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SMI schliesst klar im Minus

Vor dem US-Zinsentscheid bewegte sich der Schweizer Aktienmarkt zur Wochenmitte etwas unsicher und schloss den Tag im Minus ab.

(AWP/Reuters) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch im Vorfeld der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed klar im Minus geschlossen. Nach einem Kursrutsch kurz nach der Eröffnung bewegte sich der Leitindex SMI (SMI 10'840.60 +1.29%) den ganzen Handelstag über in der Nähe der Marke von 11’900 Punkten, die er zum Handelsschluss allerdings ebenfalls noch klar unterschritt. Vor dem Fed-Entscheid wollten sich die Anleger bedeckt halten, hiess es am Markt.

Allgemein wurde erwartet, dass das Fed den Leitzins am Mittwochabend wegen der hohen Inflation in einem grossen Schritt um 0,5 Prozentpunkte anheben werde. Diese Zinserhöhung sei wohl bereits eingepreist, meinte ein Beobachter. Wichtiger seien wohl die Äusserungen von Fed-Chef Jerome Powell zur Inflationsentwicklung und zur US-Konjunktur. Sollte die US-Notenbank zudem wider Erwarten gar mit einer Zinserhöhung um 75 Basispunkte überraschen, dürfte dies die Aktienkurse in den Keller schicken, mahnte ein weiterer Marktteilnehmer.

Der SMI schloss 1,01% im Minus auf dem Tagestief von 11’880,24 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verlor 0,86% auf 1840,42 Punkte und der breite SPI (SXGE 13'982.10 +1.34%) verlor 0,99% auf 15’274,916 Zähler. Von den 30 Blue Chips schlossen 21 im Minus, acht im Plus und einer (SGS (SGSN 2'200.00 +0.87%)) unverändert.

Die deutlichsten Abgaben im SLI erlitten die Titel des Sensorenherstellers AMS Osram (AMS 7.34 +0.14%), die bereits am Vortag nach Quartalszahlen geschwächelt hatten. Mehrere Analysten korrigierten am Mittwoch nun ihre Gewinnschätzungen und ihre Kursziele nach unten, wobei sie auf den unerwartet negativen Ausblick durch das Unternehmen verwiesen.

Klar schwächer schlossen auch die Logitech-Aktien, die ebenfalls bereits am Dienstag nach der Zahlenvorlage durch den PC-Zubehörhersteller klar nachgegeben hatte. Auch hier kam es zu Kurssenkungen durch Analysehäuser unter Verweis auf die verschlechterte Prognose angesichts des Ukraine-Kriegs und der Lieferketten-Probleme.

Abwärts ging es nun zudem mit den Aktien des Bankensoftwarespezialisten Temenos (TEMN 81.84 +3.91%), die in den vergangenen Tagen wegen Übernahmespekulationen noch deutlich gestiegen waren.

Tief im Minus schlossen ausserdem Richemont (CFR 98.30 +1.47%) und Swatch. Die Aktien der Luxusgüterhersteller wurden laut Händlern von Konjunktursorgen und der rigorosen Coronapolitik Chinas belastet.

Die am Mittwoch vorgelegten Quartalsergebnisse des Sanitärkonzerns Geberit (GEBN 477.10 +2.51%) wurden negativ aufgenommen. Zwar hätten die Verkaufszahlen überzeugt, hiess es. Händler verwiesen aber auch hier auf die Margenverschlechterung und die zurückhaltenden Aussichten. Diese zeigten, dass auch ein Konzern wie Geberit vor steigenden Preisen nicht gefeit sei.

Belastet wurde der Gesamtmarkt aber vor allem von den schwachen Index-Schwergewichten: Die Titel des Pharmakonzerns Roche und des Lebensmittelriesen Nestlé (NESN 114.96 +1.88%) gingen klar im Minus aus dem Handel. Etwas besser hielten sich die Aktien des Roche-Konkurrenten Novartis (NOVN 81.22 +0.38%), der mit einer EU-Indikationserweiterung für die Krebstherapie Kymriah sowie mit günstigen Studiendaten für das Brustkrebsmittel Kisqali positive Nachrichten vermelden konnte.

Mit Gewinnen schlossen dagegen die Grossbankenwerte CS und UBS (UBSG 14.99 +0.27%), die Unterstützung durch die steigenden US-Renditen erhielten. Knapp im Minus schlossen die Titel des Rückversicherers Swiss Re (SREN 71.42 -0.25%) vor den vor dem am Donnerstag anstehenden Quartalsbericht. Der Konkurrent Hannover Re hatte am Mittwoch solide Zahlen vorgelegt.

Fester schlossen vor der Zahlenvorlage vom Donnerstag die Titel des Personalvermittlers Adecco (ADEN 32.29 +2.48%). Kursgewinne gab es zudem für die ebenfalls als typische Zykliker geltenden Titel des Logistikers Kühne+Nagel und des Zementkonzerns Holcim (HOLN 39.42 -0.03%).

Am breiten Markt legten Aluflexpack (AFP 16.00 -4.31%) klar zu. Der Aluminiumverpackungs-Spezialist aus dem Aargau vermeldet eine deutlich Umsatzzunahme im ersten Quartal und bekräftigte seinen Ausblick für das Gesamtjahr. Die Titel des angeschlagenen Solartechnikkonzerns Meyer Burger (MBTN 0.3978 -2.26%) reagierten positiv auf die Ernennung eines neuen Finanzchefs.

Euro steigt vor US-Zinsentscheidung

Der Euro hat am Mittwoch vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed etwas zugelegt. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0538 $. Sie notiert damit etwas höher als am Morgen.

Auch zum Franken konnte der Euro im Tagesverlauf Boden gut machen. Derzeit wird der Euro mit 1,0357 nach 1,0295 Franken am Morgen gehandelt. Der US-Dollar geht mit 0,9828 Franken nach 0,9793 am Morgen um.

Eher enttäuschend ausgefallene US-Konjunkturdaten lasteten am Nachmittag etwas auf dem Dollar. So hat sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im April überraschend eingetrübt. Zudem schwächte sich der Beschäftigungsaufbau in der Privatwirtschaft im April stärker als erwartet ab.

Konjunkturdaten bewegten den Euro am Vormittag kaum. S&P Global bestätigte im Wesentlichen die Resultate seiner monatlichen Umfrage unter Einkaufsmanagern. Die Unternehmensstimmung hellte sich im April trotz des Ukraine-Kriegs leicht auf. Der Dienstleistungssektor profitierte von der entspannteren Corona-Lage, die Industrie wurde durch anhaltende Lieferengpässe im Welthandel belastet.

Am Abend richten sich die Blicke auf die Geldpolitik der US-Notenbank. Es wird erwartet, dass die Fed ihre im März begonnene Zinswende mit einer grossen Anhebung um 0,5 Prozentpunkte fortsetzt. Es wäre die deutlichste Straffung seit mehr als zwei Jahrzehnten. Im Jahresverlauf dürften angesichts der hohen Inflation eine Reihe von Zinsschritten folgen. Neben der Zinsentscheidung wird ein Plan zur Abschmelzung der auf fast neun Billionen Dollar angeschwollenen Fed-Bilanz erwartet.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84194 (0,84130) britische Pfund und 136,84 (137,06) japanische Yen fest. Die Feinunze Gold kostete am Nachmittag in London 1863 $. Das waren 4 $ weniger als am Vortag.

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise sind am Mittwoch deutlich gestiegen. Am Markt wurde die Entwicklung mit dem sich abzeichnenden EU-Embargo auf russische Öllieferungen begründet. Gegen Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 108,87 $. Das waren 3,90 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 117.46 +2.28%)) stieg um 3,87 $ auf 106,28 $.

Auftrieb erhielten die Ölpreise durch die Aussicht auf ein EU-Embargo für russisches Rohöl. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission sind jedoch generelle Übergangsfristen und Ausnahmen für zwei Länder vorgesehen. Darüber hinaus müssen dem Plan alle EU-Länder zustimmen, was ungewiss ist. Die mittelfristige Preisreaktion an den Erdölmärkten dürfte laut Experten vor allem davon abhängen, ob Russland sein Erdöl anderweitig absetzen kann und ob weltweit ausreichende Kapazitäten vorhanden sind, um ausfallendes russisches Öl zu ersetzen.

Commerzbank-Experte Carsten Fritsch verweist in einem Kommentar auf Daten der Internationalen Energieagentur IEA, wonach die EU-Länder Ende 2021 pro Tag 3,5 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte aus Russland eingeführt haben. Diese Menge müsse jetzt anderweitig am Markt gefunden werden, was das Angebot verknappen dürfte. Das spreche für höhere Preise. Russland wiederum müsse sich nach anderen Abnehmern umschauen.

Im Tagesverlauf dürfte am Ölmarkt zunehmend die Geldpolitik der US-Notenbank Fed in den Blick rücken. Es wird erwartet, dass die Fed am Abend ihre im März begonnene Zinswende mit einer grossen Anhebung um 0,5 Prozentpunkte fortsetzt. Es wäre die deutlichste Zinsstraffung seit mehr als zwei Jahrzehnten. Hintergrund der raschen geldpolitischen Straffung in der grössten Volkswirtschaft der Welt ist die ausgeprägte Inflation, die gegenwärtig auf dem höchsten Stand seit gut 40 Jahren liegt. Ein Grund dafür sind hohe Energiepreise.

Tech-Werte leiden unter erwarteter Zinserhöhung

Die US-Börsen haben am Mittwoch wenige Stunden vor der wohl nächsten Leitzinserhöhung durch die heimische Notenbank geschwächelt. Besonders Technologiewerte litten unter der allgemeinen Erwartung, dass in Anbetracht der hohen Inflation die Zinswende mit einer grossen Anhebung um einen halben Prozentpunkt weitergehen wird. Es wäre die deutlichste Straffung der US-Notenbank Fed seit mehr als zwei Jahrzehnten. Schwache aktuelle Konjunkturdaten schürten zudem Sorgen, dass die Geldpolitik das Wirtschaftswachstum noch zusätzlich beeinträchtigen wird.

Zuletzt sank der Dow Jones Industrial um 0,07% auf 33 106,17 Punkte. Seit Wochenbeginn hatte der Leitindex moderat zugelegt, nachdem er am Montag zeitweise noch auf den tiefsten Stand seit Beginn des Ukraine-Kriegs am 24. Februar abgerutscht war.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Mittwoch um 0,50% auf 4154,77 Punkte nach unten, während der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 11'779.90 +1.68%) 1,47% auf 12 896,90 Zähler verlor. Beide Indizes waren zu Wochenbeginn sogar auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2021 gefallen. Technologiefirmen sind angesichts ihrer eher höheren Verschuldung besonders anfällig für steigende Zinsen.

Kritisch dürften die Fed-Aussagen auch über die aktuelle Zinsentscheidung hinaus beäugt werden. Einerseits gehen Börsianer davon aus, dass im Jahresverlauf weitere Zinsschritte folgen werden, mit vielleicht sogar 0,75 Prozentpunkten in einem Zug. Andererseits erwarten sie auch einen Fahrplan zur Abschmelzung der auf fast neun Billionen Dollar angeschwollenen Fed-Bilanz. Angehäuft wurde diese Summe durch üppige Wertpapierkäufe.

Dazu blieben die jüngsten Konjunkturdaten aus der weltgrösste Volkswirtschaft überwiegend hinter den Erwartungen zurück. Laut Daten des privaten Dienstleisters ADP hatte die Privatwirtschaft der USA im April weniger Arbeitsplätze als prognostiziert geschaffen. Das lag aber eher an einem Arbeitskräftemangel, was weiteren Inflationsdruck durch steigende Löhne signalisieren könnte. Die ADP-Daten werden ungeachtet häufiger Abweichungen von vielen Marktteilnehmern immer noch als Indikator für den monatlichen Arbeitsmarktbericht der Regierung gesehen, der in zwei Tagen auf der Agenda steht.

Zudem hatte sich die Stimmung im US-Dienstleistungssektor im April überraschend eingetrübt, wie der Einkaufsmanagerindex des Instituts for Supply Management (ISM) belegte. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg gerechnet. Der Index liegt allerdings immer noch deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Immerhin waren die amerikanischen Lagerbestände an Rohöl sind in der vergangenen Woche überraschend gestiegen – Analysten hatten einen Rückgang befürchtet.

Auf Unternehmensseite standen zur Wochenmitte erneut viele Quartalsberichte auf der Agenda. Der Fahrdienstleister Lyft (LYFT 13.22 -5.57%) schockte seine Aktionäre mit einem trüben Ausblick, wie der Kurssturz der Aktien um rund ein Drittel zeigte. Darunter litten auch die Anteilscheine von Uber (UBER 21.50 -4.53%) mit einem Minus von über zehn Prozent, obwohl der Konkurrent einen besseren Ausblick gegeben hatte.

Aus China ist noch die in New York notierte Aktie Didi Global in der Lyft-Branche beheimatet. Die Papiere rutschten um fünf Prozent ab. Neben den schlechten Nachrichten der US-Konkurrenz wurde als Belastung auf die US-Börsenaufsicht SEC verwiesen, die Ermittlungen aufnehme wegen des 2021 vollzogenen Börsengangs. Wegen der US-Notiz haben bereits chinesische Regulierer das Unternehmen im Fokus.

Für Moderna (MRNA 159.56 +2.58%) -Titel ging es trotz positiver Nachrichten um1,2% nach unten. Dank ihres Corona-Impfstoffs verdient die Biotech-Firma weiter glänzend, Moderna verdiente im ersten Quartal mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. Grosse Erleichterung herrschte aber auch, weil die Absatzprognose für den Corona-Impfstoff unverändert bleibt, auch wenn die Pandemie in westlichen Regionen abklingt. Die Aktien des Mainzer Rivalen Biontech verbilligten sich um über drei Prozent.

Die Titel des Chipkonzerns AMD , der Kaffeehauskette Starbucks und des Unterkunft-Vermittlers Airbnb (ABNB 92.88 -3.19%) zogen nach Zahlen hingegen um 1,3 bis 5,1% an. AMD überzeugte die Anleger mit einem Umsatz- und Gewinnsprung sowie dem Ausblick auf das zweite Jahresviertel. Bei Starbucks wurde auf einen starken Quartalsumsatz und eine Hochstufung durch die Experten von Evercore ISI verwiesen. Auch bei Airbnb sei das erste Quartal überraschend gut gewesen, hiess es.

Vergleichsweise stark zeigten sich auch die Aktien der Ölkonzerne Chevron (CVX 140.78 -1.32%) und Exxonmobil mit Kursaufschlägen von 1,3 beziehungsweise 1,6%. Ihnen halfen die anziehenden Notierungen für den wichtigen Rohstoff. Die Pläne für ein Ölembargo der EU gegen Russland könnten die Preise weiter steigen lassen.

Börsen in Asien geschlossen

Die Börsen in Japan und China bleiben am Mittwoch wegen eines Feiertags geschlossen.

In Hongkong verzeichnet der Hang Seng ein Minus von 1,3%. Der südkoreanische Kospi korrigiert 0,2% nach unten. In Australien handeln der ASX 200 und der ASX 300 jeweils etwa 0,2% tiefer.