Märkte / Aktien

US-Börse zeigt starke Aufholjagd

Während an den Börsen in Europa die Kurse markant fallen, können die amerikanischen Aktien ihre Verluste teils wettmachen.

(AWP/Reuters/SPU/ML) Am Ende reichte es nicht ganz – der Dow Jones (Dow Jones 24370.24 -0.22%) Industrial schloss am Donnerstag doch 0,3% niedriger. Fast hätte der US-Leitindex den Verlust von 3% während des Vormittags aber ganz wettgemacht. Ähnlich spektakulär war auch die Aufholjagd des S&P 500 (SP500 2636.78 -0.04%). Er verkleinerte das Minus von 2,8 auf 0,2%. Der Nasdaq Composite schaffte hingegen die Wende und ging 0,4% höher aus dem Handel.

Angetrieben wurde die Aufholjagd von Technologieaktien wie Amazon (AMZN 1643.24 0.13%) und Microsoft (MSFT 108.59 0.93%). Nicht mithalten konnte hingegen Apple (AAPL 168.63 -0.57%). Der iPhone-Hersteller gab erneut an Terrain preis und ist damit nach den beiden Konkurrenten aus Seattle nur noch das drittschwerste Unternehmen der Welt.

Aber auch andere in den Vorwochen gebeutelte Aktien zeigten ein Comeback. Dazu zählen beispielsweise die Valoren der Immobilienunternehmen D.R. Horton (DHI 35.74 -0.5%) oder LGI Homes mit einem Plus von 1,9 sowie 7,6%.

Investoren erwarten zurückhaltende Geldpolitik

Für eine freundlichere Stimmung sorgte ein Bericht des «Wall Street Journal». Laut diesem überlegt das Federal Reserve, nächstes Jahr eine vorsichtigere Geldpolitik zu verfolgen.

Für die nächste Sitzung vom 18. bis 19. Dezember wird gemäss der Futures-Börse CME zwar noch mit einer Erhöhung von 25 Basispunkten gerechnet. Die Wahrscheinlichkeit ist aber innerhalb eines Tages von 79 auf 71% gesunken. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Erhöhung bis Juni 2019 ist gar von 60 auf 43% gefallen.

Börsen in Europa geben nach

An den Aktienmärkten in Europa dominierte Rot den Handelstag. Auch an der Schweizer Börse tauchten die Kurse. Der Leitindex Swiss Market Index SMI (SMI 8715.08 1.92%) verlor bereits bei Eröffnung 0,8% und gab im weiteren Handelsverlauf noch wesentlich stärker nach. Somit unterschritt er die Marke von 8800 Punkten bereits im frühen Handel. Am späten Nachmittag rutschte er sogar noch unter die Marke von 8700 Punkten. Schon am Vortag hatte der SMI um satte 1,6% nachgegeben.

In Frankfurt rutschte der Dax (DAX 10780.51 1.49%) tief ins Minus. Er fiel um 3,9% auf ein Zweijahrestief und fuhr den grössten Tagesverlust seit zweieinhalb Jahren ein. Der Euro Stoxx 50 (Euro Stoxx 50 3055.32 1.27%) markierte mit einem Abschlag von 3,7% ebenfalls ein Zweijahrestief.

SMI-Banken stark unter Druck

Von den SMI-Titeln schlossen alle tiefer. Zu den grössten Verlierern zählten die beiden Grossbanken UBS (UBSG 12.38 1.77%) und Credit Suisse (CSGN 11.03 1.99%). Bei UBS gibt es im Übrigen mit der US-Fondsfirma Dodge & Cox einen neuen Grossaktionär. Auch Julius Bär (BAER 36.9 3.77%) büssten kräftig ein.

Besonders deutlich ging es zudem mit den Luxusaktien Swatch Group (UHR 290.6 3.27%) und Richemont (CFR 64.1 3.19%) abwärts, für die China ein Schlüsselmarkt ist und die von einem eskalierenden Handelsstreit besonders tangiert wären.

Auch Zurich Insurance (ZURN 295.9 0.48%) schlossen klar leichter. Nach dem Investorentag vom Mittwoch hatte JPMorgan das Rating von «Overweight» auf «Neutral» gesenkt. CEO Mario Greco sagte der Versicherungsbranche zudem in einem Zeitungsinterview einen gewaltigen Veränderungsprozess voraus. «Es ist der perfekte Sturm, der da auf uns zukommt.»

Einbussen verzeichneten ausserdem verschiedene Zykliker wie ABB (ABBN 18.985 1.99%), LafargeHolcim (LHN 42.26 3.63%) und Adecco (ADEN 45.72 1.46%). Das Minus bei Lonza (LONN 306.4 2.37%) war ebenfalls markant.

Wie meist in Schwächephasen verloren die defensiven Titel eher weniger als der Durchschnitt. Doch auch bei Roche (ROG 250.7 1.4%), Novartis (NOVN 86.92 2.36%) und Nestlé (NESN 84.64 1.88%) waren die Einbussen so eindeutig, dass ihr Gewicht den Index nicht stabilisieren konnte.

Tech-Aktien büssten deutlich ein

Am breiten Markt war der Börsengang der Immobiliengesellschaft Fundamenta Real Estate ein Thema. Stark unter Druck waren wegen des Handelsstreits zudem Technologietitel wie AMS (AMS 23.25 9.98%) und Logitech (LOGN 33.4 4.83%).

Die Liste der Aktien mit markanten Verlusten lässt sich nahezu beliebig erweitern: VAT Group (VACN 95.95 3.28%), Dormakaba (DOKA 648.5 0.86%), Clariant (CLN 18.58 0.81%) im SMIM (SMIM 2181.438 1.37%). Die Titel des Backwarenherstellers Aryzta (ARYN 1.2545 0.44%) rauschten erneut nach unten.

Zudem fielen die Valoren des sozialen Netzwerks Asmallworld (ASWN 4.15 0%) zwischenzeitlich ins Bodenlose.

Nach dem starken Jahresergebnis verzeichneten die Aktien des Komponentenherstellers Schaffner (SAHN 281 3.31%) gegen den schwachen Gesamttrend einen Kurszuwachs.

Georg Fischer (FI-N 800.5 2.04%) notierten verglichen mit dem Gesamtmarkt nur geringfügig leichter. Die Industriegruppe hatte zwei Eisengiessereien in Deutschland verkauft. Der Umsatz der Werke beläuft sich auf rund 620 Mio. Fr. jährlich.

Asien mit Abgaben

Die asiatischen Märkte erlitten Verluste. Vor allem viele Technologiewerte in China und Hongkong büssten stark ein. In Tokio sank der Nikkei 225 um 1,9% und der breiter gefasste Topix um 1,8%. Der Hang Seng in Hongkong rutschte um 2,6% ab. Chinas Leitindex CSI 300 verlor 2,2%. Der südkoreanische Kospi gab 1,6% ab, und der australische S&P/ASX 200 verlor 0,2%.

Euro unter 1.13 Fr.

Der Euro zeigte keine klare Richtung. Die Gemeinschaftswährung kostet zum Dollar mit 1.1387 $ etwas mehr. Hingegen notierte das Währungspaar Euro-Franken mit 1.1288 Fr. um 17.30 Uhr MEZ tiefer. Der Dollar wurde zum Franken deutlich tiefer bei 0.9911 Fr. gehandelt.

Ölpreis sackt ab

Der Ölpreis gab während des mit Spannung erwarteten Treffens des Ölkartells Opec massiv nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 60.64 0.8%) lag bei Börsenschluss in Europa bei nur 59 $. Der Goldpreis notierte etwas höher bei 1242 $ pro Feinunze.

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