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SMI schliesst vor Fed knapp über 12’000 Punkten

Am Schweizer Aktienmarkt haben sich die Anleger vor dem mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der US-Notenbank Fed vom Mittwoch zurückgehalten.

(AWP/Reuters)  Der Markt war am Morgen noch mit einer klaren Erholungsbewegung in den Handel gestartet, die aber bereits gegen Mittag wieder klar an Schwung verlor. Der Leitindex SMI (SMI 10'904.60 +1.25%) konnte den Tag dennoch knapp über der Marke von 12’000 Punkten beenden.

Die Investoren wollten sich vor dem Fed-Entscheid nicht voreilig positionieren, meinte ein Marktbeobachter. Erwartet wird eine Anhebung des Leitzinses durch die US-Notenbank gleich um 50 Basispunkte. Möglich sei aber auch eine Anhebung gleich um 75 Basispunkte, hiess es im Handel. Eine zentrale Frage bleibe, ob die Notenbanken der USA aber auch von Europa die derzeitigen sehr hohen Inflationsraten weiterhin nur als temporär ansähen. Noch ganz unklar sei zudem, wie die Wirtschaft auf das Ende der «unbeschränkten Liquidität» reagieren werde.

Der SMI schloss 0,25% im Plus auf 12’001,88 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gewann 0,41% auf 1856,33 Punkte und der breite SPI (SXGE 14'024.94 +1.05%) legte 0,13% auf 15’426,42 Zähler zu. Von den 30 Blue Chips schlossen 21 im Plus und neun im Minus.

Die stärksten Gewinne im SLI gab es für die Aktien des Bankensoftwarespezialisten Temenos (TEMN 79.30 -2.68%), die ihren Aufwärtstrend aufgrund der jüngsten Übernahmespekulationen fortsetzen. Als mögliche Käufer werden am Markt die Beteiligungsgesellschaften Thoma Bravo sowie EQT genannt, die im vergangenen Herbst bereits einmal als Interessenten gehandelt worden waren.

Deutliche Gewinne gab es auch für die Finanzwerte, allen voran für Bankentitel wie die seit Monaten gebeutelten CS , für UBS (UBSG 15.54 +1.60%) sowie für Julius Bär (BAER 44.33 +1.56%). Etwas moderater legten Versicherungspapiere wie Swiss Life (SLHN 468.10 +0.91%), Swiss Re (SREN 74.84 +1.22%) oder Zurich zu. Am Markt wurde auf den jüngsten Anstieg der Anleiherenditen verwiesen, der die Erträge der Finanzunternehmen stützen dürfte. So warf die zehnjährige US-Staatsanleihe am Vortag erstmals seit 2018 wieder drei% ab.

Bei den defensiven Index-Schwergewichten gewannen Novartis (NOVN 81.99 +2.07%) leicht, während Roche und Nestlé (NESN 113.54 +0.69%) den Markt etwas nach unten zogen. Die ebenfalls defensiven Swisscom-Titel schlossen im Plus – der Telekomkonzern stellte am Dienstag seine neuen Abo-Modelle vor.

Leicht im Plus schlossen die Aktien des Chipherstellers AMS Osram (AMS 7.82 -6.37%). Das österreichische Unternehmen legte am Dienstag ein insgesamt solides erstes Quartal vor. Klare Abgaben gab es dagegen für die Logitech-Titel nach der Präsentation der Ergebnisse 2021/22. Zwar konnte der PC-Zubehörhersteller die Markterwartungen übertreffen, er kappte aber die Prognosen für das laufende Jahr wegen des Ukraine-Kriegs.

Deutliche Abgaben gab es zudem für die Titel des Duftstoffkonzerns Givaudan (GIVN 3'426.00 +1.12%). Beobachter verwiesen auf eine Umsatzwarnung des US-Kosmetikherstellers Estée Lauder (EL 256.52 +0.73%) – dies könnte auf eine Nachfrageverlangsamung im lukrativen Geschäft mit Feinduftstoffen hindeuten, hiess es. Mit klaren Abgaben gingen auch die am Vortag noch starken Titel des Logistikers Kühne+Nagel aus dem Handel.

Am breiten Markt schlossen die Aktien des Industriekonzerns Oerlikon nach Vorlage von Quartalszahlen freundlich. Mit dem Ergebnis konnte das Unternehmen die Erwartungen von Analysten zum Teil deutlich übertreffen. Uneinig zeigten sich die Beobachter beim Ausblick: Während einige Beobachter die Ziele für anspruchsvoll hielten, bezeichneten ihn andere als konservativ.

Fester schlossen auch die Titel des Immobilienkonzerns PSP (PSPN 107.20 +0.56%) nach einem guten Auftaktquartal. Gut aufgenommen wurden zudem die neuen Jahresziele des Solarstromspezialist Edisun (ESUN 115.50 -2.12%) Power.

Weniger gut aufgenommen wurde das Jahresergebnis 2020/21 des Maschinenbauers Klingelnberg (KLIN 15.00 +0.00%). Das von Hochwasserschäden in Deutschland betroffene Unternehmen wies allerdings vor allem dank staatlicher Fluthilfe ein besseres Ergebnis aus als befürchtet.

US-Anleger bleiben vor Fed-Entscheid vorsichtig

Die US-Börsen sind am Tag vor der Zinsentscheidung der Notenbank Fed nur schwer in Gang gekommen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte trat am Dienstag im frühen Handel bei 33’055 Punkten auf der Stelle. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,4% auf 4170 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stand ein halbes Prozent höher bei 12’597 Punkten.

Neben durchwachsenen Firmenbilanzen warf vor allem die Notenbanksitzung ihre Schatten voraus. Es gilt an den Börsen als ausgemacht, dass die Fed den Leitzins am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt anheben wird. «Der Blick nach vorne dürfte wichtiger sein als das, was sie tun werden», sagte Anlageexperte Randy Hare von der Huntington National Bank. «Die Fed befindet sich in einer Position, in der sie in Sachen Inflation hinterherhinkt. Wenn sich die Dinge also nicht verlangsamen, müssen sie aggressiver vorgehen.»

Aktien von Estee Lauder fielen um rund 7%. Der US-Kosmetikkonzern wird vom Ukraine-Krieg und den COVID-19-Beschränkungen in China belastet und kassiert seine Jahresziele. Der Hersteller von MAC-Lippenstiften und Bobbi-Brown-Grundierungen rechnet 2022 noch mit einem Umsatzplus von sieben bis 9% statt mit 13 bis 16%.

Ebenfalls rund 7% abwärts ging es bei Titeln von Paramount Global. Der Medienkonzern verfehlte die Umsatzerwartungen, vor allem wegen wegbrechender Werbeeinnahmen im TV-Geschäft.

Euro legt etwas zu

Der Euro hat am Dienstag etwas zugelegt. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0541 US-Dollar. Am Morgen hatte sie noch um 1,05 Dollar gependelt. Das in der Vorwoche markierte Fünfjahrestief liegt aber weiter in Reichweite.

Auch zum Franken hat die Gemeinschaftswährung am Nachmittag etwas angezogen. Das Währungspaar notiert aktuell knapp über der 1,03-Markte nach noch 1,0258 im Mittagshandel. Auch der Dollar zog zur Schweizer Währung etwas an und steht unterdessen bei 0,9777 Fr. nach 0,9766 am Mittag.

Die Märkte warten auf die US-Notenbank, die am Mittwochabend ihre geldpolitischen Entscheidungen veröffentlichen wird. Angesichts der hohen Inflation dürfte sie ihren Leitzins um 0,50 Prozentpunkte anheben. Der Dollar hatte zuletzt von der Straffungspolitik der US-Notenbank profitiert, da die EZB bisher nur zögerlich vorgeht. Besser als erwartet ausgefallene Daten zu den US-Industrieaufträgen bewegten den Markt kaum.

Aber auch auf die EZB wächst der Druck, die Zinsen zu erhöhen. Schliesslich hält auch in der Eurozone der hohe Preisdruck an, wie Daten vom Dienstag zeigten: So sind die Erzeugerpreise im März erneut mit einem Rekordtempo gestiegen. Die Entwicklung der Erzeugerpreise schlägt in der Regel zumindest teilweise und mit Verzögerung auf die Verbraucherpreise durch, an denen die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik ausrichtet.

Gewinne verzeichnete am Morgen der australische Dollar. Auslöser war eine Zinsanhebung der Notenbank Australiens, die deutlicher ausfiel als von Marktteilnehmern erwartet. Die Zentralbank begründete ihre erste Zinsanhebung in der Corona-Pandemie mit der hohen Inflation und stellte weitere Zinsstraffungen in Aussicht.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84130 (0,83810) britische Pfund und 137,06 (136,63) japanische Yen fest.

Ölpreise geben deutlich nach

Die Ölpreise sind am Dienstag deutlich gefallen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 105,95 $. Das waren 1,68 $ weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) fiel um 1,85 $ auf 103,34 $.

Bei dem geplanten Öl-Embargo der Europäischen Union gegen Russland zeichnet sich kein gemeinsames Vorgehen aller EU-Staaten ab. Nach Ungarn machte auch die Slowakei am Dienstag klar, dass das Land nicht bereit sei für einen raschen Lieferstopp und vorerst nicht auf russisches Öl verzichten könne. Es ist möglich, dass beide Länder eine Ausnahmeregelung mit einer längeren Übergangsfrist bekommen. Zuletzt wurde erwartet, dass die EU-Kommission noch am Dienstag, spätestens aber am Mittwoch ihren Vorschlag für ein neues Paket mit Russland-Sanktionen präsentiert.

Seit einigen Tagen schwanken die Rohölpreise teils deutlich und tun sich schwer, eine klare Richtung einzuschlagen. Marktbeobachter verweisen als Begründung auf gegenläufige Kräfte, die die Preise in Schach hielten. So herrscht auf der Angebotsseite Knappheit vor, da Russland seit seinem Angriff auf die Ukraine scharfen Sanktionen unterliegt und deshalb Probleme hat, Abnehmer für sein Erdöl zu finden. Das spricht für hohe und eher steigende Ölpreise.

Auf der Nachfrageseite bestehen jedoch Sorgen, dass die rigorose Corona-Politik Chinas die dortige Rohöl- und Benzinnachfrage abwürgen könnte. Dies stellt eine herbe Belastung für den Ölmarkt dar. China ist als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt auch eines der grössten Ölverbrauchsländer. Die Volksrepublik verfolgt eine scharfe Corona-Bekämpfung mit strikten Ausgangssperren. Auch Wirtschaftsmetropolen mit vielen Mio. Einwohnern sind betroffen.