Märkte / Aktien

SMI schliesst knapp unter 11’000

Die Schweizer Börse legt erneut markant zu. ABB ziehen kräftig an. Roche und Novartis beflügeln. Der Dollar festigt sich über 0.97 Fr.

(AWP/SPU/Reuters) Die Schweizer Börse hat zur Wochenmitte den Aufwärtstrend fortgesetzt und die Marke von 11’000 erreicht. Der Swiss Market Index SMI (SMI 10539.17 0.19%) ermässigte sich bei Eröffnung noch leicht um 0,1%. Im frühen Handel drehte er ins Plus und legte in der Folge deutlich zu. Am Vormittag liess er die Marke von 10’900 hinter sich. Am Nachmittag überschritt er das bisherige Allzeithoch und erreichte kurz vor 15 Uhr 11’000. Am Dienstag war der Leitindex um 1,3% gestiegen.

Auch in New York zogen die Aktienmärkte an. Die drei grossen Wallstreet-Indizes lagen bei Börsenschluss in Europa im Plus. Der Dow Jones (Dow Jones 27657.42 -0.88%) avancierte 1%. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 3319.46 -1.12%) stieg 0,8%. Leichte Avancen von 0,3% erzielte die Technologiebörse Nasdaq Composite. Der Höhenflug von Tesla fand vorerst ein Ende. Die Aktien des US-Elektroautobauers gaben klar nach. Ein hochrangiger Manager sagte, die für Anfang Februar geplante Auslieferung einiger in China gefertigten Fahrzeuge des Modell 3 würde sich wegen des Coronavirus verzögern. Zugleich kündigte er an, dass die Arbeit im Werk in Shanghai am 10. Februar wieder aufgenommen werden soll. Die Aussicht auf einen Gewinnrückgang bei Ford (F 10.01 1.62%) schlug Anleger in die Flucht. Die Aktien des US-Autobauers steuerten auf den grössten Tagesverlust seit neun Jahren zu.

Auslöser für die starken Marktavancen war eine Mitteilung im chinesischen Fernsehen, wonach ein Mittel zur wirksamen Behandlung der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit gefunden worden sein soll. Auch in England soll Forschern ein Durchbruch gelungen sein. Dies sorgte für steigende Kurse an den wichtigsten Aktienmärkten.

Unterdessen war die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und der Toten in China weiter gestiegen. Chinesische Experten rechnen erst in rund zwei Wochen mit dem Höhepunkt der Infektionswelle. Ganz gelegt hätten sich die Sorgen aber nicht, schrieb Credit Suisse (CSGN 9.792 -2.42%) in ihrem täglichen Kommentar.

ABB, Roche und Novartis hievten den SMI nach oben

Die Aktien von ABB (ABBN 23.82 0.51%) drehten nach einem verhaltenen Start ins Plus und avancierten klar. Der Automationskonzern hatte zwar beim Umsatz und beim Auftragseingang tiefere Werte erzielt als im Vorjahr. Die Markterwartungen wurden beim Auftragseingang und beim Gewinn dennoch übertroffen. Die Dividende für 2019 bleibt stabil. ABB äussert sich zurückhaltend über die weiteren Aussichten. Der Einfluss des Coronavirus auf die Zahlen sei noch nicht quantifizierbar, sagte der Übergangs-CEO Voser an einer Telefonkonferenz.

Unterstützung kam vor allem von den Marktschwergewichten. Während Nestlé (NESN 108.42 -0.9%) etwas fester schlossen, beflügelten Novartis (NOVN 82.93 0.77%) und Roche (ROG 343.1 1.84%) den SMI mit kräftigen Avancen. Die Genussscheine von Roche könnten laut Vermutungen von Händlern dank einem Testverfahren vom Coronavirus profitieren.

Nach den deutlichen Gewinnen am gestrigen Handelstag standen die Luxusgüterhersteller Swatch Group (UHR 215.6 -0.46%) und Richemont (CFR 63.76 -1.97%) erneut im Plus. Sie schalteten im Handelsverlauf jedoch einen Gang zurück.

Zu den grösseren Gewinnern zählten zudem die Finanzwerte: Die Banken Credit Suisse und UBS (UBSG 10.98 -1.52%) zogen stärker an als die Versicherer Swiss Re (SREN 73.2 -1.72%), Swiss Life (SLHN 369.3 -0.62%) und Zurich Insurance (ZURN 344.2 0.94%). Die Aktien von Swiss Re zeigten sich vom Ergebnis von Hannover Re relativ unbeeindruckt. Der deutsche Rückversicherer hatte 2019 das Prämienvolumen und den Gewinn gesteigert. Zudem wurde der Ausblick für 2020 bestätigt.

Swisscom (SCMN 499.5 -0.22%) blieben etwas zurück. Der Telecomkonzern veröffentlicht am Donnerstag seinen Jahresabschluss.

AMS zogen an

Tech-Werte im SMIM (SMIM 2640.598 0.28%) avancierten. So zeigten sich die Anteile von AMS (AMS 18.2 -0.44%) erneut klar fester. Gute Ergebnisse aus der Branche und Deckungskäufe unterstützten den Titel des Sensorenherstellers, hiess es am Markt. Im Plus schlossen zudem Temenos (TEMN 134.85 -1.64%) und Logitech (LOGN 64.78 1.43%).

Positiv aufgelegt waren auch Clariant (CLN 18.975 -0.86%). Research Partners hatte die Abdeckung mit dem Rating «Kaufen» aufgenommen.

Die Papiere der Reisedetailhandelsgruppe Dufry (DUFN 30.6 -1.03%) und die Titel von Flughafen Zürich (FHZN 130.6 -3.04%) profitierten ebenfalls von den Berichten über das Medikament gegen das Coronavirus.

Die Anteile von Conzzeta (CON 975 1.35%) stiegen. Der Konzern hatte im Geschäftsjahr 2019 weniger Umsatz erzielt, aber im Rahmen der Erwartungen abgeschlossen.

Asien erneut im Plus

Hoffnungen auf weitere geldpolitische Stimuli der Bank of China, um die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie auszugleichen, sorgten am Morgen für gute Stimmung in Asien. Der Nikkei 225 in Japan legte 1% zu. Der Hang Seng in Hongkong stagnierte bei 26’754. Der Shanghai Composite notierte mit einem Plus von 1,3%. Der koreanische Kospi stieg 0,4%.

Euro tiefer

Der Euro zeigte sich am Mittwoch schwächer. Die Gemeinschaftswährung verlor zum Greenback und kostete 1.10 $. Zum Franken gab der Euro seine anfänglichen Avancen preis und notierte wieder an der Marke von 1.07 Fr. Der Dollar wurde fester zu 0.9729 Fr. gehandelt.

Ölpreis erholte sich von Jahrestief

Der Ölpreis erholte sich am Mittwoch, nachdem er am späten Dienstagabend auf einen neuen Einjahres-Tiefstand gefallen war. Händler sprachen von der Sorge um ein hohes Überangebot am Erdölmarkt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 43.06 -0.37%) kostete bei Börsenschluss in Europa nach deutlichen Avancen 56 $. Gold (Gold 1950.59 0.32%) handelte etwas fester bei einem Preis von 1556 $ pro Feinunze.

Leser-Kommentare

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Philip Hjelmer 05.02.2020 - 21:01

In der heutigen Ausstrahlung der Sendung „SRF Börse“ wurde zwar erwähnt, dass der SMI heute um 1.8% stieg. Dass der SMI heute eine neues Allzeithöchst erreichte, wurde aber geflissentlich verschwiegen.

Die Berichterstattung des SRF hinterlässt den Eindruck, dass durch das Verdrängen von vermeintlich unangenehmen Tatsachen (neue Börsenhöchststände), diese zum Verschwinden bringen zu können.