Märkte / Aktien

SMI schliesst etwas fester

VAT, Adecco und Swisscom standen am Donnerstag besonders im Fokus der Marktteilnehmer.

(AWP/Reuters) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag bei insgesamt geringen Kursausschlägen keine klare Richtung eingeschlagen und etwas höher geschlossen. Dabei hielten schwächere Marktschwergewichte den SMI (SMI 11'171.54 +0.39%) zurück. Das Geschäft verlief aber auch saisonal bedingt recht ruhig. Dies sei an den eher unterdurchschnittlichen Umsätzen der vergangenen Tage zu sehen, sagte ein Händler. Zusätzlich zur Zurückhaltung beigetragen haben dürfte der am Freitag anstehende monatliche US-Jobbericht. Ein starker Arbeitsmarkt spräche nämlich dagegen, dass die USA in einer Rezession stecke, ein schwächerer würde dagegen die Zinserhöhungserwartungen an die US-Notenbank dämpfen, hiess es.

Zudem hätten die Anleger nach den jüngsten Kursgewinnen erst einmal die besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten und Unternehmensergebnisse, die den Märkten zuletzt Schub verliehen hätten, verdauen wollen. Insgesamt seien letztlich konjunktursensitive Werte den defensiven vorgezogen worden. Dies zeige, dass bezüglich der konjunkturellen Erwartungen ein gewisser Optimismus überwiege.

Der SMI schloss um 0,21% höher bei 11’202,66 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und bei dem die Gewichtung der grössten Titel gekappt ist, legte 0,52% auf 1745,54 zu und der breite SPI (SXGE 14'502.62 +0.42%) 0,23% auf 14’528,73 Zähler. Im SLI schlossen 22 Titel höher und sieben tiefer. Alcon (ALC 65.34 -0.21%) waren unverändert.

Im Fokus der Marktteilnehmer standen die Aktien der Unternehmen, die Zahlen vorgelegt haben. Dabei sorgten die endgültigen Ergebnisse bei den Aktien von VAT Group zeitweise für Kursgewinne von rund 5%. Diese schmolzen im Späthandel zu einem guten Teil wieder ab. Kräftige Investitionen der Chipbauer trieben das Rheintaler Unternehmen erneut zu Rekordwerten. Überzeugt hat laut Analysten vor allem der Ausblick.

Deutlich unter Druck standen dagegen Adecco (ADEN 33.35 -1.54%). Sie markierten dabei kurzzeitig auf dem tiefsten Stand seit gut einem Vierteljahrhundert. Der Personaldienstleister verfehlte mit seinen Zahlen die Erwartungen, hiess es. Zudem werde es mit zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit für die Gruppe schwieriger, auf dem Wachstumspfand zu bleiben, monierte die Bank Vontobel (VONN 62.90 +0.16%).

Ein Auf und Ab erlebten die Aktien von Swisscom (SCMN 505.20 +0.12%). Der Kurs wechselte mehrfach das Vorzeichen. Die Halbjahresergebnisse seien durchwachsen, aber die weiterhin vergleichsweise attraktive Dividendenrendite dürfte den Kurs gestützt haben, sagte ein Händler.

Neben VAT waren mit den Titeln von AMS Osram (AMS 8.23 +0.24%) und Logitech (LOGN 54.96 -0.58%), die beide ihren Erholungslauf fortsetzten, sowie den am breiten Markt notierten U-Blox (UBXN 115.00 +0.52%), Comet (COTN 183.00 +0.66%) und Inficon (IFCN 746.00 -0.13%) weitere Technologietitel gefragt. Sie hätten zusätzlich von der guten Vorlage der US-Technologiebörse Nasdaq profitiert, hiess es.

Bei den Finanzwerten waren die Grossbanken UBS (UBSG 16.03 -0.34%) und Credit Suisse (CSGN 5.42 -1.13%) sowie Julius Bär (BAER 51.12 -1.01%) besonders gefragt. Die Versicherer Swiss Re (SREN 76.16 +0.21%), Swiss Life (SLHN 522.40 -0.91%) und Zurich Insurance (ZURN 432.50 -1.86%) hinkten derweil hinterher. Am Vortag hatten die hiesigen Finanzwerte noch mehrheitlich von starken Zahlen ausländischer Konkurrenten profitiert.

Unter den Gewinnern waren zudem die im laufenden Jahr arg gebeutelten Sika (SIKA 247.60 +1.73%), Givaudan (GIVN 3'435.00 +1.99%), Partners Group (PGHN 1'030.00 -0.29%), ABB (ABBN 28.81 +0.07%), Geberit (GEBN 508.60 +0.59%), Straumann (STMN 130.80 +0.81%) und Sonova (SOON 337.30 -0.59%), wie Kursanstiege zwischen 2,3 und 0,8% zeigten.

Dagegen notierten bei den Blue Chips die Pharmaschwergewichte Roche GS (ROG 317.90 +0.92%) und Novartis (NOVN 80.45 +0.44%) schwächer, während Nestlé (NESN 115.64 +0.93%) in der Schlusslesung noch das Vorzeichen wechselten.

Am breiten Markt setzten die Aktien von Oerlikon den Höhenflug fort. Sie zählten bereits am Vortag zu den Gewinnern, nachdem das Industrieunternehmen seinen Halbjahresbericht veröffentlicht hatte.

Auch Interroll (INRN 2'620.00 +1.16%) zählten zu den Papieren auf Erholungskurs, die seit Jahresanfang kräftig korrigiert hatten.

US-Börsen nach Vortagesrally weitgehend stabil

Nach der Rally am Vortag hat sich der US-Aktienmarkt am Donnerstag stabil gezeigt. Anleger verdauten eine Flut von Unternehmenszahlen und -ausblicken und warten auf den am Freitag anstehenden Arbeitsmarktbericht der US-Regierung für Juli. Dieser dürfte wegen der technischen Rezession der Wirtschaft im ersten Halbjahr genau analysiert werden. Der Arbeitsmarkt ist ein nachlaufender Konjunkturindikator, bei dem sich Rezessionstendenzen verzögert spiegeln.

Der Dow Jones Industrial gab im frühen Handel um 0,23% auf 32’737,71 Zähler nach und zollte damit seinem 1,3-prozentigen Plus zur Wochenmitte nur geringfügig Tribut. Der marktbreite S&P 500 sank um 0,16% auf 4148,36 Zähler. Der Nasdaq 100 (NDX 13'565.87 +2.06%) verlor 0,24% auf 13’222,45 Zähler. Er hatte tags zuvor sogar um 2,7% zugelegt und war wieder auf das Niveau von Anfang Mai zurückgekehrt. Auslöser der kräftigen Gewinne waren optimistisch stimmende ISM-Daten für den Dienstleistungssektor im Juli gewesen.

Unter den Einzelwerten gaben im S&P 100 zuvorderst die Anteile von Eli Lilly (LLY 311.94 +1.25%) nach. Der Pharmakonzern berichtete über einen deutlich gesunkenen Quartalsgewinn und senkte zum zweiten Mal im laufenden Jahr seinen Gewinnausblick. Das vergrätzte die Anleger. Das Papier büsste 3,6% ein.

Für die Anteile von Ebay ging es im Nasdaq 100 nach der Vorlage von Quartalszahlen um 5,0% abwärts. Analystin Lauren Schenk von Morgan Stanley (MS 91.67 +0.01%), die die Aktie mit «Underweight» bewertet, sprach von «keinen grossen Überraschungen», vielmehr sieht sie die Gefahr, dass das Online-Auktionshaus mit seinem Bruttowarenvolumen im Schlussquartal 2022 die Erwartungen verfehlen könnte. Zudem müssten die durchschnittlichen Analystenschätzungen für das Jahr 2023 deutlich nach unten angepasst werden, schrieb sie.

Dass der chinesische Amazon-Konkurrent Alibaba die Umsatzerwartungen übertraf, sorgte für ein Plus von 0,9%. Positive Ergebnisüberraschungen im vergangenen Quartal bescherten ausserdem dem Cerealienhersteller Kellogg ein Plus von 1,2%. Für die Anteile von Restaurant Brands , zu dem unter anderem Burger King gehört, ging es nach einem insgesamt starken Quartal sogar um 6,7% hoch.

In den Fokus rückten zudem die Anteile der grössten US-Krypto-Handelsplattform Coinbase Global . Die Bekanntgabe einer Kooperation mit der Investmentgesellschaft Blackrock liessen die Aktie kurz nach dem Handelsstart um bis 44% hochschnellen. Zuletzt stand noch ein Plus von 17% zu Buche. Die Blackrock-Papiere reagierten mit plus 0,6% kaum.

Euro steigt über 1,02 US-Dollar

Der Euro ist am Donnerstag über 1,02 $ gestiegen. Unterstützung erhielt die Gemeinschaftswährung durch die recht freundliche Stimmung an den Finanzmärkten. Am späten Nachmittag notiert der Kurs bei 1,0217 $. Im frühen Handel hatte der Euro noch rund einen halben Cent weniger gekostet.

Gegenüber dem Schweizer Franken notiert der Euro mit 0,9782 Fr. wenig verändert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 0,9772. Der Dollar notiert weiter unter der Schwelle von 0,96 Franken, unter die er am Morgen gerutscht ist, und wird derzeit zu 0,9577 Fr. gehandelt.

Die insgesamt zuversichtlichere Stimmung an den Aktienmärkten stützte auch den Euro. Neue Auftragszahlen aus der deutschen Industrie fielen am Morgen zwar schwach aus, allerdings nicht so schlecht wie erwartet. Die Bestellungen gingen im Juni den fünften Monat in Folge zurück. Angesichts der erhöhten Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg und einer drohenden Gasknappheit entwickle sich die Nachfrage weiterhin schwach, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium.

Die britische Notenbank hat im Kampf gegen die hohe Inflation wie erwartet den Leitzins um 0,50 Prozentpunkte auf 1,75% angehoben. Dies war die deutlichste Anhebung seit der politischen Unabhängigkeit der Bank of England im Jahr 1997. Das britische Pfund geriet dennoch zu allen wichtigen Währungen unter Druck. Schliesslich gehen die Währungshüter von einem langanhaltenden wirtschaftlichen Abschwung aus. Beginnend im vierten Quartal dürfte die britische Wirtschaft demnach fünf Quartale in Folge schrumpfen. Der Wohlstandsverlust wird auf insgesamt 2% des Bruttoinlandsprodukts geschätzt.

Ölpreise unter Druck

Die Ölpreise sind am Donnerstag unter ihre Niveaus vor dem Kriegsbeginn in der Ukraine gefallen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 94,56 $. Das waren 2,23 $ weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 91.98 -2.19%)) zur September-Lieferung sank um 1,80 $ auf 88,87 $.

Dies sind jeweils die niedrigsten Stände seit Mitte Februar. Der Angriff von Russland auf die Ukraine begann am 24. Februar. Allerdings waren die Ölpreise schon seit Anfang Dezember 2021 im Vorfeld des Krieges gestiegen. Sie liegen derzeit immer noch rund 15 $ über dem Niveau vom Jahresbeginn. Russland ist ein wichtiges Ölförderland und die Sanktionen belasten das Rohölangebot.

Neue Regierungszahlen zeigten, dass die US-Bürger derzeit weniger Auto fahren als noch im Sommer 2020. Weltweit nehmen zudem die Sorgen vor einer wirtschaftlichen Abschwächung zu. So warnte die britische Notenbank vor einer mehrere Quartale anhaltenden Rezession. Bereits am Mittwoch waren die Ölpreise deutlich unter Druck geraten. Überraschend gestiegene US-Rohöllagerbestände hatten die Ölpreise belastet.

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