Märkte / Aktien

SMI sackt auf tiefsten Stand seit März ab

Aus Angst vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft haben die Anleger an der Schweizer Börse am Montag Aktien abgestossen.

(AWP/Reuters) Am Schweizer Aktienmarkt war am Montag Ausverkaufsstimmung. Der Leitindex SMI (SMI 11'647.17 +1.35%) setzte zu Wochenbeginn den im April gestarteten Abwärtstrend fort und gab im Verlauf des Handels immer mehr ab. «Die Bären toben weiter an den europäischen Aktienmärkten, und ein Ende ist noch nicht in Sicht», hiess es in einem Kommentar. Die potentielle Fallhöhe sei gerade in Anbetracht der vielen Krisenherde und Probleme beträchtlich.

Die Anleger sorgen sich im Umfeld steigender Zinsen und Kosten derzeit generell um das Wachstum der Weltwirtschaft. Grosse Unsicherheitsfaktoren bleiben zudem der Ukraine-Krieg und die Auswirkungen der Pandemie-Einschränkungen in China, von wo am Montag schwache Handelszahlen kamen. «Wir haben im Moment überall Risiken. Da fällt es schwer, positiv in die Zukunft zu schauen», sagte ein Marktbeobachter. In den vergangenen Jahren seien die Marktteilnehmer durch die Hilfestellungen der Notenbanken verwöhnt gewesen. Diesen seien jetzt aber die Hände gebunden.

Der SMI verlor am Montag 2,44% auf 11’444,18 Punkte und schloss damit im Tagestief. In der vergangenen Woche war es für den hiesigen Leitindex bereits 3,3% heruntergegangen.

Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und die grössten Aktien stärker gekappt sind, fiel gar um 3,21% auf 1752,10 Punkte. Der breite SPI (SXGE 14'941.43 +1.58%) gab um 2,54% auf 14’691,39 Zähler nach. Im SLI gingen 29 Titel tiefer und einer unverändert aus dem Handel.

«Wir sind in einem Bärenmarkt», kommentierte ein Charttechniker. Die nächste Unterstützung des SMI sieht dieser bei 11’380 Punkten. Derzeit werde alles verkauft, was mit Wachstum zu tun habe, hiess es zudem im Handel.

Zu den grössten Verlierern im SLI gehörten denn auch Technologietitel wie Logitech (LOGN 57.06 +3.48%), VAT Group (VACN 278.00 +5.22%) und AMS Osram (AMS 11.40 +4.78%). Diese konnten sich den negativen Vorgaben der Nasdaq nicht entziehen. Und auch am Montag ging es an den US-Börsen – und insbesondere eben an der US-Technologiebörse – weiter kräftig abwärts.

Wachstumswerte, zu denen die Technologietitel, aber auch Medizintechnikaktien wie Sonova (SOON 342.00 +6.08%) oder Straumann (STMN 119.70 +7.55%) gehören, leiden jeweils stark unter den steigenden Zinsen, da diese die Finanzierung verteuern. Konjunktursorgen machen wiederum zyklischen Werten wie Sika (SIKA 267.00 +4.71%), Adecco (ADEN 37.15 +4.41%), Kühne + Nagel (KNIN 257.50 +1.18%) und Givaudan (GIVN 3'569.00 +2.71%) zu schaffen.

Und trotz M&A-Spekulationen erlitten auch Temenos (TEMN 95.36 +2.91%) massive Abgaben. In den vergangenen Wochen hatten Übernahmespekulationen den Titel immer wieder steigen lassen. Auch Holcim (HOLN 48.00 +0.82%) verloren am «Ex-Tag» stärker als die Dividende von 2,20 Franken je Aktie.

Swiss Re (SREN 80.36 +1.80%) hatten über weite Strecken des Handels hingegen klar zugelegt, nachdem ODDO BHF SCA das Rating auf «Outperform» erhöht hatte. Die Versicherungstitel konnten sich dem Negativtrend am Ende aber doch nicht entziehen.

Die schwergewichtigen Roche (unv.) stemmten sich «Safe Haven» gegen den Trend, wie es im Handel hiess. Novartis (NOVN 87.12 -0.80%) und Nestlé (NESN 116.58 +2.05%) hielten sich im Vergleich zu den grossen Verlierern im SLI aber noch deutlich besser.

Am breiten Markt gab es indes herbe Verluste im zweistelligen Prozentbereich. Swissquote (SQN 118.70 +1.98%) wurden für das Kursdebakel bei den Kryptowährungen in Sippenhaft genommen, hiess es unter Händlern.

Den Aktien von Skan (SKAN 53.00 +4.74%) setzte ein vorsichtiger Analystenkommentar durch die Credit Suisse (CSGN 6.97 +3.20%) sichtlich zu. Die Grossbank warnte vor hohen Vorabinvestitionen.

Kritisch ist die CS auch mit Blick auf Meyer Burger (MBTN 0.4338 +4.53%), was auch diesen Titel auf Talfahrt schickte. Nach den schwachen Jahreszahlen mit einem unsicheren Ausblick kürze er seine Schätzungen, kommentierte der zuständige Analyst.

Dagegen stachen ObEva am Montag positiv hervor. Das Biotechunternehmen präsentierte an einem Fachkongress positive Daten zu seinem Produktkandidaten Linzagolix.

Aktien New York: Kursrutsch

Die US-Aktienmärkte haben am Montag ihre jüngste Schwäche fortgesetzt und sind mit deutlichen Kursabschlägen in die neue Woche gestartet. Für Druck sorgten Händlern zufolge Befürchtungen, dass der Kampf gegen die Inflation und Chinas rigide Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie das Wirtschaftswachstum belasten.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial büsste 1,60% auf 32’371,39 Punkte ein, nachdem er zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Ende Februar gesackt war. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 2,43% auf 4023,06 Punkte nach unten. Der technologielastige Nasdaq 100 (NDX 12'276.79 +2.79%) knickte um 3,02% auf 12’309,67 Punkte ein.

Eine Welle der Risikoaversion schwappe über die globalen Märkte, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag wenig Spielraum für einen moderateren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Fed gelassen hätten, hiess es aus dem Handel mit Verweis auf drohende weitere Zinserhöhungen. Die kurzfristigen Aussichten für Aktien «sind immer noch chaotisch, und es könnte noch mehr Abwärtsbewegungen geben, da die Märkte sich Sorgen über eine signifikante wirtschaftliche Verlangsamung oder eine ‘harte Landung’ und aggressive Zinserhöhungen machen», kommentierte Ökonomin Diana Mousina von AMP Investments.

Die Marktstimmung dürfte zudem von Äusserungen des chinesischen Premierministers Li Keqiang vom Wochenende getrübt werden. Der Politiker hatte davor gewarnt, dass sich die Beschäftigungslage im Land wegen der massiven Covid-Beschränkungen «ernsthaft» verschlechtert habe.

Unter den Einzelwerten zogen unter anderem Aktien von Biontech das Anlegerinteresse auf sich. Der Corona-Impfstoffhersteller steigerte im ersten Quartal Umsatz und Gewinn erneut deutlich. Die in New York gelisteten Hinterlegungsscheine zogen um gut 6% an.

Die Aktien von Coty (COTY 7.08 +5.99%) büssten in dem trüben Umfeld hingegen anfängliche Gewinne ein und fielen zuletzt um fast 7%. Der Kosmetikkonzern erhöhte sein Jahresziel für das bereinigte Ergebnis je Aktie. Das Unternehmen geht weiter davon aus, dass der flächenbereinigte Umsatz am oberen Ende der Zielspanne liegen wird.

Die Papiere des einst an der Börse gehypten Elektro-Lkw-Startups Rivian rutschten auf ein Rekordtief und brachen zuletzt um rund 16% ein. Einem Bericht zufolge hat sich der Autobauer Ford (F 9.62 -1.23%) von einem Teil seiner Rivian-Aktien getrennt, nachdem am Sonntag die Stillhaltefrist der Altaktionäre nach dem Börsengang im November abgelaufen war.

Euro wenig verändert zum Dollar – Franken schwächer

Der Euro hat sich am Montag gegenüber dem US-Dollar wenig verändert. Am späten Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,0526 $ und damit etwas mehr als am Morgen, aber etwas weniger als am Freitagabend. Weiterhin liegt der Kurs allerdings klar über dem Ende April markierten Fünfjahrestief von 1,0471 $.

Etwas schwächer notiert derweil der Schweizer Franken. Ein Euro kostet am späten Nachmittag 1,0480 Fr. und damit etwas mehr als noch am Morgen. Der Dollar notiert mit 0,9957 ebenfalls leicht höher. Damit setzt der Dollar seinen Aufwärtstrend zum Franken fort und nähert sich weiter der Parität. Dies stehe im Einklang mit einer breiten Aufwertung des Dollar, während das Fed seine Normalisierung der Geldpolitik fortgesetzt und die Zinssätze letzte Woche um 50 Basispunkte angehoben habe, heisst es in einem Marktkommentar von Richard Benson, Co-CIO bei Millennium Global.

Vor allem habe auch der Euro in der vergangenen Woche gegenüber dem Franken – trotz der anhaltenden Schwäche an den globalen Aktienmärkten – angezogen, so Benson weiter. Einen möglichen Grund dafür sieht er im Anstieg der europäischen Renditen, da sich die Rhetorik der EZB weiterhin in eine restriktive Richtung entwickle. Der Experte geht davon aus, dass die EZB die SNB (SNBN 7'000.00 +1.16%) in den nächsten Quartalen überbieten und sich der Euro/Franken-Kurs daher trotz der Risikoaversion auf dem aktuellen Niveau halten wird.

Der jüngste Abwärtstrend des Euro zum Dollar kam derweil schon in der vergangenen Woche zum Erliegen. Die US-Währung hatte zuvor von der Aussicht auf deutlich höhere Leitzinsen in den Vereinigten Staaten profitiert. Das Fed hat wegen der hohen Inflation die Zinswende vollzogen und wird diese nach Meinung vieler Experten mit raschen und deutlichen Schritten fortsetzen, währen die EZB vorsichtiger als die US-Notenbank vorgehen dürfte.

Dem Devisenmarkt fehlt es ansonsten an klaren Impulsen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben düster. Die Sentix-Konjunkturstimmung für den Euroraum trübte sich im Mai nach Daten vom Vormittag erneut ein und fiel auf ein Zweijahrestief. Auch in anderen Weltregionen wie den USA verschlechterte sich die Stimmung weiter. Die ökonomischen Spuren des Ukraine-Kriegs würden immer sichtbarer, kommentiert Sentix die Entwicklung. In Deutschland fiel der Unterindikator für die Konjunkturerwartungen auf ein Rekordtief.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85235 (0,85625) britische Pfund und 138,10 (137,90) japanische Yen fest.

Ölpreise geben deutlich nach

Die Ölpreise sind am Montag deutlich unter Druck geraten. Ein Embargo der Europäischen Union gegen russische Erdöl-Importe ist unwahrscheinlicher geworden. Am späten Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 107,48 $. Das waren 4,91 $ weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 114.32 +3.20%)) sank um 5,26 $ auf 104,60 $.

Ungarn will gegen das geplante Embargo der EU gegen russische Erdöl-Importe sein Veto einlegen. «Ungarn wird (im EU-Rat) nicht für dieses Paket stimmen, denn die ungarischen Menschen dürfen nicht den Preis für den Krieg (in der Ukraine) bezahlen», sagte Aussenminister Peter Szijjarto am Montag im Budapester Parlament. Damit das Sanktionspaket umgesetzt werden kann, müssen alle Länder zustimmen.

Die Ölmärkte hatten zuvor kaum auf die Nachricht reagiert, dass die G7-Länder sich auf ein schrittweises Importverbot von russischem Rohöl geeinigt haben. «Diesen Schritt hatten die meisten G7-Länder ohnehin schon vollzogen», erklärte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank (CBK 8.08 +0.62%).

Fritsch verwies unterdessen auf die Entscheidung Saudi-Arabiens. Das wichtige Ölförderland hat seine offiziellen Verkaufspreise für Asien am Wochenende gesenkt. Belastung kommt am Ölmarkt vor allem aus China, da die Volksrepublik nach wie vor besonders strikt gegen die Ausbreitung des Corona-Virus vorgeht. Wochenlange Ausgangssperren in Millionen-Metropolen sorgen für eine erhebliche Belastung der Binnenkonjunktur. China ist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und einer der grössten Ölnachfrager.