Märkte / Aktien

SMI schliesst etwas tiefer

Der Schweizer Leitindex büsst auch wegen Novartis' Dividendenabschlag ein. Nestlé und Roche stützen. VAT Group stehen unter Druck. Der Euro notiert über 1.11 Fr.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt neigte am Donnerstag zur Schwäche. Dabei schlug sich der SMI (SMI 11'262.97 +0.57%) besser als der breite Markt. Belastet wurde der Leitindex SMI massgeblich vom Dividendenabgang beim Marktschwergewicht Novartis (NOVN 80.87 +0.42%). Negativ auf die Stimmung hatten sich auch die steigenden Anleiherenditen ausgewirkt. Höhere Renditen signalisieren Inflationsängste und bedeuten Gegenwind für den Aktienmarkt. Der Markt befürchte, dass die Zentralbanken bei steigender Inflation den Geldhahn früher als erwartet zudrehen werden, hatte ein Händler gesagt. Zum Nachmittag hin erholten sich die Kurse im hiesigen Leitindex allerdings.

Die New Yorker Börsen zeigten sich nach einem freundlichen Start unentschlossen. Die wichtigen Wallstreet-Indizes schwankten zwischen Gewinn- und Verlustzone. So lag der S&P 500 (S&P 500 4'176.30 +0.33%) bei Börsenschluss in Europa 0,1% im Plus. Der Dow Jones (Dow Jones 34'200.67 +0.48%) gewann 0,3%. Nach den deutlichen Verlusten vieler Technologiewerte tendierte der Nasdaq Composite 0,1% abwärts.

Gefallen fanden die Börsianer etwa daran, dass die Produktivität der US-Wirtschaft im vierten Quartal 2020 weniger als erwartet gesunken ist. Das Verhältnis von Produktion und Arbeitszeit fiel auf das Jahr hochgerechnet um 4,2%. Dafür haben in der vergangenen Woche wieder etwas mehr Amerikaner einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Nun warten die Anleger gespannt auf eine in wenigen Stunden anstehende Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell. Diese sei seine letzte Chance, sich zur Entwicklung an den Anleihemärkte zu äussern, bevor eine zweiwöchige Stillhalteperiode vor dem nächsten Treffen des Offenmarktausschusses beginne, sagten Analysten.

Novartis belasten nur optisch

Ein Grossteil des Abschlags im Leitindex war dem Dividendenabgang bei den im SMI schwer gewichteten Novartis geschuldet. Die Aktie wurde heute mit einem Dividendenabschlag von 3 Fr. gehandelt.

Mit Nestlé (NESN 108.70 +0.76%) und Roche (ROG 309.20 -0.1%) sorgten zwei andere Schwergewichte dank Avancen für Unterstützung. Mit Swisscom (SCMN 479.30 +0.8%) reihte sich ein weiterer defensiver Wert bei den Gewinnern ein.

In unterschiedliche Richtungen entwickelten sich Finanztitel. Während Zurich Insurance (ZURN 381.60 +0.93%) stiegen, verzeichneten viele andere Einbussen, darunter Swiss Life (SLHN 473.30 +0.51%). HSBC (HSBA 427.60 +1.21%) hat das Rating für den Lebensversicherer von «Buy» auf «Hold» gesenkt. Schwächer präsentierten sich auch die Valoren des Vermögensverwalters Partners Group (PGHN 1'321.00 +1.5%). Bankaktien wie UBS (UBSG 14.82 +1.93%) und Credit Suisse (CSGN 9.90 +1%) gaben nach.

Am Tabellenende rangierten die Aktien des Life-Science-Konzerns Lonza (LONN 558.40 -0.68%) sowie des Luxusgüterherstellers Richemont (CFR 96.20 -0.48%).

Anschlusskäufe in K+N

Zu grösseren Kursbewegungen kam es in der zweiten Reihe, wo einige Unternehmen ihre Ergebnisse veröffentlicht hatten.

VAT Group (VACN 274.80 +2.46%) drehten ins Minus, es kam zu starken Gewinnmitnahmen. Der Vakuumventilhersteller hatte einen Gewinnsprung verbucht.

Im SMIM (SMIM 3'209.16 +0.92%) fielen die Aktien des Logistikers Kühne + Nagel (KNIN 283.70 +0.64%) mit weiteren Gewinnen auf, nachdem sie gestern im Anschluss an die Zahlenpräsentation rund 7% zugelegt hatten.

Für Vifor Pharma (VIFN 133.60 +0.83%) ging es weiter abwärts. Die Titel waren bereits gestern unter Druck geraten.

Zudem standen Technologiewerte wie AMS (AMS 18.72 -0.64%), Logitech (LOGN 103.90 +1.91%) sowie die am breiten Markt gehandelten Chiphersteller U-Blox (UBXN 66.00 +0.46%) und Sensirion (SENS 63.60 -1.4%) unter Druck. Händler verwiesen dabei auf die Kursverluste an der US-Technologiebörse Nasdaq am Vortag. Unter steigenden Renditen leiden laut Händlern technologielastige Titel eben besonders stark.

Meier Tobler (WMN 15.90 +1.92%) legten nach Jahresergebnissen markant zu, im zweiten Semester hatte sich der Geschäftsgang klar verbessert.

Der Belaghersteller Forbo (FORN 1'816.00 +0.11%) hatte weniger Gewinn gemacht, aber dennoch die Erwartungen der Analysten erfüllt. Zudem erwartet er 2021 ein etwas höheres Konzernergebnis.

Inficon (IFCN 1'054.00 +1.15%) büssten deutlich ein. Das Technologieunternehmen hatte im letzten Jahr unter dem Strich etwas weniger verdient. Die Dividende soll daher auch geringer ausfallen.

Die Aktien des Vermögensverwalters GAM (GAM 2.45 -0.16%) sackten ab. Unsicherheiten rund um die Greensill-Fonds dürften belasten.

Asiens Börsen mit Verlusten 

Die Sorge um steigende Anleihenrenditen zog am Donnerstag die asiatischen Börsen nach unten. In Tokio notierte der Nikkei 225 2,1% schwächer, der breiter gefasste Topix verlor 1%. Auch an den chinesischen Börsen dominierten die Abgaben: Der Shanghai Composite büsste 2,2%, der Shenzhen Composite 3,3% an Terrain ein. Der Hang Seng sank in Hongkong um 2,3%. Der südkoreanische Kospi notierte 1,3% schwächer, während der S&P/ASX 200 in Sydney 0,8% verlor.

Euro über 1.11 Fr.

Der Franken tendierte gegenüber Euro und Dollar weiter zur Schwäche. Der Euro erreichte zur Schweizer Währung die 1.11er Marke und zum Dollar die 0.92er Marke. Bei Börsenschluss in Europa ging die Gemeinschaftswährung zu 1.1145 Fr. um, womit sie sich auf einem Niveau bewegte, das sie seit Sommer 2019 nicht mehr gesehen hatte. Das Paar Dollar-Franken notierte bei 0.9250 Fr. und damit so hoch wie letztmals im September 2020. Der Euro tendierte derweil zum Dollar seitwärts und kostete 1.2044 $.

Ölpreis zieht an

Der Ölpreis zog am Donnerstag vor einem wichtigen Treffen des Ölverbunds Opec+ stark an. Er erreichte den höchsten Stand seit Januar 2020. Bei den Opec+-Beratungen steht einem Insider zufolge eine Verlängerung der freiwilligen Förderdrosselungen Saudi-Arabiens im Raum. Dabei gehe es darum, die Kürzungen von einer Millionen Barrel pro Tag bis in den April hinein zu verlängern. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 66.70 -0.18%) 67 $.

Gold (Gold 1'776.53 +0.73%) präsentierte sich etwas fester bei 1718 $ pro Feinunze.

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