Märkte / Aktien

SMI schliesst im Plus

Nach den Verlusten vom Vortag befand sich der Schweizer Aktienmarkt am Mittwoch auf Erholungskurs.

(AWP/Reuters) Nach den bewegten Vortagen mit zuletzt deutlichen Abgaben hat der Schweizer Aktienmarkt am Mittwoch zu einem Erholungsversuch angesetzt und fester geschlossen. Dabei konnte sich der Leitindex SMI (SMI 11'197.30 +0.67%) kurzzeitig bis auf wenige Punkte an die 10’900er-Marke heranarbeiten. Händler werteten dies als technische Gegenbewegung und nicht als nachhaltige Erholung. Auch an den anderen Börsenplätzen Europas ging es aufwärts. Gleichwohl überwogen die mahnenden Stimmen. Denn zu den ohnehin schon schwergewichtigen Problemen und Risiken kämen immer neue hinzu, lautete der Tenor. «Die Marktteilnehmer kommen dadurch nicht zur Ruhe, und so werden kurz zuvor eingegangene Aktienpositionen wenig später wieder aufgelöst», erklärte ein Händler.

Das Dilemma sei, dass die Finanzmärkte zwischen Inflation und restriktiver Zinspolitik sowie einer sich abschwächenden Konjunktur feststeckten. «Gute Wirtschaftsdaten unterstützen einen schnellen Zinsanhebungszyklus und schwache Wirtschaftsdaten schüren Rezessionsängste», sagte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect. Dazu kommen geopolitische Faktoren wie der Ukraine-Krieg, die immer stärker drohende Energiekrise sowie die Null-Covid-Politik in China. Als Ergebnis hätten sich die Anleger vorsichtig verhalten. Dies auch, weil um 20.00 Uhr die US-Notenbank Fed ihr jüngstes Sitzungsprotokoll veröffentlicht.

Der SMI schloss unter dem Tageshoch von 10’897 Punkten um 1,29% fester auf 10’840,60 Zählern. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg um 1,42% auf 1655,37 und der breite SPI (SXGE 14'515.94 +0.70%) um 1,34% auf 13’982,10 Zähler. 26 SLI-Werte schlossen höher und vier tiefer.

Gesucht waren Technologiewerte, die nach massiven Kurseinbrüchen und im Sog der am Vortag gestiegenen US-Technologiebörse nun wieder gekauft wurden. Dabei legten Temenos (TEMN 78.26 -0.36%) 3,9% zu. Bei den Aktien der Softwareschmiede fragten sich manche Marktteilnehmer, ob hinter dem Kursgewinn nicht eher Übernahmespekulationen stecken könnten. Diese Spekulationen waren zuletzt zwar abgeklungen, nachdem «The Market» mit Berufung auf informierte Kreise berichtet hatte, eine Übernahme durch Private Equity-Firmen sei angeblich geplatzt. Ebenfalls fester schlossen die Technologietitel Logitech (LOGN 55.32 -0.22%) und VAT sowie am breiten Markt Softwareone, Logitech, Comet (COTN 178.20 +1.95%), Inficon (IFCN 752.00 -0.40%), Sensirion (SENS 114.40 +0.18%) und Ascom (ASCN 7.53 -0.66%).

Angeführt wurden die Gewinner aber von Straumann (STMN 132.45 +2.71%), gefolgt von Partners Group (PGHN 1'006.50 +2.41%), Sonova (SOON 346.10 +0.67%), Lonza (LONN 565.20 +0.89%), Sika (SIKA 242.90 +1.34%), Geberit (GEBN 503.60 +3.24%), Alcon (ALC 73.74 -0.46%) und Richemont (CFR 114.75 +1.77%), die zwischen 3,8 und 1,5% stiegen. Mit ihnen legten (Wachstums-) Werte deutlich zu, die seit Jahresanfang massiv verloren hatten.

Gestützt wurde der Gesamtmarkt von den beiden Schwergewichten Nestlé (NESN 116.48 +0.85%) und Roche. Novartis (NOVN 82.32 +0.33%) hinkten dagegen klar hinterher. Hier wirkte ein Analystenkommentar vom Vortag etwas nach, hiess es. Jefferies hatte sich kritisch über die zuletzt kolportierten Abspaltungs-Szenarien für die Generika-Tochter Sandoz geäussert. Ein Verkauf schüfe mehr Shareholder Value.

Auf Erholungskurs befanden sich konjunktursensiblere Werte wie Adecco (ADEN 32.39 +0.43%), Kühne+Nagel oder ABB (ABBN 28.72 +1.09%), denen zuletzt immer wieder Rezessionsängste zugesetzt hatten. Hier werde die demnächst beginnende Berichtssaison Aufschluss geben. Dabei stünden allerdings die Aussagen zu den Aussichten im Fokus, sagte ein Händler.

Zwar waren die Finanzwerte CS, UBS (UBSG 15.81 +1.64%) +0,3%) und Zurich etwas fester. Sie reihten sich aber dennoch wie Julius Bär (BAER 50.44 +0.40%) und Swiss Re (SREN 73.72 +0.74%) am unteren Ende der Rangliste ein. Ihnen machten die wieder gesunkenen Renditen und Rezessionssorgen zu schaffen, hiess es am Markt. Schwächer schlossen Swisscom (SCMN 509.40 -0.93%) und Holcim (HOLN 44.85 +0.36%).

Am breiten Markt sorgten bei den Aktien der Skan (SKAN 57.00 +0.53%) Group ein freundlicher Analystenkommentar für kräftigen Rückenwind.

US-Börsen vor Fed-Sitzungsprotokollen verhalten

Im Vorfeld der Sitzungsprotokolle der US-Notenbank haben sich am Mittwoch nur wenige Investoren an der Wall Street aus der Deckung getraut. Der Dow-Jones-Index und der breiter gefasste S&P 500 traten bei 30’965 und 3829 Punkten auf der Stelle. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte 0,2% schwächer bei 11’303 Zählern.

Bei der Sitzung Mitte Juni hatte die Fed ihren Leitzins um einen dreiviertel Prozentpunkt erhöht – der grösste Sprung seit 1994. Bei den am Abend (20.00 Uhr MESZ) anstehenden Protokollen suchten die Investoren nun nach Hinweise auf das künftige Zinstempo, sagten Händler. Die Angst der Anleger vor weiteren grossen Zinsschritten und einer daraus resultierenden Rezession spiegelte sich in steigenden Anleihekursen wider, was die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries auf ein Fünf-Wochen-Tief von 2,793% drückte.

Für Furore sorgte eine Partnerschaft von Amazon mit dem Essenslieferanten GrubHub. Der amerikanische Online-Händler beteiligt sich mit 2% an der US-Tochter von Just Eat Takeaway und bietet seinen Prime-Kunden bei einer Mindestbestellgrösse ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu dem Dienst. Die drohende Verschärfung des Wettbewerbs liess die Titel des GrubHub-Rivalen DoorDash um mehr als acht Prozent einbrechen. Aktien des Fahrdienstvermittlers Uber (UBER 32.74 +2.28%), der mit Uber Eats auch Mahlzeiten ausliefert, gaben 2,5% nach.

Die Aussetzung des vor zwei Wochen verhängten Verkaufsstopps für Juul E-Zigaretten in den USA beflügelte hingegen Altria. Die Aktien des Tabakkonzerns stiegen um anderthalb Prozent. Des sehe so aus, als ob die US-Gesundheitsbehörde FDA ihre Entscheidung überdenken könnte, sagte Analyst Owen Bennett von der Investmentbank Jefferies. Juul werde voraussichtlich nur kurze Zeit vom Markt verschwinden – wenn überhaupt.

Aktienmärkte in Asien etwas schwächer unterwegs

Die grössten Börsen in Asien tendieren am Mittwoch schwächer.

In Tokio fällt der Nikkei 225 um 1,1%, der breiter gefasste Topix verliert 1,2%. Auf dem chinesischen Festland gibt der CSI 300 um 1,5% nach, der Shanghai Composite verliert ebenfalls 1,5%. In Hongkong verzeichnet der Hang Seng ein Minus von 1,7%. Für den südkoreanischen Kospi geht es um 1,5% nach unten. In Australien verlieren der ASX 200 und der ASX 300 jeweils 0,3%.

Euro unter 1,02 $

Der Euro ist am Mittwoch erstmals seit 20 Jahren unter 1,02 $ gefallen. Am Nachmittag fiel der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf 1,0162 $. Er kostete damit so wenig, wie zuletzt Ende 2002. Am Morgen hatte der Euro noch rund einen Cent höher notiert. Bereits am Vortag war der Euro um rund zwei Cent eingebrochen.

Auch zum Schweizer Franken schwächelt der Euro weiter und sinkt im Tagestief bis auf 0,9873 Franken. «Das ist – abgesehen vom Chaostag 15. Januar 2015 – ein Allzeittief», sagte Thomas Heller, CIO bei Belvédère Asset Management zu AWP. Aktuell steht der Kurs minim höher bei 0,9886. Laut den Experten der Valiant (VATN 89.80 +0.34%) Bank ist der Auslöser der Euro-Schwäche die Furcht vor einer Energiekrise in Europa, nachdem Russland die Gas-Lieferungen reduziert hat. Der Dollar notiert zur Schweizer Währung unterdessen fast unverändert bei 0,9703 Fr.

Eine Energiekrise könnte die Wirtschaft der Eurozone im Winter in eine Rezession treiben. «Wir müssen uns auf weitere Unterbrechungen der Gasversorgung aus Russland vorbereiten, sogar auf eine vollständige Beendigung», warnte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Schon jetzt seien zwölf Mitgliedstaaten direkt von einem partiellen oder vollständigen Ausfall der Gasversorgung aus Russland betroffen.

«Auf jeden Fall haben die Rohstoff- und Devisenmärkte in den letzten Tagen zunehmend das Szenario einer Gaskrise eingepreist», kommentierte Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte bei der Commerzbank (CBK 7.08 -2.18%). «Der deutliche Anstieg der europäischen Gaspreise ist dafür hinreichender Beleg.» Die USA sind hingegen nicht vom russischen Erdgas (NG - -) abhängig.

Zuvor wurde der Euro schon durch die zurückhaltende Geldpolitik der EZB beim Kampf gegen die Inflation belastet. Sie hat eine Leitzinsanhebung für den Juli um 0,25 Prozentpunkte in Aussicht gestellt. Die US-Notenbank Fed hat im laufenden Jahr den Leitzins hingegen bereits um insgesamt 1,50 Prozentpunkte angehoben. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85676 (0,85845) britische Pfund und 137,71 (139,77) japanische Yen.

Ölpreise setzen Talfahrt fort

Belastet durch Rezessionsängste haben die Ölpreise am Mittwoch ihre deutlichen Vortagesverluste ausgeweitet. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 99,52 $. Das waren 3,24 $ weniger als am Vortag. Damit sank der Brent-Preis erstmals seit dem Ende April unter 100 $. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 88.64 +0.62%)) fiel um 3,18 auf 96,32 $.

Bereits am Dienstag waren die Erdölpreise zeitweise um mehr als zehn Dollar eingebrochen. Vor allem Rezessionssorgen belasten die Preise. Die grosse Unsicherheit wegen des Ukraine-Kriegs drohen die Weltwirtschaft ebenso zu belasten wie der Kampf der Notenbanken gegen die hohe Inflation. In Europa sorgt vor allem die Furcht vor künftig ausbleibenden Erdgaslieferungen aus Russland für Rezessionssorgen. So sind die europäischen Erdgaspreise am Mittwoch im Gegensatz zu den Ölpreisen gestiegen.

Als zusätzlicher Belastungsfaktor wirkt am Ölmarkt der starke Dollar, der Rohöl für Investoren ausserhalb des Dollarraums verteuert und auf deren Nachfrage lastet. Schliesslich wird Rohöl in Dollar gehandelt. So fiel der Euro zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2002.

Nach wie vor befinden sich die Ölpreise auf vergleichsweise hohem Niveau. Gegenüber dem Jahresbeginn ist Rohöl immer noch gut 25% teurer. Hauptgrund ist das durch den Ukraine-Krieg verminderte Angebot an Erdöl aus Russland.

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