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SMI geht mit weniger als 10’000 ins Wochenende

An der Schweizer Börse verlieren die meisten Valoren. Nur Bankaktien schliessen fester. Der Dollar legt zum Franken klar zu. Der Goldpreis rutscht unter 1400 $.

(AWP/Reuters/SPU)  Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag deutliche Verluste verbucht. Der SMI (SMI 10056.83 -0.08%) trat bei Eröffnung noch auf der Stelle, rutschte dann aber ins Minus. Nach der Veröffentlichung des monatlichen Arbeitsmarktberichts in den USA weitete der Leitindex SMI seine Verluste gar noch weiter aus. Damit schloss der Leitindex unter der Marke von 10’000 Punkten. Die besser als erwartet ausgefallene Entwicklung am US-Arbeitsmarkt lockte keine Käufer hervor. Während die US-Wirtschaft im Juni deutlich mehr Arbeitsplätze schuf als erwartet, stiegen die Löhne allerdings weniger stark als erwartet.

Auch in den USA lagen die meisten Kurse im Minus, nachdem an der Wallstreet wegen des US-Nationalfeiertags gestern der Handel geruht hatte. Die drei gewichtigen Aktienindizes in New York büssten bei Börsenschluss in Europa allesamt ein. Der Dow Jones (Dow Jones 26935.07 -0.59%) notierte 0,5% tiefer. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2992.07 -0.49%) verlor 0,6%. Und der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite gab 0,6% nach.

Nur SMI-Banken im Plus

Im Schweizer Leitindex fielen besonders Adecco (ADEN 56.26 -0.6%) mit deutlichen Verlusten auf. So empfehlen die Experten der Deutschen Bank die Adecco-Titel neu zum Verkauf. Sie begründen dies mit ihren Sorgen um die Aussichten für den US-Markt.

ABB (ABBN 20.07 -0.25%) waren unter Druck. Nachdem sich bereits die Experten von JPMorgan und Jefferies vorsichtig über den Geschäftsverlauf im zweiten Quartal geäussert hatten, folgte nun noch die Deutsche Bank (DBK 7.307 -0.76%) mit zurückhaltenden Tönen.

LafargeHolcim (LHN 50 0.46%) gehörten ebenfalls zu den Verlierern. Die Schweizer Zementindustrie hatte im zweiten Quartal 2019 klar weniger abgesetzt als im Vorjahr. Gegenüber der entsprechenden Vergleichsperiode resultierte ein Rückgang um 3,6%, wie der Verband Cemsuisse am Freitag mitteilte. Allerdings sei das Wachstum im Vorjahr stark gewesen.

Bei Richemont (CFR 74.86 -0.24%) wirkte sich ein positiver Analystenkommentar nicht kursbeschleunigend aus. Die Expertin von JPMorgan geht für das erste Quartal von einem soliden Geschäft aus und lobt die gute Positionierung des Unternehmens. Auch die Titel des Konkurrenten Swatch Group (UHR 264.3 -0.49%) fielen zurück.

Belastend für den Leitindex wirkten die SMI-Schwergewichte Novartis (NOVN 86.26 0.44%), Roche (ROG 285.05 0.72%) und Nestlé (NESN 106.26 -0.9%). Nestlé verschiebt sein Glacégeschäft Noga Ice Creams in sein britisches Joint Venture Froneri. Damit hat der Nahrungsmittelkonzern die letzte Etappe für die Auslagerung seines Eiscrèmegeschäfts in der Region EMENA in das Gemeinschaftsunternehmen mit R&R eingeläutet.

Ein Plus reichte für Credit Suisse (CSGN 12.865 -0.27%) und UBS (UBSG 11.425 -0.65%), um sich an die Spitze des SMI zu setzen. Die Aussicht auf keine tieferen Zinsen in den USA verliehen den Bankwerten Auftrieb.

Industriewerte unter Druck

Als Grund für die Kursverluste von AMS (AMS 47.55 0.74%) wurde am Markt auf den südkoreanischen Chiphersteller Samsung verwiesen, der sich vorsichtig über den jüngsten Geschäftsverlauf geäussert hatte. Zudem verloren mit Logitech (LOGN 40.6 -1.48%) andere Tech-Werte aus dem SMIM (SMIM 2587.371 -0.13%).

Kursrückgänge erfuhren vor allem die Werte aus dem Industriesektor. In Deutschland hatte die Industrie einen deutlichen Rückgang beim Auftragseingang im Mai erfahren. So büssten Georg Fischer (FI-N 877.5 -0.9%) und Dormakaba (DOKA 638.5 -0.55%) ein. Schwächer handelten zudem die Werte des Lift- und Rolltreppenherstellers Schindler (SCHP 224.5 -0.53%) und die Papiere des Vakuumventilspezialisten VAT Group (VACN 134.05 -0.63%).

Clariant (CLN 19.945 -0.52%) lagen klar im roten Bereich. Händler berichteten von Ergebnisängsten, losgetreten von Gewinnschätzungsreduktionen durch die US-Investmentbank JPMorgan. Tags zuvor hatte schon Baader-Helvea vor möglichen Gewinnwarnungen in der europäischen Chemieindustrie gewarnt, ohne allerdings den Spezialitätenchemiehersteller Clariant namentlich zu erwähnen. Ems-Chemie (EMSN 614.5 -0.16%) gaben daraufhin ebenfalls nach.

Die Gesundheitstitel im SMIM, namentlich Sonova (SOON 222.9 0.36%) und Vifor Pharma (VIFN 160.8 0.41%), drehten ins Minus. Derweil büssten die bereits schwach gestarteten Straumann (STMN 801.8 -1.09%) im weiteren Handelsverlauf zusätzlich ein.

Wenig Veränderungen in Asien

An den asiatischen Börsen war der Handel wegen des Feiertags in den USA ruhig. Der Nikkei 225 (Nikkei 225 22079.09 0.16%) in Tokio notierte nahezu unverändert. Der Shanghai Composite gewann 0,1%, der Hang Seng legte 0,1% zu. Am deutlichsten waren die Gewinne beim chinesischen Leitindex CSI 300.

Sydney auf Rekordkurs

Spekulationen auf fallende Zinsen gaben australischen Aktien erneut Auftrieb. Der Leitindex der Börse Sydney schloss 0,5% im Plus bei 6751 Punkten und lag damit nur noch rund hundert Zähler unter dem Rekordhoch von 2007. Sein neuseeländisches Pendant markierte mit 10.631 Stellen den sechsten Tag in Folge ein Rekordhoch.

Dollar zog zum Franken massiv an

Der Euro handelte zum Dollar deutlich leichter und zum Franken etwas fester. Die Gemeinschaftswährung kostete um 17.30 Uhr MESZ zum Greenback 1.1214 $. Zum Franken avancierte die Gemeinschaftswährung leicht und stand bei 1.1129 Fr. Mit 0.9924 Fr. legte der Dollar zur Schweizer Währung markant deutlich zu.

Goldpreis büsste ein

Der Goldpreis rutschte im Anschluss an die Publikation der US-Jobzahlen ab. Das Edelmetall handelte bei Börsenschluss in Europa deutlich leichter bei knapp 1400 $ pro Feinunze. Der Ölpreis notierte derweil markant höher. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 64.45 -0.15%) kostete gut 64 $.

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