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SMI fährt grösstes Tagesminus des Jahres ein

Die Schweizer Börse schliesst bei 9430. Fast alle SMI-Werte liegen im Minus. Auch Wallstreet verliert klar. Der Dollar büsst zum Franken ein.

(AWP/SPU) Der Schweizer Aktienmarkt ist am Donnerstag auf breiter Front abwärts gerutscht. Die Unsicherheit über den Zollstreit der USA mit China und die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten verunsicherten die Anleger, hiess es am Markt. «Die Anleger schalten daher in den Risk-off-Modus und nehmen Gewinne mit», sagte ein Händler. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst für Freitag deutlich höhere Sonderzölle auf chinesische Waren angekündigt, China droht nun mit Vergeltung. Heute Donnerstag sollen die Handelsgespräche in Washington fortgesetzt werden. Händler hoffen weiter auf einen konstruktiven Dialog.

Der Swiss Market Index SMI (SMI 9825.59 1%) stand bei Eröffnung nur 0,3% tiefer und weitete sein Minus im frühen Handel aus. Am Vormittag erholte sich der SMI wieder etwas und baute einen Teil seiner Verluste ab. Doch diese Phase dauerte nur bis zum Nachmittag, mit einer schwachen Wallstreet weitete der SMI seine Verluste auf mehr als 2% aus – das grösste Minus an einem Handelstag seit dem Einbruch Ende Dezember. Er schloss klar unter der Marke von 9500 bei 9430. Am Vortag war er 0,5% gestiegen.

Einen kräftigen Abwärtsimpuls erhielt der Schweizer Markt von der Wallstreet. Die Börse in New York büsste klar ein. So handelten alle drei grossen Indizes bei Börsenschluss in Zürich deutlich im Minus. Der Dow Jones (Dow Jones 26135.79 0.96%) gab 1,6% nach, und der breiter gefasste S&P 500 (SP500 2923.65 1.21%) rutschte 1,3% tiefer. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite handelte 1,4% im Minus. In Frankfurt beendete der Dax (DAX 11715.37 1.32%) den Handel 1,7% leichter und somit unter der Marke von 12’000 Punkten.

Alcon gegen den Trend

Im Schweizer Leitindex schlossen nur Alcon (ALC 60.4 2.01%) mit Gewinnen. Die Augen waren auf Swiss Life (SLHN 471.9 1.77%) und Zurich Insurance (ZURN 351.2 1.18%) gerichtet. Die beiden Versicherer hatten ihren Quartalsreport veröffentlicht. Dabei gelang dem Lebensversicherer Swiss Life im ersten Quartal 2019 ein Sprung bei den Prämieneinnahmen. Dagegen startete Zurich Insurance verhalten ins laufende Jahr. Zurich sieht sich auf Kurs, dieses Jahr alle Finanzziele zu erreichen oder gar zu übertreffen.

Novartis (NOVN 87.89 0.42%) schwächten sich ab. Der Pharmariese übernimmt von Takeda das Augenmittel Xiidra für 3,4 Mrd. $. Dazu könnten noch Meilensteinzahlungen von bis zu 1,9 Mrd. hinzukommen. Zudem fuhren die Genussscheine von Roche (ROG 274.7 0.55%) markante Verluste ein. Nestlé (NESN 109.08 1.22%) präsentierten sich von den Schwergewichten noch am stabilsten, doch auch hier war das Minus eindeutig. Der Nahrungsmittelhersteller baut hundert Stellen in Basel ab.

Zu noch deutlicheren Verlusten kam es bei den Titeln der Grossbanken UBS (UBSG 10.265 1.23%) und Credit Suisse (CSGN 11.2 1.36%). Ausserdem trennten sich Anleger vor allem von den Aktien der Luxusgüterhersteller Richemont (CFR 75.18 1.73%) und Swatch Group (UHR 265.1 1.26%). Einen Rückschlag erlitten auch die Titel des Life-Science-Konzerns Lonza (LONN 348.3 1.72%).

AMS gaben signifikant nach

Im SMIM (SMIM 2511.52 1.29%) schlossen AMS (AMS 40.79 3.45%) massiv schwächer. Credit Suisse erhöhte das Kursziel für AMS von 18.50 auf 35.50 Fr. und beliess die Einstufung auf «Underperform». Der Technologiesektor könnte neben den Handelsstreit-Sorgen darunter leiden, dass die Mitbewerber Dialog Semiconductor und Microchip mit den Ergebnissen enttäuscht hatten. Zudem erwartet der Halbleiterriese Intel (INTC 47.23 1.57%) für die nächsten drei Jahre ein Umsatzwachstum im unteren einstelligen Prozentbereich. Intel hatte erst Ende April ihre Prognosen für das laufende Jahr gesenkt.

Auch die anderen Tech-Werte wie Temenos (TEMN 162.05 1.85%), Logitech (LOGN 38.71 2.33%) oder U-Blox (UBXN 71.15 4.63%) büssten deutlich ein. Zudem verzeichneten die Aktien des Vakuumventilherstellers VAT Group (VACN 114.5 2.23%) klare Verluste.

Wie die Grossbanken im SMI gaben auch Julius Bär (BAER 38.15 1.27%) als Neuzugang im SMIM deutlich nach. Andere Verlierer waren Vifor Pharma (VIFN 157 1.95%), Dufry (DUFN 77.82 0.7%) und Georg Fischer (FI-N 797 1.4%).

Kühne + Nagel (KNIN 140.75 1.26%) verloren optisch deutlich durch den Dividendenabgang von 6 Fr. pro Aktie.

Ein Plus im SMIM konnten sich dagegen die Immobilienfirmen um SPS und Swiss Prime Site (SPSN 97.2 0.57%) herausarbeiten.

Bewegung in Biotech-Werten

Am breiten Markt machten Probleme mit einem Produktkandidaten den Aktien der Biotechnologiefirma Molecular Partners zu schaffen. In ihrem Sog verloren die Titel von Addex und Basilea an Wert. Indes stiegen die Valoren der forschenden Arzneimittelfirma Obseva nach den Zahlen.

Die Aktien von Schmolz + Bickenbach (STLN 0.311 -2.05%) notierten nach der Publikation der Zahlen zum ersten Quartal markant tiefer.

Die auf Industrieunternehmen spezialisierte Beteiligungsgesellschaft Perrot Duval (Perrot Duval 137 1.48%) trennt sich definitiv von der Infranor-Gruppe. Nachdem der chinesische Industriekonzern Guangzhou Haozhi Industrial (Haozhi) im Januar ein Kaufangebot unterbreitet hatte, ist der Vertrag nun unterschrieben worden. Die Aktien schossen in die Höhe.

Asien mit Verlusten

In Asien tendierten die Aktienmärkte am Donnerstag negativ. Der Nikkei 225 in Japan verlor 0,9%, der breitere Topix gab 1,4% nach. Der chinesische Leitindex CSI 300 büsste 1,4% ein. In Hongkong sank der Hang Seng 1,9%, während der Kospi in Korea sogar 2,6% tiefer notierte. Der australische ASX konnte sich diesem Trend mit einem Plus von 0,4% entgegenstellen.

Euro rutschte unter 1.14 Fr.

Der Euro zog wegen den Sorgen rund um den USA-China-Konflikt zur US-Währung an und notierte bei Börsenschluss in Europa mit 1.1230 $ wieder über der Marke von 1.12 $. Zum Franken büsste der Greenback markant ein und notierte bei 1.0135 Fr. Der Euro konnte zum Franken die Marke von 1.14 Fr. nicht halten. Um 17.30 Uhr MESZ wurde er zu 1.1384 Fr. gehandelt.

Ölpreis unter 70 $

Der Ölpreis notierte tiefer. Händler nannten auch hier die schärfere Rhetorik zwischen den USA und China als Grund. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 59.58 1.53%) kostete weniger als 70 $. Der Goldpreis bewegte sich in einer engen Spanne bei 1285 $ pro Feinunze.

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