Märkte / Aktien

SMI schliesst fester

Die Schweizer Börse gewinnt nach einem schwachen Auftakt. LafargeHolcim stehen im Fokus. Roche und Novartis bremsen. Wallstreet klar im Plus. Der Dollar erstarkt.

(AWP/Reuters/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nach einem schwachen frühen Handel zugelegt. Der SMI (SMI 10'904.24 -0.55%) eröffnete stabil. Im frühen Handel büsste er ein, baute jedoch seine gesamten Verluste noch vor dem Mittag ab. Am frühen Nachmittag drehte der Leitindex in die Gewinnzone. Dank festerer Kurse an Wallstreet baute auch die Schweizer Börse ihre Avancen aus und festigte sich über der Marke von 10’800. Diese Marke konnte der SMI aber bis Handelsende in Zürich nicht halten.

Von Wallstreet kamen erneut positive Signale. Die US-Börsen legten bei Börsenschluss allesamt klar zu. Deutliche Avancen von 1,5% verzeichnete der breit gefasste S&P 500 (S&P 500 3'842.60 -0.15%). Die Technologiebörse Nasdaq Composite zog 2,4% an. Der Dow Jones (Dow Jones 30'609.92 -1.06%) stieg 1%. Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich in besserer Verfassung als erwartet, zumindest haben die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe entgegen der Erwartungen abgenommen. Auch die jüngsten Daten der US-Dienstleister versprühten Hoffnung.

Der Höhenflug des Dax (DAX 13'620.46 -1.81%) ging ebenfalls weiter: Hoffnungen auf eine rasche Überwindung der Coronavirus-Pandemie und Konjunkturhilfen in den USA hievten den deutschen Leitindex am Donnerstag erstmals über die psychologisch wichtige Schwelle von 14’000 Punkten. Bei Handelsschluss in Frankfurt lag er knapp unter dieser Marke.

Zu den übergeordneten Kurstreibern zählten Händler den Wahlsieg der Demokraten bei den Senatswahlen im US-Bundesstaat Georgia. Das wecke die Hoffnung auf weitere Konjunkturpakete, Infrastrukturmassnahmen und höhere Staatsausgaben, wie sie mit dem Parteiprogramm der Demokraten verbunden sind. Das politische Chaos und der Sturm von Trump-Anhängern auf das Capitol sorgten auf politischer Bühne weltweit für Verunsicherung und Sorgen, die Aktienmärkte reagierten aber bisher gelassen.

Alcon deutlich im Plus

Von den zwanzig SMI-Werten bremsten die Schwergewichte Roche (ROG 320.20 -0.85%) und Novartis (NOVN 83.82 -0.6%) den Markt. Die andere Index-Grösse Nestlé (NESN 103.82 +0.45%) drehten im späten Handel sogar ins Plus. Stärker zeigten sich die Aktien des Augenkonzerns Alcon (ALC 66.66 +0.6%), der in den USA die Intraokularlinse Vivity auf den Markt gebracht hatte.

Bei LafargeHolcim (LHN 48.55 -1.68%) filen die Reaktionen auf die Bestätigung der jüngsten Gerüchte positiv aus. Der Baustoffkonzern machte wie erwartet eine Grossübernahme im Bereich Dachsysteme und verstärkt damit insbesondere das US-Geschäft. Er übernimmt die Division Firestone Building Products von Bridgestone Americas. Die Transaktion hat einen Wert von 3,4 Mrd. $. Entsprechende Spekulationen hatten seit Wochenbeginn die Runde gemacht.

Klar höher notierten die Aktien der Luxusgüterhersteller Swatch Group (UHR 252.90 -1.02%) und Richemont (CFR 82.76 -1.15%).

Credit Suisse (CSGN 11.80 -1.71%) knüpften an den starken Vortag an. Bei JPMorgan hatten die Experten eine Kaufempfehlung für die Papiere ausgesprochen. Auch UBS (UBSG 13.08 -1.17%) legten zu. Die Bankaktien hatten zuletzt von den steigenden Zinsen am US-Bondmarkt profitiert. Zudem haben sie nach der teilweise sehr schwachen Performance 2020 noch Potenzial.

Der Warenprüfkonzern SGS (SGSN 2'745.00 -0.72%) kam mit der Übernahme des britischen Lebensmitteltestlabors ADS ganz gut an.

Auch die Valoren des Bauchemieherstellers Sika (SIKA 243.50 -1.7%) lagen im Plus. Der französische Mitbewerber Saint-Gobain hatte deutlich bessere Zahlen vorgelegt als erwartet.

Givaudan (GIVN 3'719.00 -0.21%) handelten im Minus. Bei dem Aromen- und Duftstoffhersteller machte sich eine Abstufung durch den Broker Liberum negativ bemerkbar. Aus Bewertungsgründen hatten die Experten das Rating von «Buy» auf «Hold» gesenkt.

Gesundheitswerte schwächer

Im SMIM (SMIM 2'853.51 -0.66%) gewannen die Aktien von Kühne + Nagel (KNIN 205.60 +0.05%). Der Logistikkonzern wird für den US-Konzern Moderna den Vertrieb des Coronaimpfstoffs übernehmen. Gemäss einer Vereinbarung der beiden Firmen werde man Impfstoffdosen in Europa, Asien, dem Nahen Osten, Afrika sowie in Teilen Amerikas transportieren.

Die Tech-Werte präsentierten sich uneinheitlich. Die Aktien des Banksoftwarespezialisten Temenos (TEMN 115.10 -0.17%) gehörten zu den Verlierern. Derweil drehten AMS (AMS 21.99 +0.64%) ins Plus, dabei stehen die Österreicher vor einer neuen Hürde bei der Übernahme von Osram. Logitech (LOGN 92.60 +1.87%) stellten die grössten Gewinner im SMIM dar.

Stärker präsentierten sich Valoren aus dem Industriesektor. Dazu gehörten die Chemiekatien von Clariant (CLN 19.04 -0.7%), aber auch die Papiere des Industriekonzerns Georg Fischer (FI-N 1'101.00 -3.34%) oder des Rolltreppen- und Liftherstellers Schindler (SCHP 236.20 +0.3%).

Gesundheitswerte wie Straumann (STMN 997.60 -4.17%) oder Sonova (SOON 227.50 +0.18%) gaben nach.

Im breiten Markt fielen Addex (ADXN 1.65 -3.23%) nach unten aus dem Rahmen. Das Biotech-Unternehmen hatte am Morgen die Details zur Kapitalerhöhung genannt.

Die Aktien von Meyer Burger (MBTN 0.35 -3.63%) stiessen auf eine gute Nachfrage. Impulse gingen dabei vom Sieg der beiden demokratischen Senats-Kandidaten im US-Bundesstaat Georgia aus. Dank diesem Sieg sind zusätzliche staatliche Fördergelder für die Solarindustrie unter dem künftigen Präsidenten Joe Biden wahrscheinlicher geworden. Für Meyer Burger kämen solche gerade gelegen, will der Solarzulieferer doch in die Herstellung von Solarzellen vorstossen, hiess es am Markt.

Mehrheitlich freundliche Stimmung in Asien

In Asien sorgte der Durchmarsch der US-Demokraten ebenso wie an Wallstreet (Mittwoch) für freundliche Stimmung. Der Nikkei 225 notierte mit einem Aufschlag von 1,6%. In einem ähnlichen Ausmass legte der breit gefasste Topix zu. Der koreanische Kospi kletterte um mehr als 2%. Der Shanghai Composite schloss fester mit einem Plus von 0,7%. Einzig die Börse in Hongkong gab nach, um 0,4%.

Dollar markant im Plus

Der Dollar zog am Donnerstag gegenüber Euro und Franken kräftig an. Der Kurs des Euros fiel zum Dollar folglich deutlich unter die Marke von 1.23 $ und entfernte sich damit vom jüngsten Mehrjahreshoch. Bei Börsenschluss in Europa handelte die Gemeinschaftswährung bei 1.2260 $, nachdem sie am Mittwoch bei 1.2349 $ den höchsten Stand seit April 2018 erreicht hatte. Auch der Franken büsste zum Greenback klar an Terrain ein. So eroberte der Dollar mit 0.8850 Fr. die Marke von 88 Rappen zurück. Der Euro handelte zur Schweizer Währung etwas höher bei 1.0850 Fr.

Ölpreis auf zehnmonatigem Höchststand

Der Ölpreis legte weiter zu und erreichte einen neuen zehnmonatigen Höchststand. Ein knapperes Angebot und ein fallender Lagerbestand in den USA trieben die Preise. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 56.04 -0.04%) 54.50 $. Der Goldpreis notierte minimal leichter, bei einem Kurs von 1917 $ pro Feinunze.

Neues Allzeithoch in Bitcoin

Der Wert der Kryptowährung Bitcoin (Bitcoin 29'715.00 -8.9%) stieg weiter. Am Donnerstag setzte sich der Höhenflug fort und der Kurs auf der Handelsplattform Bitstamp stieg deutlich über die Marke von 38’000 $. Alleine im Verlauf der vergangenen sieben Tage hat der Bitcoin damit nochmals ein Drittel an Wert zugelegt.

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