Märkte / Aktien

SMI zieht weiter an

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag zum dritten Mal in Folge mit klar festeren Kursen geschlossen.

(AWP/Reuters) Marktteilnehmern zufolge preisten die Börsianer einen Teil des zuletzt sehr hohen Pessimismusniveaus wieder aus. Händler bezweifeln aber, dass der Anstieg wirklich von Dauer sein wird. Denn die Stimmung an sich sei weiterhin schlecht und lade die Investoren nicht zu grösseren Aktienkäufen ein.

Denn sollte es wirklich zu einer Rezession kommen, dürften die Kurse wieder unter Druck geraten, sagte ein Händler. Gleichzeitig hat die US-Notenbank bekräftigt, die Zinsen schneller anzuheben, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen. In diesem Zusammenhang rückt der Blick der Anleger bereits auf den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht für Juni vom morgigen Freitag. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe haben die Märkte derweil kaum bewegt.

Der Swiss Market Index (SMI (SMI 11'128.19 -0.02%)) rückte am Berichtstag um 0,93% auf 10’940,98 Punkte vor. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, legte um 1,28% auf 1676,51 und der breite SPI (SXGE 14'383.52 -0.17%) um 0,96% auf 14’115,99 Zähler zu. Im SLI schlossen einzig Nestlé (NESN 116.86 +1.42%) im Minus.

Ermutigende Aussagen des koreanischen Technologieriesen Samsung schob die Aktien der hiesigen Branchenvertreter AMS Osram (AMS 7.78 -6.06%), Logitech (LOGN 53.82 -2.39%) und VAT Group (VACN 257.60 -2.50%) an. Das färbe auf die ganze Branche und die Zulieferer ab, sagte ein Händler.

Mit zu den grössten Gewinnern zählten zyklische Papiere wie ABB (ABBN 28.50 -1.72%), Sika (SIKA 240.40 -1.23%), Adecco (ADEN 32.67 -3.03%) oder Schindler (SCHP 175.00 -3.02%), die zuletzt arg gebeutelt wurden.

Bei Kühne + Nagel (KNIN 237.40 -1.29%) sorgte laut Händlern der Milliardär Klaus Michael Kühne für Phantasie, denn der Kühne-Mehrheitseigner hat sein Aktienpaket an der Lufthansa aufgestockt. Er könnte es auf das lukrative Frachtgeschäft der Airline abgesehen haben, sagten Händler.

Richemont (CFR 112.05 +0.00%) verteuerten sich um 0,8%. Der Luxusgüterkonzern profitierte von starken Zahlen des Mitbewerbers Prada sowie von Lockerungen der Flugbeschränkungen in Hongkong. Richemont wird kommende Woche den Umsatz zum ersten Quartal vorlegen.

Swatch Group (UHR 238.00 -1.16%) konnten nicht voll von der positiven Grundstimmung an den Märkten profitieren. Im Vorfeld der Publikation der Halbjahreszahlen, diese werden ebenfalls kommende Woche erwartet, haben verschiedene Analysten ihre Kursziele oder gar ihre Ratings reduziert.

Finanzwerte erfreuten dafür einer regen Nachfrage. Allen voran mit den Versicherungswerten Swiss Life (SLHN 525.00 +0.27%) und Swiss Re (SREN 74.76 -1.45%) deckten sich die Anleger ein. Gerade der Lebensversicherer hat laut Händlern von einer verteidigenden Kaufempfehlung aus dem Hause Berenberg profitiert. Vor allem Institutionelle hätten zugekauft.

Die Bankaktien UBS (UBSG 15.91 -1.06%), Julius Bär (BAER 48.99 -4.09%) und Credit Suisse (CSGN 5.21 -4.09%) wurden ebenfalls fleissig gekauft.

Roche GS (ROG 316.65 +0.32%) und vor allem Novartis (NOVN 81.23 +0.31%) stützten den positiven Trend. Die Papiere der Pharmariesen profitierten laut Beobachtern von den Nachrichten, das der US-Rivale Merck (MRK 91.04 +0.50%) (MRK 182.90 -0.60%) 40 Milliarden US-Dollar für das Biotech-Unternehmen Seagen bezahlen will. Die hohen Bewertungen mache gerade Novartis mit seiner Disposition stehenden Sparte Sandoz attraktiv, hiess es.

Am unteren Ende der Tabelle rangierten Aktien von Unternehmen mit einem defensiven Geschäftsmodell wie der Nahrungsmittelkonzern Nestlé, dem Aromen- und Duftstoffhersteller Givaudan (GIVN 3'336.00 -0.48%) oder dem Medizintechniker Sonova (SOON 279.00 -1.66%).

Am breiten Markt legten Clariant (CLN 18.26 -1.67%) spekulationsbedingt um 3,4% zu. Ein Bericht von «The Market» regte alte Spekulationen wieder an, sagten Händler. Laut dem Artikel wird der Grossaktionär Sabic Clariant entweder ganz übernehmen oder eine «ihm genehme Transaktion» aufgleisen.

Meyer Burger verteuerten sich um 7,8%. Händler verwiesen auf einen Artikel in einem Fachblatt, wonach dem Solarunternehmen nahestehenden Forschern ein Durchbruch gelungen sei. Davon gehe aus Aktionärssicht durchaus Fantasie aus, hiess es in Börsenkreisen.

Spexis (POLN 0.8200 -4.65%) gewannen 5,8%. Wie das Biotechunternehmen mitteilte, hat der Kandidat Balixafortide zur Behandlung von Prostatakrebs in einem frühen Forschungsstadium eine erste Wirksamkeit gezeigt.

Von den positiven Aussagen Samsungs profitierten im breiten Markt auch Aktien wie Comet (COTN 180.60 -0.99%) oder Inficon (IFCN 721.00 -2.04%).

US-Börsen erholen sich weiter

Die Stabilisierung am US-Aktienmarkt hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Inflations- und Rezessionssorgen rückten in den Hintergrund, auch wenn die US-Notenbank (Fed) an ihrem aggressiven Zinsanhebungskurs festhält, wie das Protokoll am Vortag verdeutlichte.

«Dass die US-Notenbank mit weiteren Zinserhöhungen mal für Erleichterung am Aktienmarkt sorgen würde, klingt etwas paradox. Allerdings interpretieren die Investoren die Entschlossenheit der Fed, die aus dem Sitzungsprotokoll in diesem Punkt hervorgeht, als Zeichen des Vertrauens in die Robustheit der Konjunktur», erklärte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets. Damit hätten die zuletzt dominierenden Rezessionsrisiken keine neue Nahrung erhalten.

Der Dow Jones Industrial legte im frühen Handel um 0,54% auf 31’204,15 Punkte zu. Der marktbreite S&P 500 stieg um 0,84% auf 3877,22 Zähler und liegt damit zurzeit rund 20% unter seinem Rekordhoch vom Januar. Zugleich hat er sich von seinem Eineinhalbjahrestief im Juni zwar wieder etwas erholt, verharrt aber nach wie vor an der Schwelle, ab der Börsianer von einem Bärenmarkt sprechen.

Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 13'470.86 -1.21%) gewann am Donnerstag 1,17% auf 11’990,85 Punkte. Er liegt rund 29% unter seinem im November 2021 erreichten Höchststand.

Positive Signale für zahlreiche Technologiewerte auch in den USA kamen vom koreanischen Samsung -Konzern. Im Ergebnisausblick für April bis Juni peilt der Weltmarktführer bei Speicherchips, Smartphones und Fernsehern deutliche Zuwächse an. Zulieferer wie Applied Materials legten etwa um 4,1% zu und Lam Research um 5,1%. KLA-Tencor und Qualcomm gewannen ebenfalls etwas mehr als 4%. Für den Samsung-Wettbewerber Apple (AAPL 174.55 +0.88%) ging es um 1,5% hoch.

Unter den Nebenwerten sprangen zudem die Papiere von Gamestop nach der Ankündigung eines Aktiensplits um 8,3% hoch. Die Papiere des US-Videospielhändlers gehören zu den sogenannten Meme Stocks, die bei Privatanlegern in den sozialen Medien heiss diskutiert werden, und dann durch Kurskapriolen auffallen.

Die Anteile des Einzelhandelsunternehmens Kohl’s drehten nach anfänglichen Verlusten ins Plus. Nachdem sie den tiefsten Stand seit November 2020 erreicht hatten, ging es zuletzt um 1,2% auf 27,70 $ hoch. Anaystin Lorraine Hutchinson von der Bank of America (BAC 36.41 -0.63%) stufte die Aktie auf «Underperform» ab und senkte das Kursziel von 50 $ auf 26 $. Sie passe ihr Urteil damit wieder an ihre negative Einschätzung zur Kaufhausbranche an. Angesichts einer möglichen Übernahme durch die Franchise Group, die nun aber vom Tisch ist, hatte sie die Aktie zuvor als «Neutral» beurteilt.

Eurokurs stabilisiert sich

Der Euro hat nach den deutlichen Verlusten der vergangenen Tage etwas Halt gefunden. Die Gemeinschaftswährung pendelte am Donnerstag um 1,02 $ und notierte am Nachmittag bei 1,0170 $. Damit bewegte sich der Eurokurs nahezu auf dem Niveau vom Vorabend. Zur Wochenmitte war der Euro mit 1,0162 $ erstmals seit knapp 20 Jahren unter die Marke von 1,02 $gefallen.

Zum Schweizer Franken war die Gemeinschaftswährung in der Nacht auf Donnerstag bis auf 0,98725 Fr. gefallen – den tiefsten Stand seit dem «Chaostag» 15. Januar 2015. Aktuell notiert das Euro-Franken-Paar bei 0,9894, musste also die Marke von 99 Rappen wieder hergeben. Der US-Dollar hat sich derweil leicht auf 0,9728 Fr. verteuert.

Die Talfahrt des Euro hält schon einige Monate an, hat sich aber zuletzt mit der Angst vor einer Erdgaskrise in Europa beschleunigt. Ein wichtiger Grund für die Schwäche der Gemeinschaftswährung ist auch der zögerliche Kampf der EZB gegen die hohe Inflation.

Konjunkturdaten aus Deutschland belasteten derweil den Euro nur kurz. Die hiesige Industrie weitete zwar ihre Produktion im Mai nicht so stark aus wie erwartet. Bankökonomen kommentierten die Zahlen aber tendenziell positiv. «Die Industrieproduktion kann sich bislang im zweiten Quartal gut über Wasser halten», schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank (VPBN 88.00 -2.22%). Dies gebe Hoffnung für das gesamtwirtschaftliche Wachstum.

Das britische Pfund legte gegenüber vielen anderen wichtigen Währungen etwas zu. Nach beispiellosem Druck seiner Konservativen Partei trat Premierminister Boris Johnson vom Parteivorsitz zurück, bleibt aber vorerst Regierungschef. Er werde weitermachen, bis seine Partei einen Nachfolger gewählt habe, sagte Johnson. Ben Laidler, globaler Marktstratege beim Handelshaus Etoro, schrieb: «Die Märkte begrüssen den Rücktritt von Boris Johnson». Die politische Unsicherheit sei gesunken. Bis Januar 2025 stünden nunmehr keine Parlamentswahlen an und in der Zwischenzeit könnten mögliche Steuersenkungen die schwächelnde Wirtschaft stützen.

Der ungarische Forint schwankte indes nach einer weiteren Zinsanhebung der Notenbank stark. Nach einer kurzen positiven Reaktion gab er zunächst zum Euro weiter nach und fiel in Richtung seines zur Wochenmitte erreichten Rekordtiefs, bevor er sich wieder deutlich erholte. Erst vor gut einer Woche hatte die ungarische Zentralbank ihre Leitzinsen erhöht, um sich gegen die ausgeprägte Schwäche der Landeswährung zu stemmen. Ein wichtiger Grund für die jüngsten Kursverluste ist die durch Rezessionsangst ausgelöste trübe Stimmung an den Finanzmärkten.

Ölpreise erholen sich von erneutem Rutsch

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag etwas von einem erneuten Kursrutsch erholt. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 101,56 $. Das waren 87 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 87.59 +0.52%)) stieg um 84 Cent auf 99,37 $.

Am Mittwoch waren die Rohölpreise den zweiten Tag in Folge unter Druck geraten. Ausschlaggebend für die deutlichen Preisabschläge waren Ängste vor einer Eintrübung der globalen Konjunktur, die auch die weltweite Nachfrage nach Erdöl, Benzin und Diesel belasten würde. Auch der starke Dollar lastet auf den Ölpreisen, da der Rohstoff international in der US-Währung abgerechnet wird. Steigt der Dollarkurs, dämpft das meist die Nachfrage von ausserhalb des Dollarraums.

Diesen belastenden Faktoren steht ein knappes Angebot an Rohöl gegenüber, das vor allem auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine zurückgeht. Die beiden Länder sind grosse Rohstoffproduzenten, Russland ist einer der wichtigsten Öllieferanten der Welt. Wegen der Angebotsknappheit bewegen sich die Erdölpreise seit längerem auf hohem Niveau. Bezogen auf den Jahresbeginn beträgt das Plus aktuell rund 35%.

 

Leser-Kommentare