Märkte / Aktien

Teuerungssorgen setzen Schweizer Börse zu

Der Schweizer Aktienmarkt schliesst nach zunächst grossen Verlusten nur knapp im negativen Bereich.

(AWP/CF) Inflationssorgen haben die Schweizer Börse am Mittwoch belastet. Händler erklärten, die hohen Energiepreise schürten Spekulationen, dass die Teuerungsraten nicht so schnell abebben könnten wie erhofft. Die überraschend starken US-Beschäftigtenzahlen der privaten Arbeitsagentur ADP hätten zudem Befürchtungen Nahrung verliehen, dass die US-Notenbank die Geldschwemme bald drosseln könnte. Die Ankündigung zusätzlicher Gaslieferungen durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin sorgte dann aber für etwas Entspannung am Markt. Der Swiss Market Index (SMI (SMI 12'063.17 +0.06%)) schliesst knapp im Minus nachdem er am Vormittag zeitweise gegen 2% auf den tiefsten Stand seit Mai einbüsste. Der als «Angstbarometer» bekannte Volatilitätsindex zog über 8% an.

Abwärts ging es vor allem für die Luxusgüterwerte. Richemont (CFR 112.15 +0.27%) sackten genauso wie Swatch Group (UHR 244.00 -0.08%) ab. Zu den Verlierern gehörten auch die Grossbanken UBS (UBSG 16.36 +1.8%) und Credit Suisse (CSGN 9.77 +1.41%). Beim Backwarenhersteller Aryzta (ARYN 1.28 +3.49%) hielten die Gewinnmitnahmen an. Der Verpackungshersteller Aluxflexpack litt unter einer Kurszielsenkung durch die Berenberg-Analysten. Dagegen zogen die Aktien des krisenfestern Aromenherstellers Givaudan (GIVN 4'326.00 +0.58%) an. Molecular Partners (MOLN 17.66 -2.54%) profitierten von Hoffnungen auf Fortschritte bei der Entwicklung eines Covid-Medikaments.

Unter Druck standen Swisscom (SCMN 550.40 +0.55%). Händler verweisen auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach der Telekomkonzern den Ausbau des Glasfasernetzes stoppen muss.

Eine Übersicht über die Gewinner und die Verlierer finden Sie hier.

Deutscher Leitindex schliesst unter 15’000 Punkten

Der Dax hat am Mittwochnachmittag seine hohen Verluste vom Vormittag verringert. Dennoch schliesst der deutsche Leitindex erstmals seit Mai unter 15’000 Punkten. Im Handelsverlauf war der Dax aufgrund zunehmender Inflationsängste bis zu 2,5% auf den niedrigsten Stand seit Mai gefallen. Tags zuvor hatte das Börsenbarometer noch um mehr als ein Prozent zugelegt.

Im Leitindex gab es am Mittwoch fast nur Verlierer. Am stärksten unter Druck gerieten die Aktien der Deutschen Telekom. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge platzierte die US-Investmentbank Goldman Sachs (GS 414.75 +0.1%) über Nacht rund 90 Mio. Telekom-Aktien beziehungsweise entsprechende Optionen auf die Anteile bei Investoren. Dies erfolgte im Rahmen eines Finanzierungsgeschäfts des japanischen Technologieinvestors und Telekom-Grossaktionärs Softbank (Softbank 28.80 -0.72%).

Bayer (BAYN 48.46 +0.28%) waren dagegen Spitzenreiter. Der seit Jahren mit milliardenteuren Glyphosat-Rechtstreitigkeiten ringende Agrarchemie- und Pharmakonzern gewann in den Vereinigten Staaten erstmals einen Prozess um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters.

Euro fällt auf 15-Monatstief

Der Euro ist am Mittwoch auf ein 15-monatigen Tiefstand gesunken. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1550 $. Mit 1,1529 $ war der Kurs zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Juli 2020 gefallen.

Verstärkt gesucht ist der Franken. Das Euro/Franken-Paar hat seit dem frühen Handel annähernd einen halben Rappen eingebüsst und wird zu 1,0713 Fr. nach 1,0770 am frühen Morgen gehandelt. Die nicht abbrechenden Sorgen um die Corona-Pandemie sowie die Verlangsamung der globalen Konjunkturerholung belasten den Euro, heisst es in einem Kommentar von Raiffeisen Schweiz.

Ölpreise geben nach Putin-Aussagen merklich nach

Die Ölpreise sind nach ihren jüngsten Höhenflug am Mittwoch merklich unter Druck. Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin belasteten die Ölpreise. Zunächst hatten die Preise noch mehrjährige Höchststände erreicht. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 81,15 $. Das waren 1,41 weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WTI 83.95 +0.51%)) fiel um 1,33 $ auf 77,60 $.

Zuvor waren ein Fass Brent bis zu 83,47 $ und ein Barrel WTI bis zu 79,78 $ wert gewesen. Damit kostete Nordseeöl so viel wie zuletzt vor etwa drei Jahren, der WTI-Preis war auf ein Siebenjahreshoch gestiegen.