um diese Lücke zu verringern», schreibt Rohölexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank (CBK 7.14 +3.36%). Der jüngste Preisrückgang könne die OPEC+ allerdings vorsichtiger machen, da dieser auf neuerliche Nachfragesorgen im Zuge enttäuschender Konjunkturdaten aus China zurückzuführen sei. «Auch die Nachricht, dass die Ölproduktion in Libyen erstmals seit fast vier Monaten wieder ihr Normalniveau erreicht hat, könnte gegen eine nochmalige Produktionsausweitung sprechen.»

 

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