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SMI schliesst nach US-Jobdaten deutlich im Minus

Die Schweizer Börse hat sich am letzten Handelstag der Woche abgeschwächt.

(AWP/Reuters) Der Schweizer Aktienmarkt hat Freitag klar tiefer geschlossen. Nach einem verhaltenen Start rutschte der Leitindex SMI (SMI 11'128.24 -0.24%) im Anschluss an die Publikation der US-Jobdaten deutlich ins Minus. Die Zahlen für die neu geschaffenen Stellen in den USA und auch die durchschnittlichen Stundenlöhne sind deutlich besser ausgefallen als gedacht.
Konkret sind doppelt so viele neue Jobs geschaffen worden wie erwartet und die Zahl der Beschäftigten ausserhalb der Landwirtschaft hat wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht.

Der Arbeitsmarkt hat somit nicht an Schwung an verloren, sondern sogar an Fahrt aufgenommen. Auch die Arbeitslosenquote sank überraschend auf 3,5%. Investoren fürchten sich deshalb vor dem nächsten Zinsschritt der US-Notenbank FED. Analysten gehen im September von einer weiteren Leitzinsanhebung von 75 Basispunkten aus. «Die Fed hat einen Freifahrschein für eine schnelle Zinswende», lautete ein Kommentar.

Der SMI weist zum Börsenschluss ein Minus von 0,71% auf 11’123,07 Punkte aus. Im Wochenvergleich hat sich der SMI knapp gehalten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verliert 0,97%auf 1728,55 Punkte und der breite SPI (SXGE 14'441.67 -0.39%) 0,78% auf 14’415,28 Punkte. Im SLI stehen 21 Verlierern neun Gewinner gegenüber.

Das Schwergewicht Nestlé (NESN 114.58 -0.52%) zeigte sich im Tagesverlauf unentschlossen, zog den SMI zum Börsenschluss aber klar nach unten. Gegensteuer boten die Aktien des Pharmariesens Novartis (NOVN 80.10 -1.16%). Roche GS (ROG 315.00 +1.56%) schlossen praktisch unverändert.

Neben Nestlé gaben auch die Finanzwerte überwiegend nach. Die Aktien der Credit Suisse (CSGN 5.48 +1.78%) verloren 0,6%. Bei der Grossbank mussten die Investoren eine weitere Ratingsenkung verarbeiten. Nachdem die Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) bereits zum Wochenstart die Daumen gesenkt hatten, folgte nun Fitch und stufte die langfristige Bonität der Bank herunter und setzte den Ausblick auf «negativ».

UBS (UBSG 16.09 +1.20%), Julius Bär (BAER 51.64 +0.19%) und insbesondere Partners Group (PGHN 1'033.00 -0.29%) fielen ebenfalls klar zurück

Zu den grössten Verlierern zählen neben Partners Group auch Wachstumswerte wie Lonza (LONN 570.20 -2.36%) und Straumann (STMN 129.75 -1.22%) mit Verlusten bis zu 4%. Gerade bei den beiden Titeln aus dem Lifescience-Bereich haben Investoren Gewinne versilbert, nachdem beide im Wochenverlauf klar positiv abgeschnitten hatten.

Die Aktien von VAT schlossen nach volatilem Handel mit einem Minus von 0,9%. Die Gewinne des Vortages im Anschluss an die Halbjahreszahlen schmolzen damit wieder weg.

Adecco (ADEN 33.87 +0.86%) hingegen erholten sich von den Verlusten vom Vortag mit einem Plus von 0,8%. Gestern erst fielen die Aktien kurzzeitig auf dem tiefsten Stand seit gut einem Vierteljahrhundert. Der Personaldienstleister verfehlte mit seinen Zahlen die Erwartungen.

Die Technologievertreter Temenos (TEMN 81.04 -3.52%) und AMS Osram (AMS 8.21 -1.98%) gehörten zu den grössten Gewinnern.

Am Morgen zählte Swisscom (SCMN 504.60 -1.10%) zwar noch zu den Verlierern, am Schluss stand die Aktie allerdings 2,1% höher.

In den hinteren Reihen gaben die Aktien von Lastminute letztlich minim nach. Im Tagesverlauf gewannen die Aktien des Online-Reiseanbieters nach Halbjahreszahlen zwischenzeitlich 6% dazu.

Meyer Burger (MBTN 0.5720 -1.80%) profitierten von einem verteidigenden Kommentar durch Jefferies. Der Analyst grenzte darin seine diesjährigen Verlustschätzungen etwas ein.

Aktien New York: Kleines Minus

Ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht hat am Freitag die Wall Street nur kurzzeitig belastet. Nach anfänglich deutlicheren Verlusten erholten sich die wichtigsten Indizes rasch. Die Anleger fürchten einerseits zwar womöglich weitere aggressive Zinsschritte der Notenbank Fed, zumal sich der Lohnanstieg im Monat Juli nicht wie erhofft verlangsamt hat. Andererseits jedoch nähren die Daten die Hoffnung, dass die weltgrösste Volkswirtschaft auch in den kommenden Monaten nicht in eine Rezession abgleitet.

Der Dow Jones Industrial verlor im frühen Handel zuletzt 0,11%  auf 32’693,05 Zähler. Nach dem stärksten Juli seit zwölf Jahren, in dem der bekannteste Wall-Street-Index um fast 7% gestiegen war, steuert er in der ersten Augustwoche nun auf ein Minus von 0,5% zu.

Der marktbreite S&P 500 zeigte sich am Freitag stabil mit minus 0,03% auf 4150,53 Zähler. Der Nasdaq 100 (NDX 13'291.99 -0.65%) büsste 0,55% auf 13’237,43 Zähler ein. Er hatte im Juli sogar um 13% zugelegt. Sein Plus in der ersten Augustwoche beträgt aktuell etwas mehr als 2%.

Im Juli schuf die US-Wirtschaft deutlich mehr Arbeitsplätze als erwartet. Zudem wurde der Beschäftigungsaufbau in den beiden Vormonaten nach oben revidiert. In der Corona-Krise war der Arbeitsmarkt zeitweise dramatisch eingebrochen. Mittlerweile hat er sich deutlich erholt und die Unternehmen klagen über Arbeitskräftemangel. Auch die Löhne legten etwas stärker zu als erwartet, während die Arbeitslosenquote auf das Niveau von vor der Corona-Pandemie zurückging.

Die Zahlenflut auf Seiten der Unternehmen ebbte zum Wochenschluss hin ab. Die Aktien des Biotech-Unternehmens Amgen (AMGN 248.39 +0.02%) , das am Vortag nach Börsenschluss seinen Quartalsbericht veröffentlicht hatte, büssten nach einem zunächst sehr schwachen Start nur geringfügig ein. Amgen steigerte dank starker Medikamentenverkäufe im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnisse deutlicher als von Analysten erwartet.

Die Anteile von Lyft (LYFT 19.40 +2.65%) schossen sogar um knapp 11% nach oben. Der Fahrdienstvermittler übertraf mit einem rekordhohen bereinigten operativen Quartalsergebnis (Ebitda) ebenfalls die Erwartungen. Beim Essenslieferdienst Doordash sorgte ein starker Zwischenbericht und ein guter Ausblick für einen Kursanstieg von rund 4%.

In den Blick rückte zudem ein Übernahmevorhaben: Der weltgrösste Onlinehändler Amazon (AMZN 143.55 +2.07%) will den Saug- und Waschroboter-Hersteller iRobot (IRBT 59.71 -0.27%) für insgesamt rund 1,7 Milliarden US-Dollar in bar inklusive Schulden schlucken. Damit wird iRobot mit 61 Dollar je Aktie bewertet. Die iRobot-Aktien sprangen daraufhin um etwas mehr als 19% auf 59,61 US-Dollar hoch, während sich die von Amazon prozentual unverändert zeigten.

Teva profitierten mit etwas mehr als 3% von einem positiven Analystenkommentar der Bank of America (BAC 36.30 +1.09%). Analyst Jason Gerberry verwies zum einen auf die relative Bewertung der Pharmaaktie und sieht nach der Ankündigung des Opioid-Vergleichs durch den Konzern Kurstreiber. Teva mache deutliche Fortschritte, was die Rechtsstreitigkeiten betreffe. Zusammen mit einem soliden Zyklus neuer Produkte für 2023 und 2024 sollte dies ihm zufolge ausreichen, dass Teva wieder zu operativem Ergebniswachstum zurückkehre.

Dollar legt zu

Der Dollar hat nach starken US-Jobzahlen an Wert gewonnen. Der Euro sank auf 1,0166 $ nach 1,0235 am frühen Nachmittag. Vor den US-Arbeitsmarktdaten hatte der Euro noch über 1,02 $notiert.

Auch zum Franken verteuerte sich der Dollar deutlich auf 0,9631 Fr. von zuvor 0,9557 kurz nach dem Mittag. Dagegen zeigt sich der Euro zum Franken mit 0,9790 praktisch unverändert.

Gestützt wurde der Dollar durch starke Daten vom US-Arbeitsmarkt. Der Bericht für den Monat Juli übertraf die Erwartungen merklich. Die Wirtschaft hat deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als prognostiziert. Die Arbeitslosenquote fiel auf 3,5% und erreichte so das Niveau, das sie vor der Corona-Pandemie innehatte. Zudem hat sich das Lohnwachstum weiter beschleunigt, während Analysten eine Abschwächung erwartet hatten.

Der Druck auf die US-Notenbank Fed, die Leitzinsen weiter deutlich anzuheben, bleibt damit hoch. «Fed-Chef Powell hat auf der Pressekonferenz nach der Juli-Sitzung explizit auf die beiden bis zur September-Sitzung anstehenden Arbeitsmarktberichte verwiesen», schreiben die Volkswirte der Commerzbank (CBK 7.14 +3.36%). Eine Abkühlung, die den Inflationsdruck senken könnte, sei nicht erfolgt. «Damit dürften Forderungen nach einem weiteren Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten im Entscheidungsgremium der Fed Rückenwind erhalten.» Höhere Zinsen machen eine Währung für Anleger attraktiver. Der Dollar legte zu allen wichtigen Währungen zu.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84268 (0,84231) britische Pfund, 136,22 (135,81) japanische Yen und 0,9776 (0,9765) Schweizer Franken fest.

Ölpreise legen deutlich zu

Die Ölpreise haben am Freitag zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 96,66 $. Das waren 2,12 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 94.04 +2.66%)) zur September-Lieferung stieg um 1,90 $ auf 90,34 $.

Gestützt wurden die Ölpreise durch einen robusten US-Arbeitsmarkt. Die Beschäftigungs- und die Lohnentwicklung überraschten im Juli deutlich positiv. Der starke Arbeitsmarkt stützt tendenziell die Nachfrage nach Rohöl in den USA.

Trotz der Kursgewinne am Freitag sind die Ölpreise bisher in der abgelaufenen Woche deutlich gefallen. Sie fielen unter ihre Niveaus von zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Wesentlicher Grund sind Rezessionssorgen, die unter anderem auf die straffere Geldpolitik vieler Zentralbanken zurückgehen. Im Vergleich zum Jahresbeginn liegen die Ölpreise aber noch merklich höher.