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SMI schliesst über 12’500 Punkten fester

Auch am Schweizer Aktienmarkt hat die Corona-Variante Omikron klar an Schrecken verloren.

(AWP) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag erneut deutlich zugelegt. Dabei hat der Leitindex SMI (SMI 11'166.32 +0.39%) erstmals seit dem 22. November wieder über der Marke von 12’500 Punkten geschlossen. Geschuldet war dies vor allem der Hoffnung, die sich derzeit rasant ausbreitende Omikron-Variante des Coronavirus führe zu einem weniger schweren Krankheitsverlauf als bei der ebenfalls grassierenden Delta-Variante. «Die Anleger scheinen die Angst vor der Mutante Omikron abgelegt zu haben und decken sich mit Aktien ein», meinte ein Händler. Zudem wollten die Marktteilnehmer das sich abzeichnende Jahresendrally keinesfalls verpassen.

Ebenfalls für Optimismus am Markt sorgten überraschend gute Konjunkturzahlen aus dem In- und Ausland. Die Marktteilnehmer blickten durch die Corona-Ära hindurch und positionierten sich entsprechend, hiess es. Positiv aufgenommen worden sei zudem, dass die chinesische Zentralbank die Mindestreserveanforderung für Banken um 50 Basispunkte gesenkt habe. Dagegen beeinflusste die Krise des chinesischen Bauträgers Evergrande die Stimmung kaum. Berichten zufolge spitzt sich die Schieflage allerdings zu.

Der SMI schloss um 1,12% höher bei 12’513,62 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg um 1,67% auf 2025,40 und der breite SPI (SXGE 14'473.39 +0.40%) um 1,36% auf 15’996,61 Zähler. 29 SLI-Titel schlossen fester und nur einer (Swiss Life (SLHN 515.60 +0.82%)) etwas leichter.

Die grössten Gewinne verzeichneten vor allem die Werte, die im bisherigen Jahresverlauf bereits stark zugelegt haben. So standen Richemont (CFR 114.70 +1.73%) (+5,3%), Straumann (STMN 131.70 +2.13%) (+5,3%), Sonova (SOON 343.50 -0.09%) (+3,2%), Geberit (GEBN 501.20 +2.75%) (3,1%) und Kühne + Nagel (KNIN 240.20 -1.92%) (+3,6%) in der Spitzengruppe. Partners Group (PGHN 1'009.50 +2.72%) rückten um 2,8% vor. Diese Werte haben seit Jahresbeginn 30% und zum Teil auch deutlich mehr hinzugewonnen.

Unter den grössten Gewinnern waren zudem Swatch (+4,4%) zu finden. Zusammen mit Richemont profitierte der Uhrenhersteller laut Händlern von den Aussenhandelsdaten aus China. Auch habe der Titel im Vergleich zu Mitbewerbern noch Aufholpotenzial.

Gefragt waren zudem Technologiewerte wie AMS, Logitech (LOGN 55.52 +0.14%) und Temenos (TEMN 78.34 -0.25%) mit Aufschlägen von mehr als 4%. Ihnen hätten im späten Handel die Kursavancen der US-Technologiewerte noch zusätzlich Rückenwind verliehen. Sie hinkten dem starken Markt aber noch hinterher, so dass Investoren die Kurse auch als günstige Einstiegsgelegenheit beurteilt hätten. Technologietitel gehörten auch europaweit zu den grössten Gewinnern.

Auch andere zyklische Werte wie Adecco (ADEN 32.34 +0.28%) (+1,2%), Holcim (HOLN 44.88 +0.43%) (+1,4%) und Schindler (SCHP 181.70 +1.42%) (+2,7%), die 2021 nicht zu den Topperformern zählten, waren gefragt, wie die Avancen zeigen.

Während Partners Group und UBS (UBSG 15.80 +1.58%) (+1,4%) die Top-Performer bei den Finanzwerten waren, fielen die Gewinne bei den Branchenkollegen Credit Suisse (CSGN 5.37 +2.17%), Julius Bär (BAER 50.18 -0.12%), Zurich und Swiss Re (SREN 73.72 +0.74%) und vergleichsweise verhalten aus. Sie verteuerten sich zwischen 0,8% und 0,02%. Swiss Life gaben gar 0,2% nach, waren allerdings zuletzt auch stark gesucht.

Trotz der zum Teil starken Gewinne hinkte der SMI seinen europäischen Pendants hinterher. Dies war vor allem den drei defensiven Schwergewichten zuzuschreiben. Nestlé (NESN 115.50 +0.00%) (+0,1%), Roche (+0,2%) und Novartis (NOVN 82.28 +0.28%) (+0,3%) legten alle drei klar unterdurchschnittlich zu. Dies habe eine dynamischere Aufwärtsbewegung verhindert, hiess es.

In den hinteren Reihen waren Feintool (FTON 21.05 +1.94%) (+6,2%) sehr gefragt. Händler verwiesen auf die Übernahmepläne des Unternehmens, mit denen es neues Wachstum generieren will. Beim Pharmazulieferer Siegfried (SFZN 690.50 +1.99%) (+6,6%) und dem Laborausrüster Tecan (TECN 339.40 +2.11%) (+5,3%) sorgten Analysten mit positiven Kommentaren für gute Stimmung. Inficon (IFCN 752.00 -0.40%) (+6,8%), U-blox (+1,7%) und Sensirion (SENS 113.20 -0.88%) (+5,0%) waren im Sog der festen Technologiewerte ebenfalls stark im Aufwind.

Dagegen nahmen die Anteilsscheine des Flughafens Zürich (-0,9%) nicht an der allgemeinen Erholung der Reisebranche teil. Noch stärkere Abgaben verzeichneten Pennystocks wie Igea Pharma (-13%) und Youngtimers (-7,0%).

Wall Street erneut im Aufwind – Techwerte gefragt

Gestützt auf eine Rally bei Technologiewerten baut die Wall Street ihre jüngsten Kursgewinne aus. Die Leitindizes Dow Jones und S&P 500 steigen zur Eröffnung um jeweils mehr als 1%. Der technologielastige Nasdaq gewinnt gut 2%.

Anleger gingen inzwischen davon aus, dass die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus nicht so gefährlich sei wie zunächst befürchtet, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Zudem sei die US-Konjunktur robust genug, um die geplante Drosselung der Wertpapierkäufe durch die Notenbank Fed verkraften zu können.

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählte Intel (INTC 35.38 -0.03%) mit einem Kursplus von knapp 8%. Der Chip-Hersteller will seine Tochter Mobileye an die Börse bringen. Einem Insider zufolge könnte der Anbieter von Fahrassistenz-Systemen mit mehr als 50 Mrd. $ bewertet werden. Mit diesem Schritt könne sich Intel stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren, kommentierte Analyst Abhinav Davuluri vom Research-Haus Morningstar (MORN 249.19 +0.08%).

Devisen: Euro unter Druck zum US-Dollar – EUR/CHF (EUR/CHF 0.9744 -0.47%) wieder näher bei 1,04

Der Euro ist am Dienstag zum US-Dollar merklich unter Druck geraten. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1251 $. Am Morgen hatte der Euro noch in der Nähe der Marke von 1,13 $ notiert.

Auch zum Franken hat der Euro am Vormittag an Wert verloren. Derzeit wird die Gemeinschaftswährung zu 1,0419 Fr. gehandelt und damit wieder näher an der Marke von 1,04. Der US-Dollar kostet derweil mit 0,9262 Fr. geringfügig mehr als am Morgen. Analysten erwarten tendenziell einen weiter starken Franken zum Euro. Die Schweizerische Nationalbank dürfte eine weitere Aufwertung des Frankens zulassen, meint etwa die Bank J. Safra Sarasin in einem Kommentar. Der nominale Wechselkurs sei seit 2010 zwar angestiegen, der reale Wechselkurs habe sich aber kaum erhöht. So dürfte sich das EUR/CHF-Paar weiter der Parität nähern.

Die Corona-Sorgen sind derweil etwas in den Hintergrund getreten. Erste Ergebnisse deuten auf nicht ganz so schlimme Krankheitsverläufe bei der neuen Corona-Variante Omikron hin. Der Dollar profitierte von der insgesamt sehr freundlichen Stimmung an den Finanzmärkten, da die US-Notenbank Fed daher wohl an dem begonnenen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik festhalten kann. «Die Fed dürfte Mitte nächsten Jahres ihren Leitzins anheben», erwartet You-Na Park-Heger, Devisenexpertin bei der Commerzbank (CBK 7.03 -2.90%). «Die EZB dürfte noch eine ganze Weile stillhalten.» Davon werde wahrscheinlich der Dollar profitieren.

Deutsche Produktionsdaten überraschten am Morgen positiv, bewegten den Euro jedoch kaum. Die deutsche Industrie hat ihre Produktion im Oktober deutlich gesteigert. Erwartungen von Analysten wurden übertroffen. Die Entwicklung ist ein positives Zeichen für Industrieunternehmen. Sie leiden seit längerem unter den starken, überwiegend coronabedingten Verspannungen im Welthandel.

Dagegen belastete am Vormittag die verschlechterte Stimmung deutscher Finanzexperten den Eurokurs ein wenig. So trübten sich die vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW erhobenen Konjunkturerwartungen im Dezember etwas ein. Die Beurteilung der aktuellen Lage gab deutlich nach und befindet sich erstmals seit Juni im negativen Bereich.

«Die ZEW-Konjunkturerwartungen kommen nun unter die Räder der vierten Corona-Welle», kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank (VPBN 84.00 -0.71%). Die verhängten Beschränkungen setzten das Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch den gesamten Freizeitsektor unter Druck.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84933 (0,85128) britische Pfund und 127,83 (127,78) japanische Yen fest.

Bitcoin klettert wieder über Marke von 50 000 $

Der Bitcoin erholt sich weiter von seinem starken Kursrutsch am Samstag. Der Kurs der weltweit bekanntesten Kryptowährung legte am Dienstag im frühen Handel circa 1% auf rund 51 000 $ zu. Am Samstag war der Bitcoin um rund ein Fünftel bis auf 42 000 $ gefallen. Seither erholt er sich peu a peu von diesem starken Rückgang. Bei anderen wichtigen Digitalwährungen wie Ether sah die Kursentwicklung in den vergangenen Tagen ähnlich aus.

Ein genauer Grund für das plötzliche Absacken des Kurse der beiden grössten Digitalwährungen am Samstag war Experten zufolge nicht direkt ersichtlich. Einer verwies auf die gerade am Wochenende – in dann weniger liquiden Märkten – teils grösseren Schwankungen bei Kryptogeld. Stossen dann einzelne Investoren grössere Positionen ab, kann das stark auf den Kurs drücken.

Ölpreise steigen um rund drei Dollar – Nachlassende Corona-Furcht

Die Ölpreise sind am Dienstag dank einer geringeren Corona-Furcht deutlich gestiegen. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 75,99 $. Das waren 2,91 $ mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 88.64 +0.62%)) stieg um 3,13 $ auf 72,62 $.

Nachlassende Corona-Sorgen stützten die Ölpreise. Die allergrössten Sorgen vor der neuen Omikron-Variante hätten sich fürs Erste verflüchtigt, kommentierte Rohstofffachmann Carsten Fritsch von der Commerzbank. Südafrika, wo die Variante entdeckt wurde, berichte zwar von einer deutlichen Zunahme der Infektionszahlen. Allerdings scheine der Krankheitsverlauf milder zu sein als bei den bisherigen Varianten.

Zudem deuten Daten laut Händlern nicht darauf hin, dass die Menschen ihre Mobilität einschränken. In der vergangenen Woche herrschte noch die Furcht vor, dass eine erneute Verschärfung der Corona-Krise die Wirtschaft belasten und die Nachfrage nach Rohöl dämpfen könnte.

Seit einigen Tagen erholen sich die Rohölpreise etwas von ihrem deutlichen Rücksetzer im November. Ausschlaggebend für die Preisabschläge war neben der Entdeckung der Omikron-Variante der Rückgriff grosser Verbrauchsländer auf Teile ihrer strategischen Ölreserven. Der Schritt ging auf die Weigerung grosser Förderländer zurück, ihre Produktion stärker auszuweiten als geplant. Die Verbrauchsländer reagierten mit der Öffnung der Reserven auf die im längeren Vergleich hohen Ölpreise.