Märkte / Aktien

SMI schliesst bei 10’200

Die Schweizer Börse dämmt ihr Minus ein. Pharmaschwergewichte und Finanzwerte sind schwächer. Wallstreet handelt uneinheitlich.

(AWP/SPU) Die Schweizer Börse hat am Dienstag ein Minus eingefahren. Der SMI (SMI 10539.17 0.19%) notierte bei Eröffnung 0,2% tiefer. Im frühen Handel baute er seine Verluste aus. Die Marke von 10’200 fiel. Bis in den Nachmittag verharrte der SMI auf diesem Niveau. Nach Eröffnung der Wallstreet baute er einen Teil der Verluste ab und arbeitete sich wieder über die Marke von 10’200. Am Vortag hatte der Leitindex um satte 1,3% angezogen. Nach dem fulminanten Wochenauftakt würden die Investoren nun zuerst einmal durchatmen, hiess es zur Begründung.

Aus New York kam auch kaum Schwung für die europäischen Aktienmärkte. Die drei Hauptindizes an der Wallstreet notierten bei Börsenschluss in Europa uneinheitlich. Der S&P 500 (SP500 3319.46 -1.12%) verlor 0,1%. Der Dow Jones (Dow Jones 27657.42 -0.88%) lag 0,7% im Minus. Der Nasdaq Composite drehte ins Plus und markierte mit einem Plus von 0,5% ein neues Rekordhoch.

Die Euphorie vom Vortag sei aber verflogen, meinten Händler. Und sie sei bei genauer Betrachtung wohl auch übertrieben gewesen. Als Hauptauslöser für die gute Stimmung vom Wochenstart galt, dass die chinesische Regierung via die staatlichen Medien Aufbruchstimmung verbreitete. Nun aber rückten die Coronafolgen wieder in den Vordergrund. Zwar gehe das Gros der Investoren nach wie vor davon aus, dass die Pandemie «beherrschbar» bleibe, so ein Händler. «Ansonsten wären die aktuell hohen Bewertungen auch nicht zu erklären.» Gleichwohl werde jedoch wieder verstärkt über «Themen» nachgedacht, die die Märkte in den nächsten Monaten aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Die Stichworte dazu lauten: zweite Welle, US-Wahlen und Schuldenwirtschaft.

Finanzwerte schwächer

Neuigkeiten zu den einzelnen Unternehmen waren am Berichtstag rar. Unter den SMI-Papieren wiesen Geberit (GEBN 528.4 -0.11%) ein leichtes Plus aus. Die Aktien des Sanitärtechnikers hatten gestern nach der Zahlenvorlage nicht mit dem Markt mithalten können.

Gewinne verzeichneten auch die Luxusgüterhersteller Richemont (CFR 63.76 -1.97%) und Swatch Group (UHR 215.6 -0.46%). Lonza (LONN 572.2 1.63%) schlossen fester, nachdem die Aktien des Life-Science-Konzerns zwischenzeitlich durch Gewinnmitnahmen ins Minus gedrückt worden waren.

Novartis (NOVN 82.93 0.77%) verloren trotz der Meldung, dass die Europäische Kommission grünes Licht für die Asthmatherapie Enerzair Breezhaler gegeben hatte. Zudem  belasteten die Abgaben von Roche (ROG 343.1 1.84%) den Index. Die Aktien des Augenheilspezialisten Alcon (ALC 53.92 0.33%) präsentierten sich ebenfalls schwächer.

LafargeHolcim (LHN 43.61 -0.77%) wurden womöglich durch Nachrichten aus Deutschland belastet. Der Konkurrent HeidelbergCement schreibt 3,4 Mrd. € ab.

Abwärts ging es auch mit Credit Suisse (CSGN 9.792 -2.42%), die am Vortag noch zu den grössten Gewinnern gezählt hatten. Hier belaste, dass die UBS-Analysten ihre Kaufempfehlung zurückgenommen hätten, hiess es im Handel. Das sei vor allem auf symbolischer Ebene ein bedeutsamer Schritt. Denn die Kaufempfehlung habe seit vielen Jahren bestanden. Auch UBS (UBSG 10.98 -1.52%) gaben nach. Ebenfalls schwächer präsentierten sich mit Swiss Re (SREN 73.2 -1.72%), Zurich Insurance (ZURN 344.2 0.94%) und Swiss Life (SLHN 369.3 -0.62%) die Aktien der Versicherer.

Schindler gesucht

Ausserhalb des SMI schlossen Schindler (SCHP 256.4 1.83%) im Plus. Die Papiere des Lift- und Rolltreppenbauers erhielten Auftrieb von gleich zwei Aufstufungen, nämlich durch UBS und durch Berenberg. Beide Institute empfehlen die Aktien neu zum Kauf.

Einen schweren Stand hatten Sonova (SOON 220.2 -0.99%), die damit einen Teil der Gewinne vom Vortag einbüssten. Am Montag hatten die Papiere des Hörgeräteherstellers nach der Vorlage von Zahlen um über 5% zugelegt.

Mit Temenos (TEMN 134.85 -1.64%) und Logitech (LOGN 64.78 1.43%) büssten zwei der SMIM-Technologiewerte ein. AMS (AMS 18.2 -0.44%) legten derweil weiter zu. Die Chipaktien waren gestern bereits deutlich gestiegen. Die Österreicher dürfen Osram laut EU-Kommission übernehmen.

Im späten Handel zogen MCH Group (MCHN 14.25 -0.35%) klar an. Laut FuW-Informationen kann es zu einem Bieterkampf um die Messebetreiberin kommen.

Am breiten Markt fielen unter anderem Zur Rose (ROSE 234.5 5.63%) auf. Das Papier markierte im Handelsverlauf ein neuerliches Rekordhoch. Eine deutliche Kurszielerhöhung von Barclays (BARC 97.84 -3.13%) verlieh dem Highflyer weiteren Schub. Seit Anfang Jahr haben sich die Titel damit im Wert beinahe verdreifacht.

ObsEva (OBSV 2.8 1.82%) wandelten erneut ein kräftiges Plus in ein dickes Minus um. Sie wiederholten damit in etwas die Vortagesentwicklung, nur mit weniger krassen Ausschlägen.

Chinas Börsen zogen an

Ausserhalb der Börsen in Festlandchina war die Stimmung an den asiatischen Aktienmärkten am Dienstag verhalten. Der japanische Nikkei notierte 0,6% im Minus. Der Hang Seng in Hongkong stand 0,2% tiefer. Der Kospi in Seoul verlor 0,6%.

In Festlandchina setzte sich die Rally dagegen fort. Der Shanghai Composite legte 1,5% zu, nachdem er am Montag schon 5,7% gewonnen hatte. Der technologieorientierte Shenzhen Component schloss gar 2,1% im Plus. Die chinesischen Staatsmedien feuern die Anleger zum Aktienkauf an und haben erklärt, ein «gesunder Bullenmarkt» sei für die durch die Pandemie belastete Wirtschaft nun sehr wichtig.

Euro wieder unter 1.13 $

Der Euro gab am Dienstag etwas nach. Enttäuschende Wirtschaftsdaten aus dem Währungsraum belasteten. Am Abend kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1.1286 $. Im frühen Handel hatte sie noch über 1.13 $ notiert. Auch gegenüber dem Franken schwächte sich der Euro ab. Er kostete bei Börsenschluss noch 1.0626 Fr. Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 4950 1.23%)) stiegen im Juni um 33,56 Mrd. auf 850,11 Mrd. Fr. Ob und allenfalls wie stark die SNB im Juni am Devisenmarkt interveniert hat, um der Frankenstärke entgegenzuwirken, ist aus den Zahlen aber nicht genau herauszulesen. Der Dollar ging derweil zu 0.9415 Fr. um.

Goldpreis fester

Der Ölpreis drehte am Dienstag ins Plus. Bei Börsenschluss kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 43.06 -0.37%) 43 $. Der Goldpreis zog im späten Handel an und lag um 17.30 Uhr bei 1794 $ pro Feinunze.