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SMI: Hoffnung auf «milde» Virus-Variante lässt Kurse steigen

Der Schweizer Aktienmarkt ist mit einer starken Aufwärtsbewegung in die neue Woche gestartet.

(AWP) Am Markt setzte sich am Montag die Meinung durch, die neu aufgetretene Coronavirus-Variante Omikron könnte weniger gesundheitsgefährdend sein als zunächst befürchtet. Der Leitindex SMI (SMI 12'525.63 -0.75%) kletterte von Zyklikern, Finanztiteln und auch von Schwergewichten unterstützt über die Marke von 12’300 Punkten und tastete sich gar bis an das Niveau von 12’400 Zählern heran.

Entscheidend für die kräftige Erholung waren Händlern zufolge hoffnungsvolle Omikron-News. Die Variante dürfte zwar ansteckender sein als die noch vorherrschende Delta-Variante. Bislang sind aber die Krankheitsverläufe mit Omikron eher mild verlaufen. US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci etwa sprach von «ermutigenden» Signalen aus Südafrika, wo die Variante entdeckt worden war. Noch sei es aber zu früh, um Schlüsse zu den Risiken dazu zu ziehen, schränkte er zugleich ein.

Am Montag schloss der SMI um 1,64% höher bei 12’375,35 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg um 1,57% auf 1992,12 und der breite SPI (SXGE 15'882.36 -0.89%) um 1,55% auf 15’781,50 Zähler. Am Ende standen sich im SLI 26 Gewinner und nur vier Verlierer gegenüber.

Die Lage an den Märkten bleibe aber angesichts der Corona- und Inflationssorgen angespannt, meinten Händler. Ausserdem ist an der Börse die Krise am chinesischen Immobilienmarkt zurück im Gespräch: Der hoch verschuldete Evergrande-Konzern versucht, seine Schulden umzustrukturieren. Die Unsicherheiten sind auch am Angstbarometer VSMI abzulesen, das mit gut 20 Punkten weiterhin auf hohem Niveau tendiert.

Unter den Schweizer Blue Chips schlossen am Montag die Titel des Uhrenkonzerns Swatch (+3,9%) den Handel als Tagessieger ab. Die Analysten von Goldman Sachs (GS 380.94 -2.52%) bestätigten ihre Kaufempfehlung für die Aktien des Bieler Unternehmens. Branchennachbar Richemont (CFR 131.10 -1.80%) rückte um 1,3% vor, während sich weitere Zykliker wie Adecco (ADEN 48.85 +0.10%) (+3,0%), Holcim (HOLN 52.00 -0.46%) (+2,7%) oder SGS (SGSN 2'864.00 -1.38%) (+2,3%) ebenfalls weit oben im Kurstableau einreihten.

Julius Bär (BAER 62.86 -1.41%) kletterten um 3,2% in die Höhe. Rückenwind erhielten die Papiere des Vermögensverwalters von der UBS (UBSG 17.82 -0.70%), die Bär neu zum Kauf empfiehlt. Gelobt wurde in einer Studie das Geschäftsmodell und die solide Kapitalausstattung. Im Gegenzug wurden die CS-Aktien von der UBS auf Neutral gesenkt. Die Aktie verlor im Montagshandel zunächst an Wert, drehte aber ins Plus und schloss um 1,3% höher.

Nebst Julius Bär und CS wurden noch eine Reihe weiterer Finanzwerte gut nachgefragt: Swiss Life (SLHN 607.00 -0.13%) gewannen 2,4%, UBS 1,8% oder Zurich 1,7% . Der Finanzkonzern Swiss Life startete am Montag wie angekündigt mit dem bis Mai 2023 laufenden und 1 Mrd. Fr. schweren Aktienrückkaufprogramm.

Ausserdem boten die Aufschläge der Schwergewichte Roche (+1,5%), Novartis (NOVN 82.32 -0.22%) (+1,4%) und vor allem von Nestlé (NESN 120.84 -0.46%) (+2,5%) dem Gesamtmarkt eine äusserst gute Stütze. Roche erhielt in der EU eine Zulassungsempfehlung für das Mittel RoActemra zur Behandlung von Covid-19-Patienten und lancierte einen neuen Corona-Schnelltest.

Die wenigen Blue Chips-Verlierer wurden von Lonza (LONN 646.20 -3.23%) (-1,7%) und Temenos (TEMN 119.00 -1.08%) (-1,3%) angeführt. Die in der Vorwoche von Übernahmespekulationen nach oben katapultierten Vifor (-0,3%) gaben leicht nach.

Im breiten Markt legten Sulzer (SUN 86.60 -3.62%) um 1,8% zu. Die heutige BKW-Chefin (Aktie: +0,3%) Suzanne Thoma übernimmt dort nächstes Jahr das Verwaltungsratspräsidium. Gleichzeitig nimmt der bisherige CEO Greg Poux-Guillaume per Anfang 2022 seinen Hut und wird von Frédéric Lalanne abgelöst.

Die Titel des Reisedetailhändlers Dufry (DUFN 48.70 -1.16%) (+5,7%) oder von Flughafen Zürich (FHZN 180.20 +1.07%) (+2,9%) gewannen mit den Omikron-Hoffnungen dazu. Auf der Gegenseite büssten Zur Rose (ROSE 195.20 -3.37%) 3,8% ein. Auch die Aktien der deutschen Rivalin Shop Apotheke (SAE 108.20 -1.90%) wurden abgestossen.

Für Aufsehen sogte am Markt ausserdem die Ankündigung von VT5 (VT5 10.30 +0.00%) als erster SPAC-Börsengang an der SIX. SPACs sind eine Mantelgesellschaften, die zum Erwerb von nicht kotierten Firmen gegründet werden und diese Firmen nach der Übernahme in den Börsenmantel schlüpfen lassen.

Wall Street eröffnet freundlicher – Tech-Werte unter Druck

Die abnehmende Furcht vor den Folgen der Corona-Variante Omikron hat US-Anleger zum Wochenstart zuversichtlicher gestimmt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg am Montag 1,3% auf 35’020 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 zog 0,4% auf 4555 Zähler an. Dagegen gab der Index der Technologiebörse Nasdaq in den ersten Handelsminuten 0,3% auf 15’035 Punkte nach.«Die Anleger nutzen dies als Gelegenheit, um in Namen einzusteigen, mit denen sie vertraut sind, wie zum Beispiel die grossen Blue-Chip-Werte und sie testen den Markt», sagte Robert Pavlik, Portfolio-Manager bei Dakota Wealth Management. Gefragt waren vor allem Anteilsscheine von Banken und Energiekonzernen. Aktien von Goldman Sachs sowie von Chevron (CVX 128.96 +1.70%) zogen rund 1% an. Dagegen trennten sich US-Anleger von Technologiefirmen wie etwa Microsoft (MSFT 310.20 +1.77%), Google-Eigentümer Alphabet (GOOGL 2'789.61 +0.64%) und Amazon (AMZN 3'242.76 +0.57%).com.

Aus den Depots der Anleger flogen auch Tesla-Papiere, die rund 5% abrutschten. Den Elektroautobauer setzte eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters unter Druck, demzufolge die US-Börsenaufsicht SEC eine Untersuchung eingeleitet hat. Die Behörde reagierte demnach auf einen Tipp, wonach Tesla (TSLA 1'049.61 +1.75%) in seiner Solarsparte jahrelang seine Aktionäre und die Öffentlichkeit nicht ordnungsgemäss über Feuergefahr bei defekten Photovoltaikanlagen informiert habe.

Nvidia-Aktien brachen rund 7% ein, nachdem die EU-Kartellbehörden die Untersuchung der geplanten Übernahme des britischen Chip-Entwicklers Arm vorübergehend auf Eis gelegt haben. Zunächst sollten weitere Informationen eingereicht werden. Auch die Aktien der Konkurrenten Qualcomm und Advanced Micro Devices gaben zum Handelsauftakt nach.

Devisen: Euro gibt zum Dollar etwas nach – etwas höher zum Franken

Der Euro hat am Montag zum US-Dollar etwas nachgegeben. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1275 $, nachdem sie am Mittag noch um die Marke von 1,13 $ notiert hatte.

Der Schweizer Franken ist derweil etwas unter Druck geraten. So notierte der Euro mit zuletzt 1,0431 zum Franken klar höher als am Morgen, als der Kurs noch unter 1,04 Fr. lag. Und der Dollar notiert mit 0,9250 Fr. wieder klar über der 0,92er-Marke.

Auftragsdaten aus der deutschen Industrie enttäuschten die Erwartungen erheblich. Anstatt eines erwarteten leichten Rückgangs ergab sich ein Einbruch um 6,9%. Es ist bereits der zweite deutliche Rückgang innerhalb weniger Monate. Ein wichtiger Grund sind deutlich schwächere Grossaufträge aus Ländern ausserhalb der Eurozone. «Das Infektionsgeschehen in Asien macht sich nun bemerkbar», sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank (VPBN 102.00 +0.00%).

Zu vielen Währungen unter Druck geraten ist neben dem Schweizer Franken auch der japanische Yen. Hoffnungsvollere Nachrichten zur Corona-Variante Omikron drückten auf die Kurse der als vergleichsweise sicher geltenden Währungen. Laut einer Studie aus Südafrika sollen die gesundheitlichen Auswirkungen geringer als befürchtet sein. Die Datenlage zu der neuen Variante gilt aber weiter als dünn. Die Sorge vor einer raschen Ausbreitung hatte zuletzt die Finanzmärkte verunsichert.

Etwas schwächer tendierte der chinesische Yuan. Beobachter verwiesen auf die moderate geldpolitische Lockerung durch die chinesische Notenbank. Die Währungshüter reduzierten den Satz, den Banken zur allgemeinen Risikovorsorge ständig vorhalten müssen. Der Schritt unterstützt die chinesische Konjunktur, die derzeit einigen Gegenwind verspürt. Unter anderem leiden mehrere grosse Immobilienunternehmen unter Zahlungsschwierigkeiten.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85128 (0,85048) britische Pfund und 127,78 (127,97) japanische Yen fest.

Bitcoin bleibt nach Kurseinbruch am Samstag weiter unter 50 000-Dollar-Marke

Nach dem starken Kursrutsch am Samstagvormittag und ihrer teilweisen Erholung haben sich Kryptowährungen am Montagmorgen weiter stabil gehalten. Allerdings liegt der Kurs des Bitcoin, der weltweit bekanntesten Digitalwährung, weiter unter der Marke von 50 000 $. Am Montagmorgen kostete ein Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp rund 49 000 $ und damit in etwa so viel wie am Sonntag. Am frühen Samstag war der Kurs der grössten und bekanntesten Digitalwährung in weniger als einer Stunde um rund ein Fünftel auf knapp 42 000 $ eingebrochen, konnte sich dann bis zum Sonntagabend aber wieder etwas erholen. Ether, nach dem Bitcoin die zweitgrösste Digitalwährung, zeigte einen ähnlichen Kursverlauf.

Ein genauer Grund für das plötzliche Absacken des Bitcoin-Kurses war Experten zufolge nicht direkt ersichtlich. Einer verwies auf die gerade am Wochenende – in dann weniger liquiden Märkten – teils grösseren Schwankungen bei Kryptogeld. Stossen dann einzelne Investoren grössere Positionen ab, kann das stark auf den Kurs drücken.

Hinzu kommt eine aktuell ohnehin eher etwas angespannte Stimmung an den Finanzmärkten. Gründe sind die Ungewissheit über die Folgen der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus sowie die Erwartung, dass die Fed – gezwungen durch die hohe Inflation – ihre in der Corona-Pandemie zur Konjunkturstützung aufgelegten Anleihekäufe schneller zurückfahren dürfte als noch vor kurzem erwartet.

Zudem drückte am Wochenende eine Warnung des chinesischen Immobilienriesen Evergrande vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten auf die Stimmung. Der Konzern steckt bereits seit Monaten in einer tiefen Krise und gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen. Er muss dringend Geld auftreiben, um Anleihegläubiger, Banken und Zulieferer fristgerecht bezahlen zu können. Der Konzern ist so gross, dass einige Experten eine «Ansteckungsgefahr» für Chinas Wirtschaft und darüber hinaus befürchten.

In der neuen Woche richten sich die Blicke der Krypto-Anleger aber auch auf eine Anhörung der Chefs von Unternehmen aus dem Bereich, etwa des Handelsplatzes Coinbase, vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Sie steht am Mittwoch auf der Agenda.

Die Furcht vor einer forcierten Regulierung von Bitcoin & Co könnte zumindest kurzzeitig auf der Branche lasten, sollten sich die Verantwortlichen für eine härtere Regulierung aussprechen, erklärte Analyst Timo Emden von Emden Research. Gerade eine Regulierung in den USA könnte einen signifikanten Einfluss auf die Kurse ausüben. Allerdings: Auch wenn eine härtere Gangart zunächst wohl negativ wäre, sei die notwendig, damit Kryptowährungen als seriöse Anlageklasse reifen können. Und das wäre am Ende positiv.

Preis für Opec-Öl gestiegen

Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist gestiegen. Wie das Opec-Sekretariat am Montag in Wien mitteilte, betrug der Korbpreis am Freitag 71,61 $ je Barrel (159 Liter). Das waren 1,58 $ mehr als am Donnerstag. Die Opec berechnet den Korbpreis auf Basis der wichtigsten Sorten des Kartells.

 

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