Märkte / Aktien

SMI schliesst im Minus

Die Schweizer Börse zeigt sich schwächer. Vor allem Quartalsabschlüsse führen zu Kursbewegungen. Der Euro notiert zeitweise über 1.08 Fr.

(AWP/Reuters/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat sich am Donnerstag leichter präsentiert. Der SMI (SMI 10526.14 0.06%) pendelte bis zum Mittag zwischen Gewinnen und Verlusten. Dann rutschte der Leitindex ab und fand seine Richtung. Nach der Publikation der neusten Daten vom US-Arbeitsmarkt dämmte der SMI seine Verluste zwar etwas ein, verharrte aber bis Handelsschluss in Zürich im negativen Bereich.

Auch in New York verhielten sich die Anleger vorsichtig. So kamen von der Wallstreet kaum Impulse. Der S&P 500 (SP500 3357.01 -0.84%) lag bei Börsenschluss in Europa 0,2% im Minus. Der Dow Jones (Dow Jones 27901.98 -0.47%) notierte 0,1% tiefer. Seitwärts tendierte der Index der Technologiebörse, der Nasdaq Composite. Die Spitzenvertreter der Demokraten und Vertreter des US-Präsidialamts wollen am Donnerstag einen weiteren Versuch starten, sich doch noch auf ein Hilfspaket zu einigen. Dabei geht es vor allem um die Unterstützung der Millionen von Menschen, die in der Coronakrise ihren Arbeitsplatz verloren haben. Allein in der abgelaufenen Woche meldeten sich erstmals 1,2 Mio. Menschen arbeitslos, etwas weniger als erwartet.

Nach wie vor sorgten die steigenden Corona-Infektionszahlen für Verunsicherung. Die Anleger hätten sich aber nicht aus dem Markt zurückgezogen. Sie hielten an ihren Positionen fest, um dabei zu bleiben, solange die US-Börsen nur eine Richtung kennen würden, sagte ein Händler. Aber für Zukäufe gebe es keinen Anlass. Allerdings gebe es bei einzelnen Unternehmen immer wieder Chancen, wenn diese ihre Bilanz veröffentlichen und dies eine Kursreaktion auslöse.

Adecco profitierten von Zahlen

Im SMI schlossen die Aktien von Adecco (ADEN 51.18 -2.7%) im Plus. Der Personalvermittler hatte die Erwartungen im zweiten Quartal übertroffen. Nach einem starken Start der Aktie fokussierten Anleger vermehrt auf den als etwas vage bezeichneten Ausblick, so dass das Papier in den negativen Bereich abrutschte. Es erhielt dann aber von den Konjunkturdaten aus den USA wieder etwas Auftrieb.

Zu den Gewinnern gehörten die Aktien der Sanitärtechnikfirma Geberit (GEBN 529.4 0.08%) und des Industriekonzerns ABB (ABBN 23.65 -0.21%). Die Valoren des Life-Science-Konzerns Lonza (LONN 565.4 0.43%) drehten nach einem guten Start ins Minus. Bis zum Handelsende in Zürich konnten die im Jahresverlauf bisher besten SMI-Valoren die Verluste aber abbauen.

Die Titel der Luxusgüterhersteller Richemont (CFR 64.18 -1.32%) und Swatch Group (UHR 213.8 -1.29%) drehten ins Minus.

Finanzaktien lieferten ein trübes Bild. Die Bankaktien von UBS (UBSG 11.02 -1.17%) und Credit Suisse (CSGN 9.896 -1.39%) bauten ihre anfänglichen Gewinne ab. Auffallend war die Schwäche der Versicherungstitel, von denen Swiss Re (SREN 73.42 -1.42%) am meisten nachgaben. Gebremst wurden sie einerseits von schwachen Quartalsberichten des Konkurrenten Munich Re und von Axa im allgemeinen. Andererseits kommt die Katastrophe von Beirut hinzu. Der Finanzchef der Münchener Rück (MUV2 240.3 0.08%) geht davon aus, dass Beirut für die Versicherung ein Grossschaden werde. «Wenn das für Münchener Rück gilt, könnte das wohl auch Swiss Re belasten», sagte ein Händler. Swiss Life (SLHN 368.7 -0.78%) und Zurich Insurance (ZURN 339.9 -0.32%) gaben im Sog von Swiss Re ebenfalls klar nach.

Die Schwergewichte Nestlé (NESN 109.42 0.02%) und Roche (ROG 341 1.22%) gaben nach, während Novartis (NOVN 82.92 0.75%) ein kleine Plus einfuhren. Novartis hatte in der EU für Xolair in einer weiteren Indikation die Zulassung erhalten.

Dufry erneut höher

Im SMIM (SMIM 2642.204 0.34%) stiegen die Anteile des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 30.36 -1.81%) sowie Flughafen Zürich (FHZN 131.7 -2.23%). Erneut gut aufgelegt präsentierten sich die Chipaktien von AMS (AMS 18.535 1.4%).

Gute Zahlen und ein positiver Ausblick liessen die Aktien des Vakuumventileherstellers VAT Group (VACN 172.8 3.41%) zunächst steigen, im weiteren Handelsverlauf setzen jedoch Gewinnmitnahmen ein.

Die Aktien von Vifor Pharma (VIFN 137.35 0.88%) wechselten mehrfach die Vorzeichen und schlossen etwas leichter. Der Arzneimittelhersteller hatte wegen der Coronakrise seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Enttäuscht hatte das Unternehmen bei Umsatz und Reingewinn sowie mit der für das Gesamtjahr zurückgenommenen Prognose. Lob von Analysten kam dafür für die strikte Kostenkontrolle und das stärker als erwartet ausgefallene operative Ergebnis.

Zur Rose (ROSE 227.5 2.48%) erfreuten sich steigender Kurse. Das überraschend gute Ergebnis des deutschen Konkurrenten Shop Apotheke (SAE 141.8 4.26%) animierte die Anleger zu Käufen des Schweizer Marktführers, hiess es am Markt.

Etwas fester waren Idorsia (IDIA 26.2 1.47%). Das Biotech-Unternehmen hatte in Japan mit dem Schlafmittel Daridorexant eine Studie mit positiven Ergebnissen abgeschlossen.

Die Anteile der Valiant (VATN 83 0.12%) Bank schlossen kaum verändert nach der Bilanzpräsentation. Trotz schwacher Zahlen notierten die Titel der Basler KB (BSKP 62.8 0%) im Plus.

Auch Tecan (TECN 442 0.73%) gewannen. Das Labortechnikunternehmen geht eine Kooperation mit Thermo Fisher Scientific ein, um die Testkapazitäten für Covid-19 «weltweit signifikant auszuweiten». Finanzielle Details der Kooperation wurden keine genannt.

Im breiten Markt ging es bei Relief Therapeutics (RLF 0.47 -7.48%) in nochmals verschärftem Tempo weiter nach oben. Der Titel zog um 170% an. Seit dem vergangenen Freitag, als der «Pennystock» bei gut 3 Rappen aus dem Handel ging, ist der Wert des Unternehmens um den Faktor 13 nach oben schnellt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte eine Genehmigung erteilt, das Mittel RLF-100 (Aviptadil) als innovatives Medikament zum Inhalieren bei mittelschwer und schwer erkrankten Coronapatienten zu testen.

Kein klarer Trend in Asien

Die Aktienmärkte in Asien zeigten sich am Donnerstag uneinheitlich. Der japanische Nikkei 225 fiel um 0,4%, der breiter gefasste Topix um 0,3%. Auch der Hang Seng (–1%) in Hongkong und der chinesische CSI 300 (–0,4%) gaben ab. Dagegen legten der koreanische Kospi (+1,3%) und der australische S&P/ASX 200 (+0,6%) zu.

Euro zum Dollar zeitweise auf Zweijahreshoch

Der Euro stieg am Donnerstag nach robusten deutschen Auftragseingängen erneut über 1.19 $. Mit 1.1916 $ erreichte der Kurs am Morgen zwischenzeitlich den höchsten Stand seit Mai 2018. Der Euro hielt seine Gewinne jedoch nicht, fiel deutlich zurück und kostete kurz vor Börsenschluss in Europa 1.1850 $. Zum Franken schaffte der Euro kurzzeitig ebenfalls den Sprung über die 1.08er-Marke, notierte mit 1.0790 Fr. am Abend aber wieder darunter. Das Dollar-Franken-Paar lag bei 0.91 Fr. Damit erholte sich der Greenback leicht.

Die türkische Lira fiel unterdessen auf ein Rekordtief zum Dollar. Der Dollar stieg im Gegenzug in der Spitze bis auf 7.3081 Lira. Dies ist der höchste jemals erreichte Kurs. Der letzte Rekordstand war im Mai erreicht worden. Am Donnerstag stieg der Kurs um 3,6%. Auch der Eurokurs legte zur Lira deutlich zu und erreichte bei 8.6697 Lira für einen Euro einen neuen Höchststand. Die türkische Notenbank kündigte am Nachmittag, dass sie den starken Kursschwankungen entgegenwirken wolle. Die Aussagen stützen die Lira aber zunächst nicht.

Goldpreis festigte sich über 2000 $

Der Goldpreis legte am Donnerstag zu und festigte sich somit über der Marke von 2000 $. Am Abend kostete die Feinunze des Edelmetalls 2054 $. Der Ölpreis bewegte sich erneut aufwärts. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 43.74 1.2%) lag bei 45.50 $.

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