Märkte / Aktien

SMI bei 10’600 ins Wochenende

Die Schweizer Börse gibt erneut nach. Viele Abschlüsse kleiner Unternehmen sorgen für Bewegung. Der Ölpreis zieht an. Der Euro steht unter Druck.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat zum Wochenschluss klare Kursverluste verzeichnet. Der SMI (SMI 11'262.97 +0.57%) verlor bei Eröffnung 0,8%. Im frühen Handelsverlauf verharrte der Leitindex zunächst auf diesem Niveau. Weiter abwärts ging es am Nachmittag trotz positiver Signale vom US-Arbeitsmarkt. Bei Börsenschluss in Zürich notierte der SMI auf seinem Tagestief bei 10’607.

Nach dem Ausverkauf gestern an Wallstreet tendierten die wichtigen Indizes erneut leichter. Dabei war Wallstreet freundlich in den Handel gestartet. Der S&P 500 (S&P 500 4'176.30 +0.33%) drehte ins Minus und gab 0,7% nach. Der Dow Jones (Dow Jones 34'200.67 +0.48%) verlor 0,3%. Erneut deutlich schwächer präsentierte sich die Technologiebörse Nasdaq Composite mit einem Verlust von mehr als 2%.

Einmal mehr waren es die Bewegungen an den Anleihenmärkten, die auf die Stimmung drückten. So war die Rendite US-amerikanischer zehnjähriger Staatsanleihen wieder über die magische Marke von 1,5% gesprungen. Dies habe die Anleger wieder in Angst und Schrecken versetzt, kommentierte ein Händler. Allerdings gingen die Meinungen der Experten bei der Einschätzung dieser Entwicklung auseinander.

«Die einen sehen im Zinsanstieg eine anhaltende Gefahr für die Aktienmärkte, die anderen halten die derzeitige Situation am Anleihenmarkt für übertrieben und erwarten wieder eine Korrektur bei den Renditen», meinte er. Als belastend wurden auch Aussagen des US-Notenbankpräsidenten Jerome Powell gesehen. Er habe die Anleger nicht wie erhofft mit seinen Kommentaren beruhigt, kommentierte ein Händler. Vielmehr sei er vage geblieben in Bezug auf die möglichen Reaktionen des Fed. So hatte Powell erklärt, die wirtschaftliche Wiederbelebung könnte «einen gewissen Aufwärtsdruck» auf die Preise erzeugen, doch selbst bei einem vorübergehenden Anstieg der Inflation gehe er davon aus, dass die Notenbank geduldig sein werde. «Die Übersetzung von geduldig durch den Markt ist, dass geduldig nicht nie bedeutet und dass Powell andeutet, das leichte Geld werde an einem bestimmten Punkt zu einem Ende kommen», fasste ein Experte die Reaktionen zusammen.

SMI-Versicherer schwach

Viele der zwanzig SMI-Titel gaben nach. Als Belastungsfaktoren für den Gesamtmarkt erwiesen sich aber vor allem die Schwergewichte Roche (ROG 309.20 -0.1%) und Novartis (NOVN 80.87 +0.42%). Das dritte Schwergewicht, Nestlé (NESN 108.70 +0.76%), sorgte für etwas Stabilität. Auch die defensiven Aktien des Telecomkonzerns Swisscom (SCMN 479.30 +0.8%) handelten fester.

Besser als der Gesamtmarkt schlugen sich die Aktien der Grossbanken Credit Suisse (CSGN 9.90 +1%) und UBS (UBSG 14.82 +1.93%). UBS hatte am Morgen den Geschäftsbericht veröffentlicht und dabei den Gewinn für 2020 um 72 Mio. $ nach unten angepasst. CS meldete derweil, den in Schieflage geratenen Supply-Chain-Finance-Fonds abzuwickeln.

An der Schweizer und der europäischen Börse standen die Valoren von Versicherungsunternehmen zu Wochenschluss unter Druck. Nachdem der Sektor zuletzt mit der Hoffnung auf nachhaltig steigende Zinsen gut nachgefragt war, brachten die Anleger nun Kursgewinne ins Trockene. So sackten Swiss Re (SREN 90.64 +0.49%), Zurich Insurance (ZURN 381.60 +0.93%), aber auch Swiss Life (SLHN 473.30 +0.51%) überdurchschnittlich ab. Deutlich schwächer als der Gesamtmarkt handelten auch die Titel des Vermögensverwalters Partners Group (PGHN 1'321.00 +1.5%).

Lonza (LONN 558.40 -0.68%) konnten sich nicht im Plus halten. Die Aktien des Life-Science-Konzerns waren bereits gestern die grössten Verlierer gewesen.

Beim Augenheilspezialisten Alcon (ALC 67.98 -0.15%) stützte eine Studie von Berenberg etwas, in der der Analyst der ehemaligen Novartis-Tochter einen robusten Geschäftsgang im Coronajahr attestierte.

Vifor erholt

Im SMIM (SMIM 3'209.16 +0.92%) fielen lediglich Vifor Pharma (VIFN 133.60 +0.83%) positiv auf. Sie erholten sich von zwei schwachen Handelstagen nach der Zahlenvorlage.

Wegen der generellen Schwäche der Technologiewerte drehten die Aktien des Computer- und Gamingzubhörherstellers Logitech (LOGN 103.90 +1.91%) und des Chipproduzenten AMS (AMS 18.72 -0.64%) ins Minus.

In Kühne + Nagel (KNIN 283.70 +0.64%) und Georg Fischer (FI-N 1'300.00 +0.93%) kam es nach den deutlichen Avancen im Zuge der Zahlenvorlage am Mittwoch zu Gewinnmitnahmen.

Das Nachrichtenaufkommen wurde von den Vertretern der hinteren Reihen bestimmt.

Schweiter (SWTQ 1'530.00 -0.26%) legten nach Zahlen zu, die deutlich besser als erwartet ausgefallen waren.

Leicht im Minus notierten SFS (SFSN 124.00 +0.9%) Group. Die Industriegruppe hatte im zweiten Semester eine Erholung verzeichnet.

Trotz markanter Einbussen im Coronajahr 2020 avancierten die Papiere des Bekleidungsunternehmens Calida (CALN 37.70 +1.34%).

Der deutliche Zuwachs bei Umsatz, Gewinn und der Kundenzahl wirkte sich positiv auf den Kurs des Finanzdienstleisters VZ Holding (VZN 80.00 +1.14%) aus.

Bobst (BOBNN 62.85 +1.45%) profitierten von einer Kaufempfehlung der Stifel-Analysten.

Auch Belimo (BEAN 387.50 +1.17%) und Rieter (RIEN 136.60 +3.02%) waren nach Analystenkommentaren gesucht.

Auf der anderen Seite kamen die Obseva-Zahlen nicht gut an. Das Biotechunternehmen will zudem Stammaktien des Unternehmens für bis zu 50 Mio. $ verkaufen.

Die Aktien von Basilea (BSLN 46.80 +1.17%) gerieten derweil im Zusammenhang mit der Übernahme des Rivalen Five Prime Therapeutics durch den US-Branchenprimus Amgen (AMGN 255.71 +0.23%) unter Druck. Dadurch könnte ein überlegener Konkurrent auf dem Gebiet von Krebsmedikamenten entstehen, hiess es.

Asien uneinheitlich

Die Börsen in Asien präsentierten sich am Freitag gemischt. Teilweise erholten sich die Märkte  von ihren Tagestiefs. Für etwas Unruhe an den Märkten sorgte eine Tsunami-Warnung für den gesamten Pazifik nach einem schweren Seebeben der Stärke 8,1.

In Tokio korrigierte der Nikkei 225 um 0,2%, während der heimisch ausgerichtete Topix 0,6% zulegen konnte. Der CSI 300, der die Kursentwicklung an den beiden grössten Börsen Festlandchinas, Schanghai und Shenzhen abbildet, verlor 0,3%. In Hongkong stagnierte der Hang Seng (Hang Seng 28'969.71 +0.61%). Der südkoreanische Kospi gab 0,6% ab. In Sydney schloss der ASX 200 mit einem Abschlag von 0,7%.

Euro unter 1.11 Fr.

Der Euro stand am Freitag unter anhaltendem Druck. Nachdem er am Donnerstagabend unter die Marke von 1.20 $ gefallen war, sank der Kurs in Richtung 1.19 $. Bei Börsenschluss in Europa notiert die Gemeinschaftswährung auf ein Dreimonatstief von 1.1915 $. Zum Franken kam der Euro ebenfalls stark zurück und fiel wieder unter die 1.11er Marke. Um 17.30 Uhr MEZ ging er zu 1.1085 Fr. um. Der Dollar stieg zur Schweizer Währung hingegen über die 0.93er Marke.

Ölpreis legte markant zu

Der Ölpreis baute am Freitag seine deutlichen Aufschläge vom Donnerstag aus. Der Ölverbund Opec+ hatte seine Förderung zunächst nicht angehoben und damit für eine Überraschung an den Märkten gesorgt. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 66.70 -0.18%) 69 $. Gold (Gold 1'776.53 +0.73%) bewegte sich kaum und lag knapp unter der Marke von 1700 $ pro Feinunze.

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