Märkte / Aktien

SMI schliesst wegen Roche und Novartis tiefer

Die Schweizer Börse kann sich knapp über 12'100 halten. Viele Werte drehen ins Plus, während die Pharmaschwergewichte belasten.

(AWP/SPU) Auch am Donnerstag ging es an der Schweizer Aktienbörse abwärts. Der Leitindex SMI (SMI 11'789.17 +0.19%) näherte sich der Marke von 12’100 Punkten bis auf wenige Zähler, vermochte die Verluste nur zwischenzeitlich einzugrenzen. Schwache Pharmaschwergewichte hielten den Markt zurück und sorgten für ein deutliches Minus im SMI, während der SMIM (SMIM 3'440.80 +0.39%) und SPI (SXGE 15'302.08 +0.3%) besser performten.

Die Börsen in den USA zeigten sich etwas erholt. Der S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) notierte bei Handelsende in Zürich 0,1% fester. Auch der Dow Jones (Dow Jones 33'919.84 -0.15%) tendierte 0,1% aufwärts. Die Technologiebörse Nasdaq Composite gewann 0,2%.

Zu den Konjunktursorgen infolge von Corona und Ängsten, die US-Notenbank könnte früher als erwartet ihre Geldpolitik straffen, kommen nun die Meldungen zum chinesischen Immogiganten Evergrande. Er soll sich in finanzieller Schieflage befinden, und ein Zusammenbruch könnte laut Experten Schockwellen für das chinesische Bankensystem auslösen.

Der um 13.45 Uhr veröffentlichte EZB-Zinsentscheid gab dem hiesigen, aber auch den anderen europäischen Märkten einen kleinen Schub nach oben, allzu viel passierte allerdings nicht.

Roche (ROG 339.35 -0.63%) und Novartis (NOVN 77.07 -0.18%) schwach

Eine Belastung für den Gesamtmarkt waren die Einbussen beim Schwergewicht Novartis, die inzwischen eine negative Jahresperformance aufweisen. Die GS des Konkurrenten Roche drückten den Markt noch deutlicher. Roche hatte am Morgen mitgeteilt, dass der langjährige Biotech-Partner TIB übernommen werde.

Am Abend lagen Geberit (GEBN 746.20 +1.06%) im Plus. Holcim (HOLN 44.66 -1.63%) notierten fester. Die Titel des Zementherstellers waren in den letzten Tagen wegen der juristischen Auseinandersetzungen regelrecht unter die Räder geraten. Sie hatten am Vortag 2,3% eingebüsst, an den beiden Tagen zuvor sogar 3 und 3,8%. Nun gibt es laut Händlern Unterstützung von den Analysten von Exane BNP, die den Titel neu zum Kauf empfehlen.

Die Luxusgütertitel Swatch Group (UHR 249.00 -1.54%) und Richemont (CFR 95.66 +1.4%) bauten ihre Verluste ab, sie waren im frühen Handel von den Evergrande-Ängsten belastet worden, weil China für die beiden Unternehmen ein Schlüsselmarkt ist.

Auch Finanzdienstleister wie die Bankaktien von UBS (UBSG 14.13 -1.26%) und Credit Suisse (CSGN 8.72 -0.8%) entwickelten sich am Nachmittag etwas besser. Der Handelsstart war schwach ausgefallen.

Börsenliebling Partners Group (PGHN 1'613.00 +3.13%), der mit einer Jahresperformance von rund 50% glänzen kann, zählte für einmal zu den Verlierern. Manche Marktteilnehmer halten dies für eine durchaus gesunde Entwicklung. Sie setzten nämlich angesichts des guten Laufs des Papiere ein grosses Fragezeichen hinter die «anhaltende Preistreiberei» vieler Analysten.

Versicherer Swiss Life (SLHN 460.10 +0.48%), Zurich Insurance (ZURN 379.80 +0.13%) und Swiss Re (SREN 78.48 +0.49%) schlossen nach anfänglichen Verlusten uneinheitlich. Swiss Re waren besonders im Fokus, weil derzeit das jährliche Rückversicherungstreffen «Rendez-Vous de Septembre» stattfindet. Die Preisgestaltung müsse die künftig erwartete höhere Schadenaktivität vorwegnehmen, forderte Swiss Re im Vorfeld.

Tech-Werte gemischt

Abgaben im SMIM verzeichneten die notorisch volatilen AMS, die schon am Vortag um fast 5% eingebrochen waren. Auf der Gewinnerseite waren die Aktien des Banksoftwarespezialisten Temenos (TEMN 133.95 +0.68%) zu finden.

Schwächer waren die reisenahen Werte Dufry (DUFN 45.68 +2.65%) und Flughafen Zürich (FHZN 166.00 +2.22%). Beim Reisedetailhändler belastete ein Analystenkommentar der UBS, der vor zu hohen Erwartungen warnt.

Abwärts ging es mit Adecco (ADEN 47.65 -0.96%), die damit erstmals seit Herbst vor einem Jahr unter die Marke von 50 Fr. gefallen waren. Die Papiere des Personaldienstleisters werden seit Wochen nicht nur von Konjunktursorgen belastet, sondern auch von einer geplanten Grossakquisition, die vielen Investoren ein Dorn im Auge ist.

Tecan (TECN 572.50 -0.35%) waren gesucht. Berenberg erhöhte das Kursziel für die Aktien des Laborausrüsters von 455 auf 655 Fr. und beliess die Einstufung auf «Buy».

Am breiten Markt lagen Zahlen von Romande Energie (HREN 1'290.00 0%), der Mühlenbetreiberin Groupe Minoteries (GMI 414.00 0%) und der Immobilienfirma SF Urban Properties (SFPN 100.00 0%) vor.

Ausserdem hatte Emmi (EMMN 1'012.00 +1.81%) mit gut einem Jahr Vorlauf einen CEO-Wechsel angekündigt.

Kuros BioSciences (KURN 2.42 -2.81%) profitierten von einer Zulassung durch die US-Gesundheitsbehörde.

Perfect Holding (PRFN 0.08 +3.7%) bekamen Auftrieb, weil sich Kinarus frisches Geld beschafft hat. Kinarus will via Reverse Takeover von Perfect Holding an die SIX gelangen.

Ohne nennenswerte unternehmensspezifische Nachrichten zogen die Aktien des IT-Sicherheitsunternehmens Wisekey (WIHN 1.24 -11.43%) stark an.

Verunsicherung in Asien

Neben den US-Börsen waren auch die asiatischen Aktienmärkte am Donnerstag von Verunsicherung in Sachen Pandemie, Konjunktur und Tapering geprägt. Die japanische Regierung erwägt eine Verlängerung der Coronamassnahmen in Tokio und weiteren Regionen bin zum 30. September. Der Nikkei 225 gab 0,6% nach, im gleichen Ausmass tendierte der breitere Topix schwächer. Gut 1,5% verlor der Kospi (Kospi 3'134.66 +0.11%). Der chinesische Leitindex CSI 300 gab 0,3% nach. Der Hang Seng tendierte 2% leichter.

Euro tiefer – Dollar unter 92 Rp.

Der Euro hielt sich am Donnerstag nach den Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) über der Marke von 1.18 $. Um 17.30 Uhr MESZ kostete die Gemeinschaftswährung 1.1816 $ und damit weniger mehr als am Vorabend. Gegenüber dem Franken schwächte sie sich ab. Bei Börsenschluss in Europa wurde sie zu 1.0853 Fr. gehandelt, nach 1.0895 Fr. am Mittwochabend. Der Dollar notierte schwächer zum Franken bei 0.9186 Fr.

Ölpreis stabil

Der Ölpreis bewegte sich am Donnerstag seitwärts. So kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Brent 74.52 +0.2%) 72.50 $.

Gold (Gold 1'774.36 +0.56%) war etwas fester bei 1792 $ pro Feinunze.

Bitcoin (Bitcoin 41'234.00 -3.93%) zeigte sich nach dem jüngsten Kurssturz fester. Die grösste Cyberwährung notierte am Abend bei rund 47’000 $.

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