Märkte / Aktien

SMI schliesst über 9500

Der Schweizer Aktienmarkt legt zu, kann die Marke von 9600 aber nicht halten. Zyklische Titel ziehen an. Defensive bleiben zurück. Der Dollar schwächelt.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Dienstag fester beendet. Von den frühen Avancen blieb am Abend allerdings nur wenig übrig. Der Swiss Market Index SMI (SMI 9831.49 -0.95%) notierte bei Eröffnung 1,7% höher und damit klar über der Marke von 9600. Am Nachmittag kam der SMI deutlich zurück. Die Schwergewichte belasteten den Leitindex. Mit den Avancen bleiben die hiesigen Aktien auf dem vor zwei Wochen eingeleiteten Erholungskurs, der dem Leitindex SMI bereits am Vortag ein Plus von über 2% beschert hatte.

In Frankfurt festigte sich der Dax (DAX 11586.85 -1.65%) über der Marke von 10’000 und wies den höchsten Schlussstand seit über vier Wochen aus. In New York stiegen die Aktien mehrheitlich erneut, nachdem es gestern an der Wallstreet zu einem Kurssprung von 7% gekommen war. Alle drei Hauptindizes lagen bei Handelsende in Zürich klar im Plus. So legte der Dow Jones (Dow Jones 25383.11 -0.07%) 2,8% zu. Der breiter gefasste S&P 500 (SP500 3044.31 0.48%) avancierte 2,4%. Ein Plus von 1,6% verzeichnete der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite.

Dass sich die Anzahl neuer Fälle in «Hotspots» wie New York, Spanien, Italien oder Frankreich stabilisiere, bedeute zwar noch nicht das Ende der einschränkenden Massnahmen, hiess es in Marktkreisen. Es gebe den Investoren aber zumindest den Eindruck von etwas Licht am Ende des Tunnels. Neue Konjunkturdaten aus Deutschland scheinen die Märkte eher kaltzulassen: Die dortige Industrieproduktion ist zwar im Januar und Februar besser ausgefallen als erwartet, das hilft bei der Überwindung der Coronakrise aber nicht mehr viel. Laut dem Ifo-Institut wird wegen dieser Krise für die kommenden drei Monate ein massiver Rückgang der Produktion erwartet, was auch die Schweizer Zulieferer betrifft.

Defensive können nicht mithalten

Unter den Schweizer Blue Chips waren einmal mehr konjunktursensitive Aktien besonders gesucht. Adecco (ADEN 45.62 -2.25%) sowie ebenfalls starken Givaudan (GIVN 3447 0.5%), LafargeHolcim (LHN 39.74 -0.48%) und ABB (ABBN 18.89 -2.05%) schlossen höher. Fester zeigten sich auch die Luxusgüteraktien Swatch Group (UHR 191.9 -1.72%) und Richemont (CFR 55.88 -1.59%). Mit Blick auf Richemont ist im Markt unter anderem von einer noch immer attraktiven Bewertung trotz der jüngsten Aufwärtsbewegung die Rede.

Auch die Aktien der Grossbanken UBS (UBSG 10.3 -1.86%) und Credit Suisse (CSGN 8.768 -3.96%) fuhren Gewinne ein.

Defensive Werte gerieten indes im Verlaufe des Nachmittags unter Druck. So drehten Novartis (NOVN 83.03 -0.42%) ins Minus. Auch Nestlé (NESN 103.86 0.99%) schlossen tiefer. Als Belastung erwiesen sich vor allem Roche (ROG 332.7 -2.51%), die klar nachgeben.

Alcon (ALC 61.88 1.38%) verloren ebenfalls. Das Unternehmen hatte am Morgen angekündigt, dass die Dividende für das vergangene Geschäftsjahr gestrichen wird, ebenso wie der bisherige Ausblick. Der Lockdown in verschiedenen Ländern habe dazu geführt, dass Augenbehandlungsverfahren und -untersuchungen in zahlreichen Ländern verschoben würden, hiess es dazu. Dies werde sich voraussichtlich auf die finanziellen Ergebnisse von Alcon auswirken.

Dufry und Flughafen Zürich erholt

Im SMIM (SMIM 2448.219 -0.61%) setzten Dufry (DUFN 28.33 -4.39%) den Erholungskurs fort, nachdem die Aktien des Reisedetailhändlers von diesjährigen Höchststand von 100 Fr. auf 19 Fr. abgestürzt waren. Klar fester notierten auch Flughafen Zürich (FHZN 132.2 1.38%).

Technologiewerte wie AMS (AMS 14.45 -4.84%) oder Temenos (TEMN 146.7 -0.2%) gehörten zu den Gewinnern unter den mittelgrossen Aktien. Logitech (LOGN 56.68 2.35%) fielen aus der Reihe. AMS knüpften nach der rasanten Talfahrt seit Februar bis auf den Mehrjahrestiefststand von 7.79 Fr. an die Erholungsbewegung an und legten erneut zu. In Marktkreisen wird die Gruppenbildung zwischen den Aktionären UBS und HSBC (5 369.6 -3.59%) als Zeichen dafür verstanden, dass sich die beiden Banken nicht so schnell von ihren Aktien trennen werden.

Im breiten Markt fielen Ascom (ASCN 6.91 0.58%) auf, getragen von einem neuen Auftrag für ein Spitalnetzwerk in den USA.

Schmolz + Bickenbach (STLN 0.1708 0.35%) gewannen. Das Unternehmen hatte einen Umbau des Verwaltungsrats angekündigt und den Aktionären insgesamt sechs neue Mitglieder zur Wahl vorgeschlagen. So tritt etwa Grossaktionär Martin Haefner ab und lässt sich neu vertreten.

Der Wert der Aktien von Relief Therapeutics (RLF 0.0216 -5.26%) steigerten sich massiv. Das Biotechnologieunternehmen hatte über den Start einer Studie mit dem Mittel Aviptadil berichtet, das auf seine Tauglichkeit zur Behandlung von Covid-19 beziehungsweise den damit verbundenen Atembeschwerden (ARDS) getestet werden soll.

Asien im Plus

Die positiven Vorgaben aus den USA schoben die asiatischen Aktienmärkte am Dienstag den zweiten Tag in Folge an – wenngleich die Kurse nicht ganz so stark steigen wie an der Wallstreet am Vortag. Der Nikkei 225 gewann 2%, der breiter gefasste Topix legte 2% zu. Der Hang Seng in Hongkong rückte um 1,3% vor, Chinas Leitindex CSI 300 schloss 2,3% im Plus, nach einem Feiertag am Montag. Der südkoreanische Kospi stieg 1,8%, der australische S&P/ASX 200 fiel dagegen um 1,3%.

Dollar büsste klar ein

Euro und Franken legten am Dienstag gegenüber dem Dollar massiv zu. Marktteilnehmer begründeten die Zunahme mit neuen Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus, die vor allem in Europa Hoffnung auf Besserung weckten. Bei Börsenschluss in Europa kostete die Gemeinschaftswährung 1.0885 $. Der Dollar gab zum Franken markant nach und kostete 0.9707 Fr. Der Euro notierte gegenüber dem Franken mit 1.0565 Fr. nach zwischenzeitlichen Avancen kaum verändert.

Ölpreis leichter

Der Ölpreis notierte am Dienstagabend tiefer. Um 17.30 Uhr MESZ kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 37.56 -0.16%) 33 $. Der Ölpreis war im Zuge der stockenden Entwicklung im Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland abgerutscht. Gold (Gold 1729.87 0.51%) zeigte sich etwas leichter, aber bei einem Stand von 1656 $ komfortabel über der Marke von 1600 $ pro Feinunze.

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