Märkte / Aktien

SMI geht stabil ins Wochenende

Die Schweizer Börse zeigt sich unentschlossen. Doch Finanzaktien gewinnen. Anleger reagieren negativ auf den US-Arbeitsmarktbericht.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat sich zu Wochenschluss nach dem jüngsten Kursrutsch stabilisiert. Der Leitindex SMI (SMI 12'633.21 +0.86%) notierte bei Eröffnung 0,3% leichter und damit klar unter 12’800. Im weiteren Handel baute er seine Verluste ab und drehte nach dem Mittag in die Gewinnzone. Am Nachmittag pendelte er um den gestrigen Schlusskurs, er schloss letztendlich unverändert.

Der US-Arbeitsmarktbericht fiel schwach aus. Nur 199’000 neue Stellen waren im vergangenen Monaten entstanden. Der vom Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung ausgegangene Zinsschreck hatte zuvor Dividendenpapiere rund um den Globus nach unten geschickt.

Anleger an den US-Börsen tendierten zum Verkaufen. Die drei Wallstreet-Indizes gaben bei Börsenschluss in Europa allesamt nach. Der S&P 500 lag 0,4% im Minus. Der Dow Jones verlor 0,1%. Verluste in Höhe von 0,8% verzeichnete die Technologiebörse, gemessen am Nasdaq Composite.

Finanzwerte gesucht

Die Anleger nahmen nach Händlerangaben erneut kräftige Umschichtungen und Sektorrotationen vor, ausgelöst von der Aussicht auf steigende Zinsen. Das Einpreisen einer restriktiveren Zinslandschaft in den USA werde noch eine Zeit dauern.

Davon profitierten erneut Finanzwerte wie UBS (UBSG 17.98 +0.93%) und Julius Bär (BAER 63.52 +1.05%). Die Aussicht auf höhere Zinsen sorge für Nachfrage, hiess es im Handel. Auch die Versicherer Swiss Re (SREN 97.00 +1.34%), Swiss Life (SLHN 611.40 +0.72%) und Zurich Insurance (ZURN 439.60 +1.08%) wurden gekauft.

Ausgebremst werden hingegen Credit Suisse (CSGN 9.3300 -2.26%) durch eine Abstufung von Exane BNP Paribas (BNPp 66.05 -0.36%) von «Neutral» auf «Underperform». Bei Partners Group (PGHN 1'358.50 -0.48%), dem weniger zinssensitiven Spezialisten für alternative Anlagen, wurden hingegen Gewinne eingestrichen.

Schwach präsentierten sich erneut Logitech (LOGN 76.38 -0.18%), die Aktien des Computer- und Gamingzubehörherstellers hatten gestern deutliche 5% nachgegeben. 2021 hatten sie mit einem Verlust von 10% abgeschlossen, zählten also zu den wenigen Verlierern im Gesamtmarkt in einem ansonsten hervorragenden Börsenjahr. Mit Geberit (GEBN 651.80 +0.03%) und Sika (SIKA 334.70 +1.24%) büssten auch andere Zykliker ein.

Die defensiven Schwergewichte präsentierten sich am Berichtstag uneinheitlich: Nestlé (NESN 121.94 +0.91%) verloren deutlich, während Roche klar und Novartis (NOVN 82.45 +0.16%) leicht zulegten. Dabei hatte Novartis, wie Händler berichten, in den letzten Tagen beim Aktienrückkaufprogramm einen Zacken zugelegt. Alcon (ALC 71.92 +1.04%) waren am Ende des SMI-Tableaus zu finden.

Zudem verpuffte der Erholungsversuch in Richemont (CFR 135.85 +3.62%). Dabei gab es Rückenwind von Analysten. Goldman Sachs (GS 380.94 -2.52%) erachtet die Aktien des Luxusgüterkonzerns als attraktiv und hatte das Kursziel erhöht.

AMS Osram (AMS 16.19 +0.31%) legten zu. Der Hersteller von Sensoren profitiert laut Händlern von positiven Aussagen des Rivalen STMicroelectronics zum Schlussquartal.

Straumann (STMN 1'674.50 +1.42%) und Sonova (SOON 327.70 +1.96%) verloren. Gerade die beiden Medizinaltechniker hatten 2021 mit einer hervorragenden Kursperformance geglänzt.

Besonders schwach waren wieder einmal Zur Rose (ROSE 192.40 -1.43%). Die Aktien der Versandapotheke leiden weiterhin darunter, dass das E-Rezept in Deutschland verspätet eingeführt wird.

Im breiten Markt gewannen Basilea (BSLN 44.00 +1.52%). Das Biopharmaunternehmen hatte von seinem Partner Astellas Pharma erneut eine Meilensteinzahlung erhalten. Diesmal waren es 15 Mio. Fr., weil der Umsatz mit dem Antimykotikum Cresemba einen Schwellenwert überschritten hatte.

Spät im Handel weiteten Swissquote (SQN 168.00 +2.94%), die Aktien der Onlinebank, ihre Verluste deutlich aus.

Die Aktien der CPH (CPHN 60.00 +0.00%) waren zeitweise vom Handel ausgesetzt. Grund waren Nachrichten während des Nachmittags: Die CPH Chemie+Papier-Gruppe ist Opfer von Hackern geworden.

Asien mehrheitlich im Plus

Die Börsen in Asien zeigten am Freitag vielerorts ein erfreuliches Bild. In Tokio notierten der Nikkei 225 und der breiter gefasste Topix unverändert. Der Hang Seng in Hongkong avancierte 1,8%, und auf dem chinesischen Festland notierte der CSI 300 0,5% höher. Der Shanghai Composite stand 0,3% im Plus, und der koreanische Kospi stieg 1,2%. Auch die australischen Indizes ASX 200 und ASX 300 notierten 1,3% fester.

Euro klar fester

Der Euro legte am Freitag nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts zu. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1.1347 $. Im frühen Handel hatte sie noch knapp unter 1.13 $ notiert. Auch zum Schweizer Franken gewann der Euro Terrain und stieg bis Börsenschluss in Europa auf 1.0438 Fr. von 1.0410 Fr. noch am Morgen. Derweil büsste der Dollar im Tagesverlauf erzielte Gewinne wieder ein und wurde um 17.30 Uhr MEZ bei exakt 92 Rappen gehandelt.

Bitcoin unter Druck

Der Ölpreis zeigte sich am Freitag unentschlossen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend rund 82 $. Am Donnerstag war der Preis für US-Öl noch um etwa 3% und der für Brent-Öl um mehr als 2% gestiegen. Am Markt wurde unter anderem auf Unruhen im Förderland Kasachstan verwiesen. Mittlerweile hat Russland Soldaten in den zentralasiatischen Staat verlegt.

Gold verharrte nach den jüngsten Verlusten unter 1800 $. Die Feinunze lag bei 1791 $.

Bitcoin setzte den Abwärtstrend fort. Die grösste Cyberdevise büsste deutlich ein und kostete um 17.30 Uhr MEZ am Freitag rund 41’500 $.

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